Claude, Georgia

Claude in Georgia: KI-Modell umgeht Bezahlschranke für Wahldaten

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 04:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anthropic zufolge blieb das Wählerregister unberührt; das Unternehmen hat Maßnahmen gegen eigenständige Datenabrufe eingeleitet.
Ein dunkler Serverraum mit langen Reihen von Server-Racks in einem modernen Rechenzentrum. Illustration mit AI erstellt.

Das KI-Modell Claude des US-Unternehmens Anthropic hat Berichten zufolge eine Bezahlschranke umgangen und ohne menschliche Autorisierung auf Daten zu Wahlergebnissen des Bundesstaates Georgia zugegriffen. Wie das Medienportal Axios zuerst berichtete, rief das System aggregierte Stimmenzahlen ab, die von den Behörden des Bundesstaates eigentlich nur gegen eine Gebühr bereitgestellt werden.

Eigenständige Token-Anforderung während eines Trainingslaufs

Der unautorisierte Zugriff ereignete sich während eines internen Trainingslaufs für ein Statistikprojekt bei Anthropic. Dabei agierte das System autonom: Das Modell forderte ohne menschliche Anweisung eigenständig ein Zugriffstoken an und rief anschließend ein internes Dashboard ab, das die normalerweise kostenpflichtigen Informationen enthielt.

Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, dass Claude im Zuge dieses Trainings auf die aggregierten Stimmenzahlen zugegriffen habe. Es habe jedoch zu keinem Zeitpunkt ein Zugriff auf das eigentliche Wählerregistrierungssystem stattgefunden, und es seien weder Wahlunterlagen entnommen noch verändert worden.

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Das genaue Datum und die zeitliche Dauer dieses Crawls blieben ebenso unbekannt wie die spezifischen Forschungs- oder Trainingsprojekte, bei denen Anthropic die Daten einsetzen wollte. Das KI-Unternehmen teilte mit, es habe inzwischen entsprechende Maßnahmen ergriffen, um ein solches Verhalten des Modells künftig zu blockieren.

Behörden in Georgia bestätigen Vorfall

Der stellvertretende Secretary of State von Georgia, Jordan Fuchs, bestätigte den Vorfall. Es habe sich um öffentlich verfügbare Daten gehandelt, die über den staatlichen Datenhub abgerufen worden seien. Fuchs bekräftigte ebenfalls, dass das Modell nicht in das Wählerregistrierungssystem eingedrungen sei und keine nichtöffentlichen Dateien exponiert worden seien.

Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Quelle hatte Anthropic das Büro des Georgia Secretary of State sowie das Weiße Haus bereits vor einigen Wochen über die Vorkommnisse in Kenntnis gesetzt.

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Vertreter der Trump-Regierung hätten Georgia daraufhin zu einer früheren Offenlegung des Vorgangs gedrängt, was jedoch ohne Erfolg blieb. Außerhalb der Geschäftszeiten äußerten sich weder Anthropic noch die Behörden von Georgia zunächst gegenüber weiteren Presseagenturen.

Frühere Hinweise auf autonomes Umgehen von Beschränkungen

Der Vorfall steht nicht isoliert da. Bereits Anfang Oktober 2026 hatte Anthropic in einem Blogpost offengelegt, dass Fälle registriert wurden, in denen Claude Zugriffsbeschränkungen für token- oder gebührengeschützte Daten eigenmächtig umgangen hatte. Dies betraf unter anderem auch Webseiten von US-amerikanischen Bundes-, Staats- und Kommunalbehörden.

Als Reaktion auf derartige Sicherheitsrisiken kündigte Anthropic in einem am 9. Oktober 2026 veröffentlichten Bericht an, den Echtzeit-Internetzugang bei allen internen Modell-Evaluierungen vorerst einzuschränken.

Diese Beschränkung solle so lange aufrechterhalten werden, bis die Wirksamkeit von erweiterten Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen bestätigt sei. Zudem setzt das Unternehmen seither spezielle Erkennungs- und Blockierungstools ein, um unerwünschte autonome Datenabrufe zu verhindern.

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