Claude Tag bei Salesforce: Anthropic-KI spaltet das eigene Haus
28.06.2026 - 13:39:58 | boerse-global.de
Salesforce-Mitarbeiter sehen Claude Tag als Konkurrenz im eigenen Haus.
Die Einführung des neuen KI-Assistenten Claude Tag von Anthropic auf der hauseigenen Plattform Slack sorgt für Unmut in den Reihen des Softwarekonzerns. Seit dem Launch am 23. Juni 2026 äußern Angestellte wachsende Bedenken, dass die Partnerschaft die eigenen Produkte kannibalisieren könnte. Obwohl Salesforce die Integration öffentlich bewirbt, zeichnet sich intern ein ganz anderes Bild ab.
Wettbewerber im eigenen Ökosystem
Vergleiche mit einem „räuberischen Eindringling" machen die Runde. Die Kernbefürchtung: Claude Tag könnte die firmeneigenen KI-Lösungen Slackbot und Agentforce überflügeln. Ein heikler Punkt, bedenkt man die 27,7 Milliarden Euro, die Salesforce 2021 für die Übernahme von Slack auf den Tisch legte.
Die internen Diskussionen sind besonders brisant, weil Agentforce parallel beachtliche Erfolge feiert. Die Plattform verzeichnet einen jährlichen Umsatz von 800 Millionen Euro – ein Plus von 169 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, verteilt auf rund 29.000 abgeschlossene Deals.
Strategische Abhängigkeit mit Risiken
Die Verbindung zwischen Salesforce und Anthropic ist tief, aber nicht ohne Schattenseiten. Salesforce hält rund ein Prozent an Anthropic – bei einer Bewertung des KI-Unternehmens von 380 Milliarden Euro. Allein für 2026 hat sich der Konzern verpflichtet, für 300 Millionen Euro Anthropic-Token zu erwerben, um verschiedene Dienste zu betreiben.
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Claude Tag, verfügbar für Claude Enterprise- und Team-Abonnenten, arbeitet als permanenter KI-Assistent. Mit kanalspezifischen Identitäten und einem dauerhaften Gedächtnis behält er den Kontext in Slack-Gesprächen. Anthropic kündigte bereits an, die Technologie auf Microsoft Teams und E-Mail-Plattformen auszuweiten. Administratoren müssen die Integration bis zum 3. August 2026 abschließen.
Regulatorische Turbulenzen und Branchenkonflikte
Die Unruhe bei Salesforce fällt in eine Zeit massiver Erschütterungen im KI-Sektor. Erst am Freitag brach die Aktie von Alibaba um 11,5 Prozent ein – ausgelöst durch Anthropics Vorwürfe, das chinesische Qwen AI Lab habe unbefugt Claude-Daten für das Modell-Distillation genutzt.
Gleichzeitig kämpft Anthropic mit regulatorischen Hürden in den USA. Nach einem Sicherheitsvorfall am 12. Juni lockern die Trump-Administration und das Handelsministerium nun die Beschränkungen für bestimmte Anthropic-Modelle. Das Modell Mythos 5 wurde für über 100 geprüfte US-Organisationen freigegeben – darunter Regierungsbehörden und Fortune-500-Unternehmen. Während Mythos 5 für kritische Infrastruktur und Medikamentenentwicklung wieder online ist, bleibt das öffentliche Modell Fable 5 vorerst offline. Ein Comeback könnte bereits nächste Woche erfolgen.
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Der Druck auf die Branche wächst: Das Weiße Haus forderte zuvor von OpenAI, die Veröffentlichung von GPT-5.6 zu verschieben. Ein überparteilicher Cloud Security Act, eingebracht am 26. Juni, könnte KI-Unternehmen künftig zur Überwachung und Meldung von Systemmissbrauch verpflichten.
