Cloud-Gatekeeper: EU stuft AWS und Azure als Marktbeherrscher ein
Veröffentlicht am: 19.06.2026 um 16:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die EuropĂ€ische Kommission stuft Amazon Web Services und Microsoft Azure als sogenannte âGatekeeperâ ein â mit weitreichenden Folgen fĂŒr den Milliardenmarkt.
BrĂŒssel verschĂ€rft den Kampf gegen die Marktmacht amerikanischer Cloud-Anbieter. VorlĂ€ufige Ermittlungsergebnisse zeigen, dass AWS und Microsoft Azure die qualitativen Kriterien fĂŒr die Gatekeeper-Einstufung nach dem Digital Markets Act (DMA) erfĂŒllen â obwohl sie die automatischen Umsatzschwellenwerte verfehlen. Eine endgĂŒltige Entscheidung wird bis Ende 2026 erwartet.
Marktmacht und AbhÀngigkeit im Fokus
Anzeige: Wer seine Cloud-Infrastruktur vor den neuen DMA-Auflagen absichern will, findet in diesem Report die wichtigsten Strategie-Hebel â von der Lock-in-Vermeidung bis zur Migration auf europĂ€ische Alternativen. Jetzt kostenlosen DMA-Fahrplan anfordern
Die Untersuchung zielt auf die dominante Stellung der US-Hyperscaler ab. Gemeinsam kontrollieren sie rund 70 Prozent der europĂ€ischen Cloud-Infrastruktur-Einnahmen. In SchlĂŒsselregionen kommen AWS und Azure allein auf einen Marktanteil zwischen 50 und 60 Prozent. Der europĂ€ische Cloud-Markt wird derzeit auf ĂŒber 90 Milliarden Euro geschĂ€tzt.
Die WettbewerbshĂŒter prĂŒfen gezielt Praktiken, die den Wettbewerb behindern könnten: hohe GebĂŒhren fĂŒr den Datentransfer, proprietĂ€re Lock-in-Effekte und die BĂŒndelung verschiedener Software-Dienste. Auch die ZuverlĂ€ssigkeit der Dienste spielt eine Rolle â ein 15-stĂŒndiger AWS-Ausfall und mehrere Azure-Störungen wurden in die Bewertung einbezogen.
Google Cloud bleibt vorerst auĂen vor. Der Grund: die vergleichsweise geringere Marktbedeutung in Europa.
Strenge Auflagen und hohe Strafen drohen
Wird die Gatekeeper-Einstufung bestĂ€tigt, mĂŒssen Amazon und Microsoft weitreichende Auflagen erfĂŒllen. Dazu gehören die InteroperabilitĂ€t zwischen verschiedenen Cloud-Diensten, erleichterte DatenportabilitĂ€t fĂŒr Kunden und strenge Regeln gegen Selbstbevorzugung. Ziel ist es, Markteintrittsbarrieren zu senken und wettbewerbswidrige Praktiken zu unterbinden.
Die finanziellen Risiken sind enorm: Bei VerstöĂen drohen BuĂgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, bei wiederholten Vergehen sogar 20 Prozent. Nach einer endgĂŒltigen Entscheidung haben die Unternehmen in der Regel sechs Monate Zeit, ihre GeschĂ€ftspraktiken anzupassen.
Branche reagiert â und kĂ€mpft mit KapazitĂ€tsproblemen
Ein AWS-Sprecher warnte, die Einstufung als Gatekeeper könne Innovationen ersticken und die Kosten fĂŒr Verbraucher in die Höhe treiben. Microsoft zeigte sich dagegen gesprĂ€chsbereit und signalisierte Kooperationswillen.
Der Zeitpunkt ist brisant: Microsoft kĂ€mpft intern mit KapazitĂ€tsengpĂ€ssen. Um die hohe Nachfrage nach KI-Diensten wie GitHub Copilot zu bewĂ€ltigen, will der Konzern ab Juni 2026 auf Drittanbieter-Clouds zurĂŒckgreifen.
Anzeige: IT-Entscheider, die bereits hohe DatentransfergebĂŒhren und AbhĂ€ngigkeiten von US-Hyperscalern spĂŒren, brauchen jetzt einen klaren Compliance-Fahrplan â bevor die EU bis Ende 2026 endgĂŒltige Gatekeeper-Entscheidungen trifft. Dieser Leitfaden liefert eine Schritt-fĂŒr-Schritt-Migrationscheckliste und eine Vergleichsstudie europĂ€ischer Cloud-Anbieter. DMA-Compliance-Checkliste jetzt sichern
Europas KI-Infrastruktur hinkt hinterher
Parallel dazu haben europĂ€ische Behörden ihre PlĂ€ne fĂŒr ein groĂes KI-Rechenzentrum zurĂŒckgeschraubt. Statt ursprĂŒnglich fĂŒnf Zentren mit 100.000 Hochleistungschips sind nun sieben Zentren im GesprĂ€ch. Der Grund: Europa verfĂŒgt nur ĂŒber rund fĂŒnf Prozent der weltweiten KI-RechenkapazitĂ€t â die USA halten 80 Prozent.
Neben der EU prĂŒft auch die britische Wettbewerbsbehörde CMA den âStrategischen Marktstatusâ von AWS und Azure. Die Entwicklung dĂŒrfte fĂŒr SAP, die Telekom und andere deutsche Cloud-Anbieter von groĂer Bedeutung sein â sie könnten von strengeren Regeln fĂŒr die US-Riesen profitieren.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Ănderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.
