Cloud-Regulierung: EU stuft AWS und Azure als Gatekeeper ein
25.06.2026 - 17:47:52 | boerse-global.de
Erstmals wendet Brüssel damit das strenge Digital Markets Act auf den Cloud-Markt an.
Siebenmonatige Untersuchung führte zu vorläufiger Entscheidung
Die Kommission leitete die Prüfung am 18. November 2025 ein. Obwohl AWS und Azure die üblichen quantitativen Schwellenwerte für eine automatische Gatekeeper-Einstufung nicht erreichten, wählten die Regulierer einen qualitativen Ansatz. Das Ergebnis: Die beiden Dienste sind der größte und zweitgrößte Cloud-Anbieter in der Europäischen Union.
Die Regulierungsbehörden begründen ihren Schritt mit erheblicher Marktmacht. Hohe Wechselkosten und Lock-in-Effekte verhinderten, dass Unternehmen zwischen Anbietern wechseln könnten. Branchendaten zufolge nutzen mehr als 50 Prozent aller Unternehmen in der EU Cloud-Infrastruktur. Bestätigt sich die vorläufige Einstufung, haben Amazon und Microsoft sechs Monate Zeit, ihre Cloud-Dienste an die DMA-Vorgaben anzupassen.
Neue Pflichten und mögliche Milliardenstrafen
Der geplante Gatekeeper-Status verpflichtet AWS und Azure zu mehreren neuen Auflagen. Dazu gehören die Sicherstellung der Interoperabilität mit konkurrierenden Diensten, die Bereitstellung von Werkzeugen für einfachere Datenportabilität und ein striktes Verbot der Selbstbevorzugung eigener Software auf den Cloud-Plattformen.
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Die finanziellen Risiken bei Verstößen sind enorm. Die EU-Kommission kann Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. Amazon und Microsoft wurden aufgefordert, zu den vorläufigen Ergebnissen Stellung zu nehmen. Amazon argumentiert, die DMA-Einstufung würde bestehende Regulierungen des Data Act duplizieren und könnte künftige Investitionen beeinträchtigen. Microsoft verweist auf das schnelle Wachstum von Konkurrenten wie Google Cloud als Beleg für einen sich verändernden Markt.
Clouds als Drehkreuz der KI-Infrastruktur
Der Vorstoß zur Regulierung von Cloud-Anbietern fällt in eine Phase verstärkter europäischer Bemühungen um technologische Souveränität. EU-Tech-Chefin Henna Virkkunen betonte, Cloud-Infrastruktur sei eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung und den Einsatz künstlicher Intelligenz. Derzeit kontrollieren US-Anbieter – darunter Microsoft, Amazon und Google – mehr als 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes.
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Die Regulierungsinitiative steht im Zusammenhang mit dem Europäischen Paket für technologische Souveränität, das Anfang Juni 2026 vorgestellt wurde. Es enthält unter anderem das Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz (CADA), das die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern verringern und klare Sicherheitsstufen für die Datensouveränität bei öffentlichen Aufträgen festlegen soll.
Nächste Schritte und Ausblick
Die Kommission plant für den 1. Juli 2026 Anhörungen mit Stakeholdern, um die Auswirkungen der Einstufungen zu erörtern und zu prüfen, ob die aktuellen DMA-Verpflichtungen für den sich entwickelnden Cloud- und KI-Sektor ausreichen. Eine endgültige Entscheidung über den Gatekeeper-Status von AWS und Azure wird für November 2026 erwartet.
