Coldcard-Wallets: 594 BTC gestohlen durch fünf Jahre alten Bug
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 23:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher haben am 30. Juli 2026 eine kritische Schwachstelle in den Hardware-Wallets der Marke Coldcard des Herstellers Coinkite bestätigt. Der Fehler in der Firmware bestand über einen Zeitraum von fünf Jahren und beeinträchtigte die Generierung von Zufallszahlen massiv. In der Folge wurden bereits etwa 594 BTC aus rund 500 betroffenen Wallets entwendet, was zum Zeitpunkt des Vorfalls einem Gegenwert von etwa 38 Mio. US-Dollar entsprach.
Automatisierter Diebstahl in Millionenhöhe
Der Abfluss der Kryptowerte erfolgte in einem kurzen Zeitfenster von etwa 25 Minuten. Dabei wurden 594,48 BTC durch die Bewegung von 1.324 sogenannten Unspent Transaction Outputs (UTXOs) in insgesamt 500 Transaktionen gestohlen. Ein Großteil der Beute, etwa 562 BTC, wurde anschließend auf einer Sammeladresse konsolidiert. Berichten von Galaxy Research zufolge könnte das Ausmaß des Vorfalls jedoch noch größer sein. Die Analysten stellten fest, dass insgesamt 1.082,65 BTC (ca. 70,2 Mio. US-Dollar) aus 1.196 Wallets innerhalb von 41 Minuten transferiert wurden.
Die Offenlegung der Sicherheitslücke erfolgte erst etwa 30 Stunden nach dem eigentlichen Vorfall. Betroffen waren überwiegend Single-Signature-Wallets, die ein Guthaben von mehr als 0,15 BTC aufwiesen und zum Teil seit Jahren inaktiv waren. Der Angreifer nutzte für den Zugriff auf die Bestände offenbar automatisierte Prozesse.
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Ursache in der Firmware-Historie
Die technische Ursache für die Kompromittierung liegt in einem Firmware-Bug, der bis in den März 2021 zurückreicht und mit der Version 4.0.0 eingeführt wurde. Dieser Fehler führte dazu, dass der hardwarebasierte Zufallszahlengenerator (RNG) umgangen wurde. Stattdessen griff das System auf ein Yasmarang-Fallback-Verfahren zurück, das lediglich eine Entropie von etwa 40 Bit aufwies. Die kryptografischen Schlüssel wurden dabei unter anderem aus der Seriennummer des Geräts und der Systemzeit abgeleitet, was sie für Angreifer vorhersehbar machte.
Betroffen von dieser spezifischen Schwachstelle sind die Coldcard-Modelle Mk2 und Mk3 mit Firmware-Versionen zwischen 4.0.0 und 5.0.3. Insbesondere Seeds, die unter der Firmware-Version 4.0.1 oder höher generiert wurden, gelten als potenziell gefährdet. Auch neuere Modelle wie Mk4, Mk5 und das Modell Q weisen in älteren Firmware-Versionen (Mk4/Mk5 vor 5.6.0, Q vor 1.5.0) eine reduzierte Entropie von etwa 72 Bit auf.
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Gegenmaßnahmen und Empfehlungen für Nutzer
Coinkite hat auf den Vorfall mit einer offiziellen Sicherheitswarnung reagiert und rät betroffenen Nutzern zur sofortigen Vorsicht. Das Unternehmen empfiehlt, neue Seeds zu generieren und die Bestände auf neue Adressen zu migrieren. Eine Notfall-Firmware wurde bereits zur Verfügung gestellt. Zudem arbeite Coinkite aktiv an einem speziellen Update für das Modell Mk3, um die Migration für die Nutzer sicherer zu gestalten.
Nach Einschätzung des Herstellers besteht für Anwender, die bei der Einrichtung ihrer Wallet das Verfahren mit 50 Würfelwürfen (Dice Rolls) genutzt oder ein starkes BIP-39-Passwort festgelegt haben, ein geringeres Risiko. Dennoch meldeten zahlreiche Nutzer auf Plattformen wie Reddit bereits geleerte Wallets.
Trotz des massiven Diebstahls und der technischen Verunsicherung reagierte der Markt stabil. Der Bitcoin-Preis verzeichnete kaum Auswirkungen und notierte im Zeitraum der Berichterstattung bei etwa 63.847 US-Dollar. Die genaue Ursache für den flächendeckenden Zugriff auf die Wallets wird laut Coinkite derzeit noch final untersucht.
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