Collabora CODE 26.04: Markdown und Multi-User-Spreadsheets
25.06.2026 - 18:36:12 | boerse-global.de
Collabora Online erhĂ€lt ein umfangreiches Update â genau zum richtigen Zeitpunkt.
Der Markt fĂŒr freie BĂŒrosoftware im Internet erlebt einen neuen Schub. Am 25. Juni 2026 veröffentlichte Collabora die Version CODE 26.04, die Entwickleredition seiner cloudbasierten Office-Suite. Die Aktualisierung kommt in einer Phase, in der die Nachfrage nach digitaler SouverĂ€nitĂ€t vor allem im öffentlichen Sektor wĂ€chst â und gleichzeitig die Spannungen zwischen den groĂen Playern der Open-Source-Gemeinschaft zunehmen.
KI-Funktionen an Bord â aber deaktiviert
Die neue Version bringt eine Reihe praktischer Neuerungen mit. Native Markdown-UnterstĂŒtzung und eine Mehrseitenansicht fĂŒr Dokumente erleichtern die Arbeit. Die Ăberarbeitungsfunktion (Track Changes) wurde verbessert, und Tabellenkalkulationen behandeln Formelfehler jetzt intelligenter.
Ein besonderes Highlight: Pro-Nutzer-Ansichten in Spreadsheets. Mehrere Bearbeiter können Daten gleichzeitig filtern und sortieren, ohne dass sich die Ansicht der anderen Ă€ndert. Das dĂŒrfte vor allem Teams mit groĂen Datenmengen freuen.
KĂŒnstliche Intelligenz ist zwar integriert, bleibt aber standardmĂ€Ăig deaktiviert. Der Entwickler reagiert damit auf eine wachsende ZurĂŒckhaltung in der Branche. Umfragen aus dem April 2026 zeigen: Die meisten IT-Entscheider glauben zwar, KI steuern zu können â doch nur eine Minderheit hat tatsĂ€chlich formelle Richtlinien dafĂŒr aufgestellt.
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RivalitÀt belebt das GeschÀft
Die Veröffentlichung von CODE 26.04 verschĂ€rft einen Konflikt innerhalb der Open-Source-Szene. Erst im MĂ€rz 2026 hatte The Document Foundation sein eigenes LibreOffice Online wiederbelebt. Zuvor hatten interne Spannungen dazu gefĂŒhrt, dass mehrere Entwickler abwanderten â viele davon landeten im Collabora-Ăkosystem.
Collabora selbst bietet seit November 2025 auch eine Desktop-Version seiner Suite an. Damit gibt es eine lokale Server-Alternative zu rein webbasierten Lösungen.
Die Entwicklung dieser Werkzeuge ist eng mit europĂ€ischen Interessen an digitaler SouverĂ€nitĂ€t verknĂŒpft. Ein Beispiel: Das französische Bildungsministerium nutzt eine Collabora-basierte Suite fĂŒr Nuage, eine Open-Source-Cloud-Plattform mit 400.000 Nutzern. Die Speicherfunktionen kamen gut an â doch das Office-Interface wirkt fĂŒr viele Anwender ungewohnt im Vergleich zu etablierten Alternativen.
Die Kostenfrage bleibt ein Hindernis: Das Ministerium zahlt weiterhin rund 2,5 Millionen Euro jĂ€hrlich fĂŒr Windows-Lizenzen auf 50.000 GerĂ€ten. Das zeigt, wie schwierig der vollstĂ€ndige Umstieg von proprietĂ€rer Software sein kann.
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EU-Regulierung setzt Cloud-Giganten unter Druck
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist strategisch gĂŒnstig. Am 25. Juni 2026 leitete die EU-Kommission ein Verfahren ein, um Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure als Gatekeeper im Sinne des Digital Markets Act (DMA) einzustufen.
Die Regulierungsbehörden sehen hohe Wechselkosten und Lock-in-Effekte als Hauptprobleme im Cloud-Sektor. Sollte der Gatekeeper-Status bestĂ€tigt werden, mĂŒssten die Anbieter strenge Auflagen zur DatenportabilitĂ€t und InteroperabilitĂ€t erfĂŒllen. Bei VerstöĂen drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Solche regulatorischen Entwicklungen könnten die Nachfrage nach interoperablen Open-Source-Lösungen wie CODE weiter ankurbeln. Organisationen suchen zunehmend nach flexiblen Cloud-Infrastrukturen, die sie nicht an die Ăkosysteme der groĂen Anbieter binden.
