Collabora, Office

Collabora Office 26.04: Optionale KI lÀsst Nutzern die Datenkontrolle

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 20:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die dÀnische Behörde beendete den Test, wÀhrend Collabora technische Verbesserungen nennt und einen Neustart noch 2026 plant.
Ein minimalistischer, aufgerĂ€umter Schreibtisch in einem hellen, modernen BĂŒro mit natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Mit der Veröffentlichung von Collabora Office 26.04 im Juli 2026 hat das Softwarehaus Collabora seine quelloffene BĂŒrosoftware fĂŒr Linux, macOS und Windows grundlegend ĂŒberarbeitet. Kern der neuen Desktop-Version ist eine optionale KI-Assistenz. Diese Funktion ist standardmĂ€ĂŸig deaktiviert, um Anwendern die volle Kontrolle ĂŒber ihre Arbeitsumgebung zu belassen.

Nutzer können den gewĂŒnschten Modellanbieter selbst festlegen, wobei sowohl Cloud-Dienste als auch lokal gehostete Lösungen wie Ollama unterstĂŒtzt werden. Zudem bedarf jeder Zugriff auf Dokumentinhalte einer expliziten Freigabe durch die Anwender.

Im September 2026 folgte mit der Version 26.04.3 die Bereitstellung fĂŒr die mobilen Betriebssysteme Android und iOS. Nach Angaben von Collabora-Chef Michael Meeks setzt das Unternehmen auf allen Plattformen – im Browser, auf dem Desktop sowie auf MobilgerĂ€ten – auf dieselbe technische Engine.

Erweiterte Funktionen und App-Store-Vertrieb

Neben den KI-Funktionen bringt Collabora Office 26.04 funktionale Erweiterungen mit. Das Textverarbeitungsprogramm Writer verfĂŒgt nun ĂŒber Werkzeuge fĂŒr den Dokumentvergleich sowie eine Mehrseitenansicht. Im Tabellenkalkulationsprogramm Calc wurden berechnete Pivot-Felder eingefĂŒhrt.

Zugleich gibt Collabora eine verbesserte KompatibilitĂ€t mit Microsoft-Office-Formaten an. Bei der kostenfreien Veröffentlichung handelt es sich um eine frĂŒhe Version mit verbleibenden Softwarefehlern, fĂŒr die noch kein Enterprise-Support bereitsteht.

ZusĂ€tzlich vertreibt das Unternehmen die BĂŒrosoftware inzwischen auch ĂŒber den französischen Mac App Store. Die Mac-Anwendung bietet Offline-Nutzung, automatische Aktualisierungen und UnterstĂŒtzung fĂŒr Standardformate wie OpenDocument sowie Microsoft Office. Um die Software mit integrierter VerschlĂŒsselung in Frankreich anbieten zu können, schloss Collabora das Meldeverfahren bei der nationalen Cybersicherheitsbehörde ANSSI ab.

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RĂŒckschlag bei dĂ€nischem Ministeriumspilotprojekt

WĂ€hrend Collabora an neuen Softwareversionen arbeitet, verlĂ€uft der praktische Einsatz im europĂ€ischen Behördenumfeld nicht reibungslos. DĂ€nemarks Digitalisierungsministerium hatte einen rund sechs Monate dauernden Pilotbetrieb durchgefĂŒhrt.

Nach Medienberichten vom 20. Oktober 2026 wurde das Vorhaben jedoch eingestellt. Wie ein Ministeriumssprecher bestÀtigte, ist keine Wiederaufnahme und auch keine systematische Vergleichsevaluierung vorgesehen. In der Behörde dient Microsoft Office wieder als Standardwerkzeug; laut Ministerium nutze die Software von Collabora gegenwÀrtig niemand.

Zuvor hatte die frĂŒhere Digitalisierungsministerin Caroline Stage das Projekt als Einstieg gewertet, um die AbhĂ€ngigkeit von US-Technologie zu verringern. UrsprĂŒnglich war beabsichtigt gewesen, Office 365 bis zum Ende des Herbstes 2025 abzulösen.

WĂ€hrend der Testphase traten im Ministerium jedoch diverse technische HĂŒrden auf. Dokumentiert wurden Probleme bei Formatierungen und Formatvorlagen, leere Seiten, MĂ€ngel an der Änderungsverfolgung sowie InteroperabilitĂ€tsschwierigkeiten mit OOXML-Dokumenten.

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Zudem fehlte in internen Vorlagen zunĂ€chst die Schriftart Georgia, die nachtrĂ€glich von cBrain ergĂ€nzt werden musste. Anwender berichteten ĂŒber unerwĂŒnschte Fettformatierungen, ZeilenumbrĂŒche, fehlerhafte Druckbefehle ĂŒber die Tastenkombination Strg+P, die das gesamte Anwendungsfenster druckten, sowie ĂŒber leere Dateien aus dem Finanzministerium.

Kontroverse um Auswertung und Neustart

Die abrupte Beendigung ohne formales Post-Mortem stĂ¶ĂŸt in Fachkreisen auf Kritik. Mikkel Flyverbom, Professor an der Copenhagen Business School, bemĂ€ngelte, dass die gewonnenen Erfahrungen nicht geteilt worden seien. Dadurch seien die bereitgestellten Mittel fĂŒr mehr UnabhĂ€ngigkeit von großen Tech-Konzernen ungenutzt geblieben.

Collabora-Chef Michael Meeks widerspricht hingegen der EinschĂ€tzung eines endgĂŒltigen Scheiterns. Er erklĂ€rte, das Ministeriumsprojekt sei lediglich infolge von Wahlen und Umstrukturierungen innerhalb der Verwaltung pausiert worden. Die gemeldeten technischen MĂ€ngel seien bereits im Jahr 2025 behoben worden. Collabora plane einen Neustart des Vorhabens mit einer neuen Gruppe von Beteiligten noch vor dem Jahresende.

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