Community Notes: Meta expandiert in 16 lateinamerikanische LĂ€nder
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 03:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Meta hat den Test seines Community-Notes-Systems auf 16 spanischsprachige LĂ€nder Lateinamerikas ausgeweitet. Betroffen sind Argentinien, Bolivien, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Uruguay und Venezuela, wie das Unternehmen mitteilte. Brasilien, Metas gröĂter Markt in der Region, und Spanien sind von dem Test ausgenommen â Brasilien steht im Oktober vor PrĂ€sidentschaftswahlen.
Wie der Test funktioniert
WĂ€hrend der Testphase werden die sogenannten âNotas de la Comunidad" den Nutzern nicht öffentlich angezeigt. Das unabhĂ€ngige Fact-Checking-Programm lĂ€uft laut Meta parallel weiter.
Um als Contributor teilzunehmen, mĂŒssen Nutzer ĂŒber 18 Jahre alt sein, ein Konto besitzen, das Ă€lter als sechs Monate ist, dĂŒrfen keine RichtlinienverstöĂe aufweisen und mĂŒssen ihre Telefonnummer sowie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung verifizieren.
Notes werden zudem nur dann sichtbar geschaltet, wenn ein parteiĂŒbergreifender Konsens unter den Contributorn besteht â ein GroĂteil der verfassten Notes wird demnach nie angezeigt.
Der Test erfolgt mehr als ein Jahr nach dem Start des Systems in den USA im Januar 2025 und nach dem Ende der dortigen Fact-Checking-Partnerschaften, die Mark Zuckerberg im selben Monat beendete. Meta plant nach eigenen Angaben einen vollstĂ€ndigen Launch sowie perspektivisch die Ablösung der bisherigen Fact-Checking-Programme, ohne dafĂŒr bislang einen Zeitplan zu nennen.
Bilanz aus den USA und Vorlauf in der Region
In den USA verzeichnet Meta laut eigenen Angaben mittlerweile mehr als 1,4 Millionen Contributor und mehr als 50.000 veröffentlichte BeitrÀge. Im Juli 2026 sollen mehr als 200 Millionen Menschen einen Post mit einer Community Note gesehen haben. Im Mai 2026 meldete Meta zudem 50 Prozent weniger Fehler bei der Durchsetzung von Richtlinien.
In Lateinamerika war der Vorlauf deutlich kleiner: Im September 2025 gab es dort rund 70.000 Contributor und 15.000 Notes, von denen nur etwa 6 Prozent tatsÀchlich veröffentlicht wurden.
Kritik von Fact-Checkern und Oversight Board
Meta testet Community Notes jetzt in 16 spanischsprachigen LĂ€ndern Lateinamerikas â wĂ€hrend der Testphase bleiben die Notes unsichtbar, das Fact-Checking lĂ€uft parallel weiter. Wer Plattformen und Kampagnen in der Region verantwortet, braucht vor der nĂ€chsten Wahl- und Krisenphase eine belastbare Risikoanalyse statt BauchgefĂŒhl. Der kostenlose Leitfaden bĂŒndelt LĂ€nder-Checkliste, Risiko-Template und Contributor-Kriterien in einem Dokument. Compliance-Leitfaden Lateinamerika jetzt anfordern
Die Ausweitung stöĂt auf deutliche Kritik. Angie Drobnic Holan, Direktorin des International Fact-Checking Network (IFCN), zeigte sich tief besorgt und betonte, das System allein reiche nicht aus.
Das IFCN verweist zudem auf eine Warnung des Meta-eigenen Oversight Board, die vor weniger als sechs Monaten ausgesprochen wurde und vor einer Expansion in Krisen- und KonfliktlÀnder, Wahlphasen sowie LÀnder mit aktiven Desinformationsnetzwerken warnte.
Als besondere RisikolÀnder nennt das IFCN Nicaragua, wo Wahlen abgeschafft wurden, El Salvador und Ecuador mit dokumentierten Desinformationsnetzwerken sowie Venezuela aufgrund anhaltender politischer InstabilitÀt.
Das Oversight Board fordert, die Umsetzung nur nach einer lĂ€nderspezifischen Risikoanalyse vorzunehmen und die weitere Expansion erst nach PrĂŒfung der Erfahrungen aus dem US-Markt fortzusetzen. Ein erster Risikokriterien-Bericht von Meta steht bislang aus.
Auch das Netzwerk LatamChequea, ein Zusammenschluss aus 47 regionalen Verifikationsinitiativen, fordert Meta auf, Community Notes nicht als Ersatz fĂŒr unabhĂ€ngige Verifikation einzusetzen, sondern lediglich als ErgĂ€nzung.
Rund 14 Agenturen der Region sind Teil von Metas globalem Fact-Checking-Programm, das seit 2016 besteht; AFP prĂŒft dabei in 26 Sprachen. AFP-Chef Chetwynd forderte, dass beide Systeme â Community Notes und professionelles Fact-Checking â koexistieren sollten.
Zweifel an der Wirksamkeit
Das Oversight Board warnt vor einer Expansion in Krisen- und KonfliktlĂ€nder, Wahlphasen und MĂ€rkte mit aktiven Desinformationsnetzwerken â und fordert eine lĂ€nderspezifische Risikoanalyse, bevor weitere LĂ€nder folgen. Ein erster Risikokriterien-Bericht von Meta steht bislang aus. Solange diese LĂŒcke offen ist, tragen Plattform-Verantwortliche das Risiko allein. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Desinformationsnetzwerke systematisch bewerten und Ihre Compliance-Argumentation belegen. Risikoanalyse-Template jetzt herunterladen
Nach EinschĂ€tzung von Experten können rund 50 Prozent der Nutzer Inhalte nicht auf Anhieb als echt oder falsch erkennen. Als Beleg fĂŒr mögliche LĂŒcken im System wird angefĂŒhrt, dass seit April nur 3 Prozent der von AFP-US als falsch eingestuften Instagram-Posts eine Community Note erhielten.
Zur Einordnung der politischen SensibilitĂ€t der Region wird auch auf Brasilien verwiesen, wo der Oberste Gerichtshof die Plattform X im Jahr 2024 fĂŒr 40 Tage sperrte.
Mehr zum Thema bei Engadget: âMeta Is Testing Community Notes In Latin America. Fact Checkers Are Worried.â
