COPD-Therapie: Tozorakimab reduziert Exazerbationen um bis zu 43%
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 19:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Erforschung neuer Therapieansätze für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) hat in den letzten Monaten bedeutende Fortschritte erzielt.
Im Zentrum der aktuellen Entwicklungen stehen Daten aus den Phase-III-Studien OBERON und TITANIA, in denen der Wirkstoff Tozorakimab des Pharmakonzerns AstraZeneca untersucht wurde. Die Ergebnisse deuten auf eine potenzielle neue Behandlungsoption für Patienten hin, die unter moderaten bis schweren Krankheitsverläufen leiden.
Studienergebnisse zur Wirksamkeit von Tozorakimab
In den groß angelegten Studien OBERON und TITANIA wurde der Einsatz von 300 mg Tozorakimab bei einer Verabreichung alle vier Wochen geprüft. Die im März 2026 erreichten primären Endpunkte belegen eine statistisch signifikante Reduktion moderater bis schwerer COPD-Exazerbationen.
Bei ehemaligen Rauchern sank die Rate der Exazerbationen in der OBERON-Studie um 29 % und in der TITANIA-Studie um 34 %. Betrachtet man die Gesamtpopulation der Studien, ergaben sich Reduktionen von 30 % beziehungsweise 29 %.
Eine gepoolte Analyse der Daten lieferte zudem detaillierte Einblicke in die Wirksamkeit in Abhängigkeit von der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut (Blood Eosinophil Count, BEC). Bei Patienten mit einem BEC-Wert von unter 150 Zellen pro Mikroliter reduzierte sich die Exazerbationsrate um 23 %.
Deutlichere Effekte zeigten sich bei höheren Werten: Bei einem BEC von mindestens 150 stieg die Reduktion auf 34 %, während bei Patienten mit einem BEC von 300 oder mehr eine Senkung um 43 % verzeichnet wurde.
Aufgrund dieser Daten hat die US-Arzneimittelbehörde FDA ein beschleunigtes Prüfverfahren (Priority Review) gewährt. Mit einer Entscheidung im Rahmen des PDUFA-Termins wird im ersten Quartal 2027 gerechnet.
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Ergänzend dazu wurden auf dem ERS-Kongress 2026 Ergebnisse der Phase-2a-Studie FRONTIER-4 vorgestellt. Proteomische Analysen zeigten hierbei, dass unter der Gabe von 600 mg Tozorakimab entzündungsrelevante Proteine in Nasen- und Sputumproben reduziert wurden.
Fortschritte bei weiteren biologischen Therapieansätzen
Neben AstraZeneca treiben auch andere Unternehmen die Entwicklung von Antikörpern voran. Mabwell präsentierte Daten aus einer Phase-Ib/IIa-Studie für den Anti-ST2-Antikörper 9MW1911. Bei ehemaligen Rauchern mit moderater bis schwerer COPD führte eine Dosierung von 900 mg zu einer Reduktion der moderaten bis schweren Exazerbationsrate um 81 % im Vergleich zu Placebo.
Schwere Exazerbationen konnten in dieser Dosisgruppe sogar vollständig vermieden werden. Das Unternehmen hat die Rekrutierung für die Phase-IIb bereits abgeschlossen und plant den Beginn der Phase III für Ende 2026.
Ebenfalls im klinischen Fokus steht das Unternehmen Rezubio. Für den inhalierten Wirkstoff RZ-520, der auf der MADD-Plattform basiert, liegen mittlerweile IND-Zulassungen der FDA sowie der chinesischen NMPA vor. Eine erste Kohorte gesunder Probanden wurde bereits in einer Phase-I-Studie dosiert.
Neue Daten zu Inhibitoren und Bronchodilatatoren
Auch bei nicht-biologischen Wirkstoffen gibt es neue klinische Belege. Die SBP Group stellte auf dem ERS-Kongress 2026 Daten zum PDE3/4-Inhibitor TQC3721 vor. In einer Dosisfindungsstudie mit 72 COPD-Patienten zeigte sich an Tag 9 eine dosisabhängige Verbesserung der Lungenfunktion (FEV1) zwischen 263,0 mL und 497,0 mL.
Parallel dazu lieferte eine Proof-of-Concept-Studie mit einer vernebelten Formulierung von Glycopyrronium positive Resultate im Vergleich zur bestehenden Standardtherapie. Für diesen Ansatz wurde in China bereits der Breakthrough-Status durch das CDE erteilt.
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Regulatorisches Umfeld und Zusatznutzen-Bewertung
Während neue Wirkstoffe die Zulassung anstreben, unterliegen bereits verfügbare Therapien einer stetigen Überprüfung durch die Behörden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) traf im September 2026 eine Entscheidung zum Zusatznutzen von Mepolizumab (Nucala) bei eosinophiler COPD.
Der Ausschuss kam zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie – einer individuellen Triple-Therapie kombiniert mit Dupilumab oder Roflumilast – als nicht belegt gilt.
Grund dafür war unter anderem, dass die eingereichten Studiendaten (METREX, METREO, MATINEE) nicht direkt mit der geforderten Vergleichstherapie korrespondierten und ein notwendiger indirekter Vergleich im Dossier fehlte. Diese Entscheidung betrifft eine Zielpopulation von rund 8.870 Patienten in Deutschland und unterstreicht die hohen Anforderungen an den Nachweis klinischer Überlegenheit im Markt für COPD-Therapeutika.
