Copilot-Flop: Nur 4,4% der Microsoft-Kunden zahlen für KI-Assistent
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 01:15 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Nur rund 20 Millionen der 500 Millionen gewerblichen Kunden haben eine kostenpflichtige Lizenz erworben – das entspricht gerade einmal 4,4 Prozent. Noch ernüchternder ist die tatsächliche Nutzung: Lediglich 20 bis 30 Prozent dieser Abonnenten verwenden Copilot überhaupt wöchentlich.
Teures Experiment für Unternehmen
Die Kluft zwischen Lizenzierung und Nutzung hat interne Diskussionen ausgelöst. Ein Unternehmensmemorandum stellt klar: Copilot müsse sich sein Daseinsrecht im Produktökosystem erst verdienen. Für viele Firmen wird die Rechnung zum Problem. Der Business-Standard-Tarif stieg von 12,50 auf 14 Euro pro Monat, das Copilot-Add-on kostet zwischen 21 und 30 Euro pro Nutzer. Rechnet man die geringe Nutzungsfrequenz ein, zahlen Unternehmen effektiv das Dreifache des Listenpreises pro aktivem Anwender.
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Microsoft setzt auf Ingenieure statt Verkäufer
Der Konzern reagiert mit einem radikalen Strategiewechsel. Anfang Juli strich Microsoft rund 4.800 Stellen – 2,1 Prozent der Belegschaft. Besonders betroffen: der kommerzielle Vertrieb und die Xbox-Sparte. Bereits 2025 waren 15.000 Arbeitsplätze weggefallen.
Statt klassischer Verkaufsförderung setzt Microsoft nun auf technische Unterstützung. Mit Frontier Company entstand ein 2,5 Milliarden Euro schweres Projekt, das 6.000 Ingenieure und Berater umfasst. Sie sollen Unternehmenskunden helfen, die Pilotphase zu überwinden und messbare Ergebnisse mit KI zu erzielen. Die Integration von Anthropics Claude-Modellen in Excel und Copilot Studio zeigt: Microsoft wandelt sich vom reinen Modellanbieter zur KI-Plattform.
Regierungsaufträge als Hoffnungsschimmer
Trotz der allgemeinen Zurückhaltung sicherte sich Microsoft prestigeträchtige Großaufträge. Die Abu-Dhabi-Regierung bestellte 35.000 Copilot-Lizenzen und will bis 2027 eine „KI-native Verwaltung" werden. Der Deal umfasst verpflichtendes KI-Training und Datenhaltung in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
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Auch der Gesundheitskonzern Haleon unterschrieb einen Fünfjahresvertrag für Copilot und Azure in Forschung und Lieferkette. Für Regierungskunden führt Microsoft ab Juli 2026 detaillierte Nutzungsberichte ein – mit Daten aufgeschlüsselt nach einzelnen Anwendungen.
Milliardeninvestitionen bei fallendem Aktienkurs
Der Druck steigt: Microsofts KI-Ausgaben explodieren. Im Geschäftsjahr 2026 sind 190 Milliarden Euro für KI-Infrastruktur geplant, 2027 sollen es 270 Milliarden sein. Zwar meldete der Konzern 83 Milliarden Euro Umsatz bei 23 Prozent Gewinnwachstum pro Aktie – doch der Börsenwert fiel seit Jahresbeginn um 16 Prozent. Anleger fürchten, dass die hohen Investitionen die aktuellen Erträge dauerhaft belasten könnten.
