CRISPR-Therapie: Charité behandelt erstmals Beta-ThalassÀmie im Alltag
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Meilenstein an der Berliner Charité
Am 28. Mai 2026 markierte die Berliner CharitĂ© einen bedeutsamen Schritt fĂŒr die klinische Anwendung der genomischen Medizin in Deutschland: Mit der Behandlung des 19-jĂ€hrigen Patienten Mohammad kam erstmals ein CRISPR-basiertes Therapeutikum im regulĂ€ren Versorgungsalltag nach dessen Zulassung zum Einsatz.
Der Patient erhielt das PrĂ€parat Exa-cel (Exagamglogene Autotemcel, Handelsname Casgevy) zur Behandlung einer schweren Beta-ThalassĂ€mie, wie aus einem Bericht vom 6. Oktober 2026 hervorgeht. Nach Angaben der UniversitĂ€tsklinik handelte es sich dabei um die bundesweit erste Anwendung dieses Verfahrens auĂerhalb klinischer Zulassungsstudien.
Evolution der molekularen Werkzeuge
Die EinfĂŒhrung von Exa-cel in die Regelversorgung basiert auf jahrelanger Grundlagenforschung zur gezielten Geneditierung. Bereits im Jahr 2013 demonstrierten Stanley Qi und Kollegen in menschlichen Zellen ein modifiziertes, nicht schneidendes CRISPR-System. Seither untersuchen Forschungsgruppen weltweit alternative Enzymvarianten, um PrĂ€zision und TransportfĂ€higkeit zu verbessern.
Welche Fortschritte dabei erzielt werden, zeigte unter anderem eine 2025 publizierte Studie an MĂ€usen und Affen: Darin senkte eine Einzeldosis eines Systems zur PCSK9-UnterdrĂŒckung den LDL-Cholesterinspiegel signifikant. Zum Einsatz kam dabei das Enzym Cas12F, das mit rund 500 AminosĂ€uren deutlich kleiner ausfĂ€llt als das klassische Cas9 mit etwa 1.300 AminosĂ€uren, was das Einbringen in Zielzellen technisch erleichtert.
Was moderne Laboranalysen ĂŒber die eigene Herzgesundheit aussagen, wissen viele Menschen nicht â dabei können die richtigen Werte lebenswichtige Erkenntnisse liefern. Dieser kostenlose Report erklĂ€rt, welche Vitalstoff-Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Ihre Laborergebnisse richtig deuten. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt sichern
Fortschritte beim Transport von GenfÀhren
Neben der Optimierung der Schnittwerkzeuge gilt der Transport in das Zielgewebe als zentrale HĂŒrde der Gentherapie. Herkömmliche Lipidnanopartikel können unerwĂŒnschte EntzĂŒndungsreaktionen auslösen.
Wissenschaftler um Dengpan Liang vom Innovative Genomics Institute an der University of California, Berkeley, stellten in der Fachzeitschrift Nature einen Ansatz mit sogenannten Switchable Lipids (S-Lipiden) vor, die ihre elektrische Ladung abhÀngig vom pH-Wert verÀndern.
Aus 144 getesteten Lipiden wĂ€hlte das Team Kandidaten aus, von denen 11 der 18 vielversprechendsten Fibroblasten mit Ă€hnlicher Effizienz wie etablierte Formulierungen transfizierten. In Versuchen an MĂ€usen ĂŒberlebten mit E20-SNP behandelte Tiere nach Verabreichung von Plasmid-DNA den gesamten siebentĂ€gigen Beobachtungszeitraum.
Im Gegensatz dazu verstarben alle mit konventionellen Lipidnanopartikeln behandelten Tiere innerhalb von 24 Stunden. In isolierten humanen mononukleĂ€ren Zellen des peripheren Blutes lösten die E20-SNP zudem keines von 14 untersuchten EntzĂŒndungszytokinen in relevantem AusmaĂ aus. Eine klinische Anwendung am Menschen steht bei diesem TrĂ€gersystem allerdings noch aus.
Wer sich fĂŒr die Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten interessiert, findet in diesem Leitfaden praxisnahe Informationen ĂŒber den Einfluss von Vitalstoffen auf das Immunsystem. Erfahren Sie in diesem Gratis-PDF, wie Sie 10 entscheidende Werte kennen und gezielt fĂŒr Ihre Gesundheitsvorsorge nutzen können. 25-seitigen PDF-Report kostenlos herunterladen
ZukĂŒnftige In-vivo-Verfahren
WĂ€hrend zugelassene AnsĂ€tze wie Exa-cel darauf basieren, patienteneigene Stammzellen auĂerhalb des Körpers genetisch zu modifizieren und anschlieĂend zurĂŒckzufĂŒhren, zielt die Forschung zunehmend auf direkte Eingriffe im Organismus ab.
Am Deutschen Krebsforschungszentrum und am UniversitÀtsklinikum Heidelberg wird derzeit eine Therapie entwickelt, bei der Immunzellen direkt im menschlichen Körper mithilfe von Lipidnanopartikeln, mRNA und CRISPR-Cas9 gegen Blutkrebs umprogrammiert werden sollen.
Dieses Forschungsvorhaben wird mit 6 Millionen Euro aus Mitteln des Netzwerks der Nationalen Zentren fĂŒr Tumorerkrankungen unterstĂŒtzt. GegenwĂ€rtig untersuchen Phase-1-Studien die Sicherheit des Ansatzes. Erste Behandlungen von Patientinnen und Patienten sind fĂŒr Anfang 2027 angesetzt.
