Cyberkriminalität: KI-Deepfakes und Phishing-Welle treffen Millionen
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 23:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Banken und Polizei schlagen Alarm. Eine Serie raffinierter Betrugsmethoden sorgt bundesweit für hohe Verluste – von fingierten Anrufen bis zu KI-gestützten Erpressungen.
„Schockanrufe“ und falsche Bankmitarbeiter
Besonders perfide: Kriminelle geben sich am Telefon als Bankangestellte aus. In Ludwigshafen wurde am 22. Juli eine Seniorin aus Limburgerhof um einen vierstelligen Betrag gebracht. Die Täter riefen gegen 15 Uhr an, behaupteten, eine unberechtigte Zahlung abfangen zu müssen, und überzeugten die Frau, ihre Bankkarte mitsamt PIN einem angeblichen Boten auszuhändigen.
Der Abholer wird als 30 bis 35 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß, mit dunklen Haaren und Bart beschrieben. Er trug ein blau-weiß kariertes Hemd. Bereits am 21. Juli schlugen ähnliche Täter in Preetz zu: Drei Opfer übergaben ihre Karten an der Haustür und verloren Tausende Euro.
Die Sparkasse Vorderpfalz stellt klar: Mitarbeiter fragen niemals am Telefon nach PIN, TAN oder Passwörtern und schicken keine Boten zur Kartenabholung. Informationsveranstaltungen für Bürger sind in Bobenheim-Roxheim (31. August), Ludwigshafen-Edigheim (29. September) und Maudach (29. Oktober) geplant.
FaceTime als Einfallstor
Die Betrüger werden digital immer kreativer. Eine neue Masche nutzt Apples FaceTime. Opfer erhalten eine SMS mit dem Hinweis auf eine verdächtige Transaktion und sollen eine Nummer anrufen. Im Gespräch drängen die Täter zu einem FaceTime-Videoanruf mit Bildschirmfreigabe – und sehen so in Echtzeit sensible Bankdaten und Sicherheitscodes.
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Ein weiterer Fall aus Nordwalde zeigt die Bandbreite: Ein 19-Jähriger wurde am 22. Juli von einem angeblichen PayPal-Mitarbeiter kontaktiert. Der Täter überredete ihn, eine App zu installieren und Ausweisdaten preiszugeben. Folge: Zwei unberechtigte Überweisungen im mittleren vierstelligen Bereich.
Sparkassen-Kunden werden zudem mit einer Phishing-Welle bombardiert. Mails von der Domain „ashoj.com“ fordern angeblich ein Sicherheitsupdate fürs Online-Banking und drohen mit Kontosperrung. Die enthaltenen Links führen zu gefälschten Seiten, die Login-Daten abgreifen.
KI-gestützte Erpressung: Deepfakes als Waffe
Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz warnte bereits am 15. Juli vor dem wachsenden Einsatz künstlicher Intelligenz bei Straftaten. Besonders perfide: „Love Scamming“ und „Sextortion“ mit Deepfakes. Das Polizeipräsidium Mainz bearbeitete einen Fall, bei dem ein Opfer mit einer KI-generierten Fake-Nachrichtensendung erpresst wurde. Nachdem die Person eine Zahlung an einen Online-Bekannten verweigerte, erhielt sie ein Video mit einem erfundenen Beitrag – ihr Gesicht war mittels KI eingefügt.
Auch im Bereich Anlagebetrug spielt KI eine Rolle. Das Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg erhob Anklage gegen einen 61-Jährigen aus Mannheim. Er soll einer professionellen Bande geholfen haben, die seit 2018 mit gefälschten Online-Handelsplattformen operierte. 24 Opfer verloren rund 1,17 Millionen Euro – die versprochenen Gewinne waren reine Fiktion.
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Erfolge im Kampf gegen Cyberkriminalität
Trotz der hohen Fallzahlen gibt es Erfolgsmeldungen. Im Rahmen der internationalen „Operation Olympus Blade“ schalteten das Bundeskriminalamt (BKA), das FBI und indonesische Behörden die Phishing-Plattform „Kratos“ ab.
Die Plattform ermöglichte rund 1.800 Kunden monatlich 15.000 Phishing-Kampagnen in über 30 Ländern. Seit 2024 erzielten die Entwickler damit mehr als 300.000 Euro Umsatz. Über 200 Server wurden beschlagnahmt, die Hauptentwickler in Indonesien festgenommen. Besonders gefährlich: Die Plattform nutzte „Adversary-in-the-Middle“-Techniken, um selbst die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen.
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