Cybersicherheit: KI-Angreifer erfolgreich in 88% der Tests
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 05:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zahlungsdienstleister Mastercard richtet seinen strategischen Fokus verstärkt auf den Bereich der digitalen Sicherheit. Wie der CEO des Unternehmens mitteilte, hat sich die Cybersicherheit zum am schnellsten wachsenden Geschäftssegment des Konzerns entwickelt. Diese Entwicklung spiegelt den steigenden Bedarf an Schutzmaßnahmen in einer zunehmend bedrohten digitalen Infrastruktur wider.
Steigende Schadenssummen und sektorale Verwundbarkeit
Hintergrund dieser Entwicklung sind unter anderem Erkenntnisse aus dem aktuellen „Cyber Pulse Report“ von Mastercard. Demnach belaufen sich die durchschnittlichen Kosten einer Datenpanne im Nahen Osten auf 7,29 Millionen US-Dollar, womit die Region über dem weltweiten Durchschnitt liegt.
Der Bericht hebt hervor, dass insbesondere der öffentliche Sektor sowie die Technologie- und Finanzbranche als besonders verwundbar gegenüber finanziell motivierter Cyberkriminalität gelten.
Auch andere Branchengrößen verzeichnen in diesem Umfeld ein signifikantes Wachstum. Der Softwareanbieter ServiceNow meldete für das zweite Quartal 2026 einen Anstieg der Abonnementumsätze um 23 Prozent auf 3,88 Milliarden US-Dollar.
Der CEO von ServiceNow verwies in diesem Zusammenhang auf ein mittlerweile zehnstelliges Cybersecurity-Geschäft des Unternehmens. Trotz einer positiven vorbörslichen Entwicklung nach den Zahlen verzeichnete die Aktie im bisherigen Jahresverlauf einen Rückgang von 37,69 Prozent.
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Technologische Transformation durch künstliche Intelligenz
Die Dynamik im Markt wird maßgeblich durch den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) beeinflusst. Nadav Zafrir, CEO von Check Point, erklärte, dass KI die Zeitspanne zwischen der Entdeckung einer Schwachstelle und deren Ausnutzung durch Angreifer drastisch verkürze. Dies zwinge Unternehmen dazu, ihre Patch-Zyklen von bisherigen wöchentlichen Intervallen auf tägliche oder gar minütliche Aktualisierungen umzustellen. Check Point reagiert darauf mit dem Ausbau von KI-basierten Firewalls und einheitlichen Managementsystemen für seine über 100.000 Kunden.
Dass die Verteidigung derzeit oft im Hintertreffen liegt, zeigen Simulationen des Start-ups Corma. Das im Jahr 2025 gegründete Unternehmen, das kürzlich eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 60 Millionen US-Dollar unter Führung von Sequoia abschloss, berichtete von alarmierenden Ergebnissen: KI-gestützte Angreifer waren in 88 Prozent der Testläufe erfolgreich, während Verteidiger lediglich 19 Prozent der Angriffe erkannten. Alon Pluda, CEO von Corma, wies zudem darauf hin, dass Frontier-Modelle in 85 Prozent der Fälle Hintertüren in Systemen platzierten.
Fachkräftemangel und regulatorische Impulse
Ein zentrales Hindernis bei der Bewältigung der Bedrohungslage bleibt der Mangel an qualifiziertem Personal. Laut Untersuchungen von Kaspersky geben 41 Prozent der Experten für Informationssicherheit an, dass ihre Organisationen unterbesetzt seien. Diese Qualifikationslücke führe zu einer massiv erhöhten Arbeitsbelastung der bestehenden Teams.
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Ein Branchenbericht verdeutlicht die Priorisierung der Risiken: Für 53 Prozent der befragten Unternehmen ist Cybersicherheit das Top-Risiko, noch vor geopolitischen Gefahren. Dennoch verfügen bisher nur 15 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen (CSOs) über die volle Verantwortung für diesen Bereich.
In den USA reagierte die Politik Mitte August 2026 mit einer weitreichenden Entscheidung auf die steigenden Verluste durch Cyberkriminalität, die im Vorjahr die Marke von 20 Milliarden US-Dollar überschritten hatten.
Ein unterzeichnetes Memorandum erlaubt es geprüften privaten Firmen künftig, offensive Cyberoperationen gegen kriminelle Gruppen durchzuführen. Voraussetzung hierfür sind eine Kaution in Höhe von 1 Million US-Dollar sowie die Aufsicht durch das National Coordination Center.
Auch im Bereich der Finanzberatung gewinnt das Thema an Gewicht. Die Bank Citizens verstärkte ihr Investmentbanking-Team in Boston mit einem erfahrenen Managing Director für Cybersecurity- und Infrastruktur-Software, um der gestiegenen Nachfrage nach Transaktionen und Kapitalbeschaffungen in diesem Sektor gerecht zu werden.
Unterdessen fordern Finanzverantwortliche in Schwellenländern wie Nigeria verstärkte Investitionen in sichere digitale Infrastrukturen, um Cybersecurity als strategische Priorität zu verankern.
