CYP2D6 und CYP2C19: Nur 20,7 Prozent bauen Psychopharmaka regulÀr ab
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 20:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
FachbeitrÀge thematisieren die Notwendigkeit einer verbesserten Versorgungssteuerung und den Einsatz pharmakogenetischer Tests, um Wirkspiegelschwankungen bei Psychopharmaka durch individuelle genetische Metabolisierer-Typen zu vermeiden.
Wie die Fachpublikation pharmazeutische-zeitung.de in einem Bericht vom 09.10.2026 schildert, werden die meisten Psychopharmaka ĂŒber CYP-Enzyme im Körper abgebaut. Eine pharmakogenetische Bestimmung kann unpassende Dosierungen verhindern, findet im klinischen Alltag bislang jedoch selten Anwendung. Als wichtigste Isoenzyme fĂŒr diesen Abbauprozess gelten CYP2D6 und CYP2C19.
Genetische Unterschiede und PhÀnokonversion
Die Verarbeitung von Arzneistoffen variiert je nach individueller Enzymausstattung. Zu den definierten Metabolisierer-Typen gehören NM, IM, PM, RM und UM. Laut einer Untersuchung verfĂŒgen lediglich 20,7 % der in Deutschland stationĂ€r behandelten psychiatrischen Patienten ĂŒber den Status NM bezĂŒglich CYP2D6 und CYP2C19, womit die Mehrheit vom regulĂ€ren Abbau abweicht.
Erschwert wird die medikamentöse Einstellung durch das Auftreten von PhÀnokonversionen. So bewirken starke Inhibitoren von CYP2D6, dass jeder Patient funktionell zu einem langsamen Metabolisierer vom Typ PM wird. Als ErgÀnzung zur pharmakogenetischen Diagnostik wird das therapeutische Drug Monitoring herangezogen, um die tatsÀchlichen Wirkstoffkonzentrationen im Blut zu kontrollieren.
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Gesetzliche Vorgaben und fehlende Kostenerstattung
Dem breiten Einsatz pharmakogenetischer Tests stehen derzeit mehrere HĂŒrden entgegen. Das Gendiagnostikgesetz sieht vor, dass eine AufklĂ€rung durch den Arzt verpflichtend ist und die BefundĂŒbermittlung ausschlieĂlich an den Arzt erfolgen darf.
Zudem ĂŒbernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten fĂŒr entsprechende Tests bislang nicht, was mit einer zu geringen Zahl an Nutzenstudien begrĂŒndet wird. Hinzu kommt das Fehlen einheitlicher Leitlinien.
Dr. Maike Scherf-Clavel vom UniversitĂ€tsklinikum WĂŒrzburg sprach sich im Fachblatt »Pharmakon« der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft dafĂŒr aus, die bestehenden Vorschriften des Gendiagnostikgesetzes zu lockern, um HĂŒrden im Versorgungsalltag abzubauen.
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Hohe Akzeptanz bei Patienten und bestehende Richtlinien
Orientierung bei der Dosisanpassung von Antipsychotika bieten bereits bestehende Empfehlungen der DPWG, wÀhrend eine entsprechende Leitlinie des CPIC-Konsortiums erwartet wird.
Unter Betroffenen stöĂt das Konzept auf Zuspruch. Eine Befragung psychiatrischer Patienten zeigte, dass fast alle Teilnehmer in einem solchen Verfahren die Chance auf eine verkĂŒrzte Liegezeit sehen. Die befragten Patienten Ă€uĂerten zudem die Bereitschaft, im Schnitt 120 Euro fĂŒr eine Genotypisierung selbst zu tragen und dafĂŒr eine Wartezeit von durchschnittlich 16 Tagen auf die Testergebnisse in Kauf zu nehmen.

