Vinci, Sensoren

da Vinci 5: Sensoren messen Gewebekräfte bei Operationen 1.000-mal pro Sekunde

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Klinikum Lippe erprobt erstmals in Europa sensorbasierte Geweberückmeldung; weitere Kliniken setzen auf unterschiedliche Operationsroboter.

Da Vinci 5: Erste europäische OP mit Kraftsensoren in Lippe
Ein steriler, moderner Operationssaal mit heller, professioneller Beleuchtung und minimalistischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Die minimalinvasive Chirurgie durchläuft einen tiefgreifenden technologischen Wandel. Mit der Einführung haptischer Rückmeldesysteme und präziser Bildgebung erweitern medizinische Zentren weltweit die Möglichkeiten roboterassistierter Operationen. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei die jüngste Weiterentwicklung des da-Vinci-Systems ein, die nun erstmals in Europa mit neuartiger Sensorik zum Einsatz kam.

Europäische Premiere für sensorbasierte Geweberückmeldung

Am Klinikum Lippe erfolgte die europaweit erste Operation mit Force-Feedback-Instrumenten am System da Vinci 5. Der Chirurg Dr. Michael Leitz führte dabei eine rechtsseitige Hemikolektomie durch. Die integrierten Sensoren dieser Instrumente erfassen Gewebekräfte rund 1.000-mal pro Sekunde und stellen diese Messwerte für das Operationsteam visuell dar.

Die Instrumente verfügen seit September 2026 über eine CE-Zertifizierung für den europäischen Markt, nachdem sie zuvor bereits in Japan und den USA angewendet wurden. Der Klinikverbund Lippe, der an den Standorten Detmold und Lemgo insgesamt vier da-Vinci-Systeme betreibt, verzeichnete bis Oktober 2026 insgesamt 877 robotisch assistierte Eingriffe.

Auch an anderen Universitätskliniken prägt die Technologie den chirurgischen Alltag. Die Frauenklinik des UKM Münster setzt das da-Vinci-System seit dem Amtsantritt von Prof. Lars Hanker vor zwei Jahren ein. Mittlerweile operieren dort vier Ärzte mit der Plattform, die das Operationsfeld 3,5-fach vergrößert und eine zitterfreie Bewegungsübertragung bietet.

Zu den behandelten Fällen gehört eine 31-jährige Patientin mit tief infiltrierender Endometriose an Darm und Harnwegen, deren Diagnose aus dem Jahr 2022 stammte und deren Eingriff bis zu vier Stunden dauerte. Die Klinik plant dazu am 12. Oktober 2026 eine Informationsveranstaltung in der UKM-Park Akademie Münster.

Fortschritte in der Endoprothetik und Weichteilchirurgie

Parallel zur Viszeralchirurgie schreitet der Robotereinsatz in der Orthopädie voran. Die Medizinische Universität Warschau (WUM) startete Anfang Oktober 2026 das System MAKO 4 für die Knie- und Hüftendoprothetik.

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Die ersten Force-Feedback-Instrumente sind in Europa im Einsatz und liefern dem OP-Team rund 1.000 Kraftmessungen pro Sekunde als visuelle Rückmeldung. Wer jetzt über die Einführung roboterassistierter Chirurgie entscheidet, braucht einen klaren Fahrplan statt Herstellerprospekte. Unser kostenloser Praxisleitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie Bedarf, System und Schulung strukturiert prüfen. Praxisleitfaden jetzt anfordern

Innerhalb der ersten zwei Tage wurden fünf Operationen vorgenommen – zwei minimalinvasive Hüft-TEP sowie drei Knie-TEP –, nach denen die ersten Patienten bereits nach 24 Stunden entlassungsbereit waren. Insgesamt nutzt die Klinik vier Robotersysteme: Neben über 500 Operationen mit dem ROSA-System erfolgten im August 2026 die ersten zwei Gallenblasenentfernungen mit dem Versius-System.

International finden vergleichbare Systeme Verbreitung. Bei Unimed Botucatu gelang am 5. Oktober 2026 die erste roboterassistierte Knie-Totalendoprothese mit dem VELYS-System bei einem 75-jährigen Patienten mit eingeschränkter Mobilität unter der Leitung von Dr. Ricardo Violante.

Das System arbeitet ohne präoperative Computertomographie und generiert stattdessen mithilfe einer Hochgeschwindigkeitskamera und optischer Tracker ein digitales dreidimensionales Modell in Echtzeit.

Wachsender Wettbewerb unter den Systemanbietern

Der Markt für chirurgische Assistenzsysteme diversifiziert sich zunehmend. Das Versius-System des britischen Herstellers CMR Surgical, in Spanien vertrieben durch MBA Surgical Empowerment, gilt als der weltweit zweitmeistgenutzte Roboter für Weichteiloperationen. Am Hospital Universitario Obispo Polanco in Teruel zieht das System mittlerweile Fachbesucher aus dem Baskenland, Valencia und Kantabrien an.

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Immer mehr Kliniken in Europa betreiben mehrere Roboterplattformen parallel — für Weichteile, Orthopädie und Navigation. Ohne belastbaren Marktvergleich wird die Investitionsentscheidung zum Bauchgefühl. Unser kostenloser Überblick ordnet die verfügbaren Assistenzsysteme ein und liefert eine Checkliste für die Klinik-Einführung. Marktvergleich jetzt kostenlos sichern

Gleichzeitig verzeichnet das Schweizer Unternehmen Distalmotion SA eine steigende Verbreitung seines Dexter-Robotersystems. Die Plattform wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Allgemein- und gynäkologischen Chirurgie sowie in Frankreich in der Urologie genutzt, während in den USA Zulassungen für mehrere Indikationen vorliegen.

Das System kommt unter anderem bei Hysterektomien und Hernienoperationen zum Einsatz. Distalmotion plant für die kommenden ein bis zwei Jahre eine Expansion in weitere europäische Regionen und Schwellenländer.

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