DangleGeddon: KI-gestützte Angriffe auf DNS-Einträge von Banken und Behörden
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bedrohungslage im Netz hat sich dramatisch verschärft: Kriminelle nutzen zunehmend Schwachstellen der DNS-Infrastruktur für Angriffe in industriellem Maßstab. Zwischen Juni 2025 und Juni 2026 wurden rund 120 Millionen neue Domains registriert – ein erheblicher Teil davon mit schädlicher Absicht.
Angreifer setzen auf Wegwerf-Domains
Mehr als 22 Prozent der neu registrierten Domains gelten laut aktuellem Bedrohungsreport als kritisch gefährlich, bei bestimmten Hochrisiko-Messwerten sogar fast 25 Prozent. Besonders tückisch: 44 Prozent der bösartigen Domains bleiben nur einen einzigen Tag aktiv – zu kurz für herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen, die Angriffe oft erst nach Tagen erkennen.
Die Zahlen belegen eine besorgniserregende Professionalisierung. In über 95 Prozent der untersuchten Kundennetzwerke entdeckten Forscher sogenannte Traffic-Distribution-Systeme, mit denen Angreifer Besucherströme gezielt auf Schadseiten lenken. Zwei Drittel der Organisationen kontaktierten zudem Domains, die mit Wohnort-Proxy-Diensten in Verbindung stehen. Die Zahl der Betrugsdomains stieg im Jahresvergleich um 62 Prozent.
Künstliche Intelligenz ebnet Angreifern den Weg
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Neben der schieren Masse bereitet Sicherheitsexperten der Einsatz von KI Sorgen. Eine Studie namens „DangleGeddon" zeigt, wie Angreifer künstliche Intelligenz nutzen, um vergessene DNS-Einträge aufzuspüren. Diese sogenannten „dangling Records" entstehen, wenn ein DNS-Eintrag auf eine stillgelegte Ressource verweist, ohne aus der Konfiguration entfernt zu werden – ein Einfallstor für Subdomain-Übernahmen.
Die Forscher analysierten 12.500 Domains und filterten mehrere hundert angreifbare Ziele heraus. Betroffen sind vor allem Regierungsdomains (.gov) sowie Banken, Produktionsbetriebe und Pharmaunternehmen. Rund ein Drittel der verwaissten CNAME-Einträge lässt sich demnach leicht kapern, weil es an sauberem Lebenszyklus-Management mangelt.
Die Cloud-Lücke: Sekunden entscheiden
Ein weiteres Sicherheitsproblem tut sich in der Cloud auf. Millionen von AWS-Ressourcen – darunter Datenbankschnappschüsse und Maschinen-Images – sind kurzzeitig öffentlich erreichbar. Das Zeitfenster liegt zwischen der Erstellung der Ressource und dem nächsten Sicherheitsscan.
Die Lücke ist real: 20 Prozent der öffentlichen RDS-Snapshots existierten weniger als zwei Minuten, 99 Prozent der gelöschten Snapshots verschwanden in unter 30 Minuten. Automatisierte Sicherheitstools arbeiten oft im 24-Stunden-Rhythmus – zu langsam, um Angreifer zu stoppen, die in diesem Fenster Kontodaten und Geheimnisse abgreifen.
Die mangelhafte Übersicht über die eigene Infrastruktur bestätigt sich auch andernorts: 60 Prozent der Organisationen kämpfen mit Skalierungsproblemen, nur 36 Prozent verwalten Hybrid- oder Multi-Cloud-Umgebungen erfolgreich. Ausfälle bei Drittanbietern sind inzwischen die zweithäufigste Ursache für IT-Störungen – über die Hälfte der Vorfälle kostet Unternehmen mehr als 100.000 Dollar.
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Neue Schwachstellen, neue Abwehr
Die Sicherheitslücke CVE-2026-18369 im Dogtag-PKI-ACME-Responder ermöglicht Server-Side Request Forgery. Betroffen sind CentOS- und RHEL-Systeme – ein Patch steht bislang aus.
Die Anbieter rüsten derweil auf: FlashStart bringt eine KI-gestützte DNS-Sicherheitsplattform an den Start, die täglich 35 Milliarden Webanfragen verarbeitet und Polizei-Sperrlisten integriert. Neustar bietet einen öffentlichen DNS-Gesundheitscheck an, der Konfigurationsfehler und Sicherheitslücken bei MX-, SOA- und DNSSEC-Einträgen aufdeckt.
Forscher von CyberSecure Labs warnen zudem vor einer neuen Angriffsmethode, die Traceroute-Pakete manipuliert, um dateilose Malware einzuschleusen. Zwar wurde die Technik erstmals im März 2024 in kontrollierter Umgebung beobachtet, doch Experten raten, den Traceroute-Verkehr zu überwachen und Firmware-Updates zeitnah einzuspielen.
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