Darmbakterien: FettsÀure C15:0 senkt Plaques bei MÀusen um etwa 50 Prozent
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine am 7. Oktober 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung liefert neue Einblicke in das Zusammenspiel zwischen Darmflora und Fettstoffwechsel. Demnach produziert das menschliche Darmbakterium Bacteroides uniformis die ungeradzahlige FettsÀure PentadecanoinsÀure (C15:0).
Diese FettsĂ€ure weist biochemische Parallelen zu gĂ€ngigen Cholesterinsenkern auf: Sie hemmt das Leberenzym HMG-CoA-Reduktase, an dem auch pharmazeutische Statine ansetzen, und regt zugleich die Bildung von LDL-Rezeptoren in der Leber an. In prĂ€klinischen Versuchen fĂŒhrte die Verabreichung der Substanz zu einer deutlichen Verringerung von GefĂ€Ăablagerungen.
Messbare Plaquereduktion in Tiermodellen
Die experimentellen Belege stĂŒtzen sich auf Versuche an genetisch verĂ€nderten, atheroskleroseanfĂ€lligen (Apoe-defizienten) mĂ€nnlichen MĂ€usen, die mit einer fettreichen DiĂ€t gefĂŒttert wurden. Eine zwölfwöchige Behandlung mit Bacteroides uniformis verringerte im Vergleich zu Kontrollgruppen die atherosklerotischen Plaques in der Aorta sowie der Aortenwurzel.
Zudem sanken die Werte fĂŒr Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyceride, wĂ€hrend sich das HDL-Cholesterin nicht signifikant verĂ€nderte. Parallel dazu ging die Zahl entzĂŒndlicher Immunzellen zurĂŒck. In den Hauptarterien verringerte sich die Plaquebildung um etwa ein Drittel.
Wurde die gereinigte PentadecanoinsĂ€ure direkt verabreicht, zeigte sich ebenfalls ein gefĂ€ĂschĂŒtzender Effekt. Bei einer Dosierung von 25 mg/kg Körpergewicht dreimal wöchentlich sank die Plaquelast bei den anfĂ€lligen MĂ€usen nach acht Wochen um etwa 50 Prozent, begleitet von einer Verbesserung des gesamten Blutfettprofils.
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Bei den berichteten Werten zur Plaquereduktion gibt es in den Daten allerdings Abweichungen: WĂ€hrend an einigen GefĂ€Ăstellen von einer Halbierung berichtet wird, lag der RĂŒckgang in den Hauptarterien bei etwa einem Drittel. Im direkten Vergleich erzielte das etablierte Statin Atorvastatin zudem eine stĂ€rkere Wirkung.
Bei einer weiterfĂŒhrenden Analyse von 100 DarmbakterienstĂ€mmen stellten die Wissenschaftler fest, dass nicht nur Bacteroides uniformis, sondern mehrere Gattungen innerhalb der Abteilung Bacteroidota in der Lage sind, PentadecanoinsĂ€ure zu bilden.
Beobachtungen beim Menschen und offene Fragen
ErgĂ€nzend zu den Tierversuchen analysierte das Forschungsteam Proben von ĂŒber 200 menschlichen Spendern. Dabei korrelierten niedrigere Konzentrationen der PentadecanoinsĂ€ure mit erhöhten Blutfettwerten. Bei Probanden mit DyslipidĂ€mie wurden geringere Mengen der FettsĂ€ure nachgewiesen, und Personen mit bestehenden Herzerkrankungen wiesen im Darmmikrobiom seltener die Gene auf, die fĂŒr die bakterielle Produktion von C15:0 erforderlich sind.
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Trotz dieser ZusammenhĂ€nge betonen die Autoren die Grenzen der Aussagekraft: Die Daten aus den Humanproben stellen reine Beobachtungen und statistische Assoziationen dar. Sie liefern keinen Nachweis dafĂŒr, dass PentadecanoinsĂ€ure oder das Bakterium beim Menschen tatsĂ€chlich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkten oder SchlaganfĂ€llen schĂŒtzen. Eine klinische Wirksamkeit am Menschen ist bislang nicht belegt.
Wichtige Parameter wie eine wirksame und sichere Dosierung, die Langzeitsicherheit sowie der tatsĂ€chliche therapeutische Nutzen beim Menschen mĂŒssen erst in klinischen Studien geklĂ€rt werden. Aus den Ergebnissen lĂ€sst sich keine Empfehlung ableiten, verordnete lipidsenkende Medikamente oder Statine abzusetzen oder eigenmĂ€chtig durch NahrungsergĂ€nzungsmittel zu ersetzen. Letztere stellen keinen nachgewiesenen Ersatz fĂŒr medizinische Therapien dar.

