Darmbakterien, Kaffee

Darmbakterien und Kaffee: Bestimmte Keime treten bis zu achtmal hÀufiger auf

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 01:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung verbindet Kaffeevarianten mit unterschiedlichen VerÀnderungen bei Stimmung, GedÀchtnis, Aufmerksamkeit und Darmbakterien.
Nahaufnahme von gerösteten Kaffeebohnen in einer schlichten Keramikschale auf einem Holztisch bei natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der regelmĂ€ĂŸige Konsum von Kaffee steht seit Langem im Fokus der ErnĂ€hrungsforschung. Eine Untersuchung von Forschenden des Instituts APC Microbiome Ireland am University College Cork, die im Fachjournal Nature Communications erschien, liefert neue Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen Kaffeekonsum, der bakteriellen Besiedlung des Darms und psychischen Parametern.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Effekte des HeißgetrĂ€nks weit ĂŒber die reine Wachmacherfunktion von Koffein hinausgehen und eng mit der sogenannten Darm-Hirn-Achse verknĂŒpft sind.

Darm-Hirn-Achse und psychisches Wohlbefinden

Die Untersuchung unter der Leitung von John Cryan umfasste insgesamt 62 Personen, darunter 31 regelmĂ€ĂŸige Kaffeetrinker mit einem gewohnheitsmĂ€ĂŸigen Konsum von drei bis fĂŒnf Tassen pro Tag sowie 31 Nichttrinker.

Im Rahmen des Versuchsaufbaus legten die Kaffeetrinker zunĂ€chst eine zweiwöchige Kaffeepause ein, was bereits zu messbaren VerĂ€nderungen in ihren Metabolitenprofilen fĂŒhrte. Daran schloss sich eine dreiwöchige Phase an, in der die Teilnehmenden tĂ€glich vier Portionen Instantkaffee konsumierten – verblindet entweder in koffeinhaltiger oder entkoffeinierter Form.

Nach der 35 Tage dauernden Intervention verzeichneten beide Gruppen geringere Werte bei Stress, Depressionssymptomen und ImpulsivitĂ€t. Studienleiter John Cryan wies darauf hin, dass Kaffee als komplexer ErnĂ€hrungsfaktor betrachtet werden mĂŒsse, der mit Darmmikroben, dem Stoffwechsel und dem emotionalen Wohlbefinden interagiere.

Dennoch zeigten sich spezifische Unterschiede zwischen den Varianten: Der Konsum von entkoffeiniertem Kaffee fĂŒhrte zu Verbesserungen bei Lern- und GedĂ€chtnistests, darunter zwei Verfahren zu Wörtern und Orten. Die koffeinhaltige Variante ging hingegen mit besseren Werten bei Aufmerksamkeit und Wachheit, weniger Angst und Fatigue sowie einem geringeren EntzĂŒndungsrisiko einher.

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Mikrobiologische VerÀnderungen und bioaktive Stoffe

Auf mikrobieller Ebene wurden bei Kaffeetrinkern vermehrt Bakterien der Gattungen Eggertella sp., Cryptobacterium curtum und Firmicutes sowie mehr Bacteroides festgestellt, welche eine Funktion bei der Verdauung und im GallensÀurestoffwechsel einnehmen.

Zudem verweisen Referenzdaten von Manghi et al. aus dem Jahr 2024 darauf, dass Kaffeetrinker weltweit konsistent bis zu achtmal höhere Werte des Bakteriums Lawsonibacter asaccharolyticus aufweisen als Nichttrinker. Eine weitere Untersuchung an 147 gesunden Personen zeigte zudem höhere Vorkommen von Bacteroides, Porphyromonas und Prevotella.

Fachleute aus der Gastroenterologie betonen, dass Kaffee zwar kaum verdauliche Substrate fĂŒr Darmbakterien liefert, der Einfluss auf die Mikrobiota jedoch vermutlich auf enthaltene Polyphenole und Röststoffe zurĂŒckgeht. Bei deren bakterieller Fermentation entstehen kurzkettige FettsĂ€uren wie Butyrat, die die Darmzellen sowie die Darmbarriere unterstĂŒtzen.

Individuelle Faktoren und Grenzen der Aussagekraft

Trotz der beobachteten Effekte betonen die Forschenden, dass die Stichprobe klein und die Ergebnisse vorlĂ€ufig seien; grĂ¶ĂŸere Folgestudien seien bereits geplant. Finanziert wurde die Forschungsarbeit am University College Cork durch das Institute for Scientific Information on Coffee, einer Organisation von fĂŒnf europĂ€ischen Kaffeeproduzenten.

Zudem spielen individuelle Stoffwechselunterschiede eine wesentliche Rolle bei der VertrĂ€glichkeit. Das Enzym CYP1A2 baut etwa 95 Prozent des aufgenommenen Koffeins im Körper ab. Personen, die Koffein genetisch bedingt nur langsam verstoffwechseln, tragen bei einem Konsum von mehr als drei Tassen tĂ€glich ein erhöhtes Risiko fĂŒr Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Medizinische Fachkreise weisen außerdem darauf hin, dass die Kaffeemenge bei Beschwerden wie Sodbrennen, Reflux oder Schlafproblemen Ă€rztlich abgeklĂ€rt werden sollte und das GetrĂ€nk keinesfalls eine ausgewogene, ballaststoffreiche ErnĂ€hrung ersetzt.

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