Darmgesundheit: H. pylori erhöht Krebsrisiko um 59 Prozent
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 21:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die weitreichenden VerknĂŒpfungen zwischen der Darmgesundheit und verschiedenen systemischen sowie neurologischen Erkrankungen.
Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift eGastroenterology veröffentlichte Studie der University of California San Diego und der UniversitĂ€t Hongkong zeigt auf, dass eine Exposition mit dem Bakterium Helicobacter pylori (H. pylori) mit einem 1,59-fach erhöhten Risiko fĂŒr Darmkrebs verbunden ist.
Helicobacter pylori als Risikofaktor jenseits des Magens
Die Ergebnisse der Modellstudie, die auf einer Datenbasis von 43 Untersuchungen sowie den GLOBOCAN-Daten von 2022 beruht, legen nahe, dass weltweit rund 22 % der DarmkrebsfÀlle mit diesem Bakterium assoziiert sein könnten.
In einer Teilbetrachtung von 14 qualitativ hochwertigeren Studien wurde dieser Anteil auf 11,9 % beziffert. Obwohl H. pylori bereits 1994 von der Internationalen Agentur fĂŒr Krebsforschung (IARC) als krebserregend eingestuft wurde, bezog sich dies primĂ€r auf Magenkrebs.
Trotz der statistischen Korrelation betonen Fachleute, dass die Studie keine KausalitĂ€t belegt. Eine Ănderung der klinischen Praxis werde derzeit nicht empfohlen, da der Zusammenhang laut Kritikern als wenig stabil gilt. Dennoch bleibt die Relevanz der DarmkrebsprĂ€vention hoch; fĂŒr das Jahr 2026 prognostiziert die American Cancer Society allein in den USA mehr als 55.000 TodesfĂ€lle infolge dieser Erkrankung.
KomorbiditÀten bei ADHS und die Rolle der Darm-Hirn-Achse
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Zusammenhang zwischen der Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung (ADHS) und Magen-Darm-Beschwerden. Eine Meta-Analyse der UniversitĂ€t Warwick, veröffentlicht im September 2026 im Journal of Attention Disorders, wertete 23 Studien mit ĂŒber 1,9 Millionen Teilnehmern aus verschiedenen LĂ€ndern aus.
Die Analyse ergab, dass Menschen mit ADHS eine um 48 % höhere Wahrscheinlichkeit fĂŒr Magen-Darm-Probleme aufweisen. Besonders deutlich zeigten sich Steigerungen bei Verstopfung (+97 %) und Enkopresis, die mehr als vierfach hĂ€ufiger auftrat. Durchfall wurde mehr als zweifach hĂ€ufiger registriert, wĂ€hrend das Risiko fĂŒr Reizdarm um 58 % und fĂŒr Bauchschmerzen um 88 % erhöht war.
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Als mögliche Faktoren fĂŒr diese Beobachtungsstudien werden neben der Darmflora auch ADHS-Medikamente diskutiert. Die Wissenschaft betrachtet hierbei verstĂ€rkt den Vagusnerv als Hauptleitung der Darm-Hirn-Achse, ĂŒber die Mikroben die Produktion von Neurotransmittern wie Serotonin beeinflussen.
Marktpotenziale und PrÀventionsstrategien in der Darmgesundheit
Die wirtschaftliche Bedeutung der Darmgesundheit wird durch den âGut Health Economy Reportâ von PrecisionBiotics unterstrichen. Eine Umfrage unter 3.000 Erwachsenen ergab, dass lediglich 30 % der Deutschen die Darmgesundheit mit gesundem Altern verbinden, wĂ€hrend dieser Wert in SĂŒdkorea bei fast drei Vierteln liegt. WĂ€hrend 65 % der deutschen Befragten den Begriff Mikrobiom kennen, nehmen nur 18 % tĂ€glich entsprechende NahrungsergĂ€nzungsmittel ein.
Laut einer Studie von IPA-Europe könnten durch eine breitere Nutzung von Probiotika in der EU jÀhrlich mehr als 10 Milliarden Euro eingespart werden. In den USA hat sich der Anteil der Erwachsenen, die Probiotika einnehmen, laut NHANES-Daten zwischen 2009 und 2023 fast vervierfacht.
Die Studienautorin Kira L. Newman gibt jedoch zu bedenken, dass ein Probiotikum oft nur einen Bruchteil der benötigten Bakterienvielfalt abdecke. Zudem ist in der EU die Bezeichnung âProbiotikaâ als gesundheitsbezogene Angabe bislang nicht zugelassen.
Fortschritte in der Behandlung neurologischer Autoimmunerkrankungen
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In der Neurologie zeichnen sich innovative Therapieformen ab. Ein Team am Tongji-Klinikum in Wuhan untersuchte in einer Phase-1-Studie den Einsatz verÀnderter Lentiviren (In-vivo-CAR-T) bei 16 Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und verwandten Erkrankungen. Nach etwa sechs Monaten zeigten sich Verbesserungen bei der Beweglichkeit und kognitiven Leistung, ohne dass eine begleitende Chemotherapie notwendig war.
Parallel dazu liefert eine Mausstudie in Nature Neuroscience neue Erkenntnisse zur Alzheimer-Erkrankung. Ein Team um Dr. David Holtzman stellte fest, dass T-Zellen bei Alzheimer-Àhnlichen HirnschÀden ihre Anweisungen aus Lymphknoten in der Peripherie erhalten.
Die gezielte Entfernung bestimmter dendritischer Zellen verringerte die HirnschĂ€den signifikant, wĂ€hrend die kognitiven FĂ€higkeiten der MĂ€use erhalten blieben. ErgĂ€nzend weisen Mediziner darauf hin, dass auch MikronĂ€hrstoffmĂ€ngel, wie etwa ein Vitamin-B12-Mangel, die NervensignalĂŒbertragung stören und die Krampfschwelle senken können.
Seit September 2025 stehen zudem mit Donanemab und Lecanemab erste Therapien zur VerfĂŒgung, die das Fortschreiten einer frĂŒhen Alzheimer-Erkrankung verlangsamen können.
