Darmgesundheit: Markt für Supplemente wächst auf 4,3 Milliarden Euro
28.06.2026 - 06:39:46 | boerse-global.de
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist 2025 auf 4,3 Milliarden Euro gewachsen – 415 Millionen Packungen wurden verkauft. Zum Vergleich: 2022 waren es noch 241 Millionen Packungen.
Neben Longevity und Women's Health hat sich die Darmgesundheit als einer der stärksten Wachstumstreiber etabliert. Zwei Drittel der Deutschen nehmen mittlerweile regelmäßig Supplemente.
Drogerie schlägt Online
Mit rund 48 Prozent Umsatzanteil dominieren Vitamine und Mineralstoffe den Markt. Spitzenreiter ist Magnesium: 75,3 Millionen Packungen gingen über die Ladentheke.
Die meisten Verbraucher kaufen im stationären Handel. Drogeriemärkte decken 45 Prozent des Vertriebs ab, der Online-Handel kommt auf 22,5 Prozent.
Spezialisierte Nischen boomen. Glow25, ein Anbieter von Kollagen-Produkten, steigerte den Umsatz von 35 Millionen Euro (2022) auf 130 Millionen Euro (2025). Auch Alzchem investiert massiv: Nach einem EBITDA von 116,5 Millionen Euro sind 120 Millionen Euro für neue Anlagen eingeplant.
Tierisches Eiweiß belastet den Darm
Die Wissenschaft liefert neue Erkenntnisse zur Darmgesundheit. Tierversuche aus dem Juni 2026 zeigen: Tierisches Eiweiß aus Rindfleisch kann schwere Darmentzündungen auslösen, pflanzliches Protein aus Erbsen verursacht nur milde Symptome. Ursache ist offenbar eine komplexe Interaktion zwischen Mikrobiom und Gallensäuren.
Zudem speichern Darmstammzellen offenbar ein Entzündungsgedächtnis – und das über 100 Tage.
Die Universität Bielefeld startete im Juni 2026 das Projekt MikrobiomProCheck, gefördert mit 3,4 Millionen Euro. Parallel dazu identifizierte ein internationales Team 2025 Mikrobiom-Signaturen, die eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung mit über 90-prozentiger Genauigkeit diagnostizieren können.
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Tribiotika und Papaya-Enzyme
Die Industrie reagiert mit komplexeren Präparaten. Anbieter wie Sports Research bringen sogenannte Tribiotika auf den Markt – eine Kombination aus Präbiotika, Probiotika und Postbiotika. Ziel: nicht nur Bakterien ansiedeln, sondern auch deren Nährboden und Stoffwechselprodukte liefern.
Biogena setzt auf Inhaltsstoffe wie L-Glutamin, Vitamin A und Polyphenole für die Darmschleimhaut. Auch Hausmittel gewinnen an Bedeutung. Ernährungswissenschaftler empfehlen Papaya: Das Enzym Papain sowie Ballaststoffe und Beta-Carotin unterstützen die Verdauung und nähren die Darmflora.
Gefahr der Überdosierung
Trotz des Booms warnen Fachleute vor unkontrollierter Einnahme. Eine Studie aus dem Jahr 2026 in Nature Metabolism deutet darauf hin, dass Glucosamin bei bestehenden kognitiven Beeinträchtigungen das Demenzrisiko über fünf Jahre um 25 Prozent erhöhen könnte. Ein kausaler Beweis steht noch aus.
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Verbraucherschützer kritisieren zudem: Für viele populäre Produkte wie Kollagenpeptide fehlen hinreichende Belege für eine Wirkung auf Haut oder Gelenke.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont, dass eine Basisversorgung oft über die Ernährung erreicht wird – empfohlen werden 30 Gramm Ballaststoffe täglich. Bei Fastenkuren bis zu vier Wochen ist die Einnahme von Supplementen laut Fachartikeln aus dem Juni 2026 meist nicht nötig, sofern keine medizinische Indikation vorliegt.
