Darmkrebs: Forscher entschlüsseln charakteristische Bakterien-Muster
25.06.2026 - 01:39:34 | boerse-global.de
Ein internationales Forschungsteam hat diese nun entschlüsselt.
Universelle Bakterien-Muster entdeckt
Das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) wertete 27 Studien mit 6.779 Mikrobiom-Profilen aus aller Welt neu aus. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher am 24. Juni in Cell Host & Microbe.
Bestimmte bakterielle Muster treten demnach über verschiedene Bevölkerungsgruppen und Altersklassen hinweg konsistent bei Krebspatienten auf. Besonders auffällig: Die Anreicherung des Bakteriums Fusobacterium nucleatum subsp. animalis ließ sich auf mehreren Kontinenten nachweisen.
Mit einem Machine-Learning-Algorithmus entwickelten die Wissenschaftler einen Score für die krebsähnliche Mikrobiom-Zusammensetzung. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen niedriger Ballaststoffaufnahme und einer ausgeprägteren Krebs-Signatur.
Die Erkennung von gutartigen Vorstufen bleibt aber schwierig. Adenome lassen sich über das Mikrobiom bislang nicht zuverlässig identifizieren.
Junge Erwachsene zunehmend betroffen
Parallel dazu belegt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) einen leichten Anstieg der Darmkrebsinzidenz bei unter 50-Jährigen. Die am 23. Juni im International Journal of Cancer veröffentlichte Analyse wertete Daten aus zehn deutschen Krebsregistern von 2003 bis 2023 aus.
Am stärksten steigen die Zahlen in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen: jährlich 3,3 Prozent bei Männern und 3,9 Prozent bei Frauen. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 2,2 beziehungsweise 2,0 Prozent pro Jahr. Die 40- bis 49-Jährigen bleiben stabil.
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Trotz des Trends liegt Deutschland mit 5,4 Prozent früh auftretender Fälle (rund 3.000 von jährlich 56.200 Neuerkrankungen) deutlich unter den USA, wo der Anteil bei 14 Prozent liegt.
Experten wie Thomas Seufferlein aus Ulm und Christian Pox aus Bremen sehen daher keine Rechtfertigung für eine Absenkung des gesetzlichen Screening-Alters unter 50 Jahre. Als mögliche Ursachen diskutieren sie veränderte Lebensgewohnheiten, zunehmende Adipositas und eine verbesserte Diagnostik.
Granatapfel-Stoffwechselprodukt schützt den Darm
Die University of Louisville untersuchte den mikrobiellen Metaboliten Urolithin A (UroA). Die am 24. Juni in Nature Communications veröffentlichte Studie zeigt: UroA entsteht, wenn Darmbakterien Granatäpfel, Walnüsse und Beeren verwerten.
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Der Stoff aktiviert spezifische Rezeptoren in den Epithelzellen des Darms. Das stärkt die Darmbarriere und kann chronische Entzündungen reduzieren. Für die Therapie von entzündlichen Darmerkrankungen (CED) könnte das neue Ansätze eröffnen.
Eine weitere Studie im Journal Cancer Communications vom 9. Juni lieferte Hinweise auf genetische Schutzfaktoren. Die Genvariante TGFBR1*6A, die bei etwa 14 Prozent der Bevölkerung vorkommt, scheint das Risiko für Polypen und Adenokarzinome im Dickdarm zu verringern.
Entzündungen hinterlassen Langzeitgedächtnis
Das Wellcome Sanger Institute erstellte eine Zellkarte namens „IBDverse“ mit über 2,2 Millionen Einzelzellen. Die im Juni in Nature veröffentlichte Arbeit zeigt: Intestinale Stammzellen besitzen ein Entzündungsgedächtnis, das auch nach dem Abklingen eines Schubs für mehr als 100 Tage bestehen bleibt.
Eine US-Studie in Nature Medicine vom 22. Juni verknüpfte beschleunigtes biologisches Altern mit einem erhöhten Risiko für früh auftretende Krebserkrankungen. Ein fortgeschrittenes systemisches Altern wurde darin mit einem um 15 Prozent erhöhten Risiko für frühe solide Tumoren assoziiert.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, neben dem chronologischen Alter auch biologische Marker und die individuelle Mikrobiom-Zusammensetzung in Präventionsstrategien einzubeziehen.
