Darmkrebsvorsorge: DĂ€nemark und Niederlande erreichen bis zu 70 Prozent Teilnahme
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die EffektivitĂ€t der Darmkrebsvorsorge in Deutschland steht im Fokus aktueller Medienberichte, die das hiesige System mit Modellen aus DĂ€nemark und den Niederlanden vergleichen. Ziel der Debatte ist es, Wege aufzuzeigen, wie sich die FrĂŒherkennungsraten bei anspruchsberechtigten Altersgruppen nachhaltig verbessern lassen. Obwohl die bisherigen MaĂnahmen messbare Erfolge vorweisen, bleibt die Beteiligung hinter dem Potenzial zurĂŒck.
Deutliche Erfolge, aber verhaltene Inanspruchnahme
Seit der EinfĂŒhrung der Vorsorgekoloskopie im Jahr 2002 sank in Deutschland die Darmkrebssterblichkeit um mehr als 30 Prozent und die Neuerkrankungsrate um knapp 30 Prozent, wie der Epidemiologe Hermann vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Brenner darlegt. Dennoch schöpft nur ein Teil der Berechtigten die Angebote voll aus.
Laut Krankenkassen-Abrechnungsdaten nehmen in Deutschland innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren etwa 20 Prozent der Berechtigten eine Screening-Koloskopie und etwa 30 Prozent Stuhlbluttests wahr, was zusammen einer Quote von rund 50 Prozent entspricht. FĂŒr Risikogruppen gelten dabei gesonderte MaĂstĂ€be: Laut Leitlinie sollen Verwandte ersten Grades von Darmkrebspatienten spĂ€testens im Alter von 40 bis 45 Jahren eine Koloskopie erhalten.
Der Blick nach DĂ€nemark und in die Niederlande
Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass andere europĂ€ische LĂ€nder deutlich höhere Teilnahmeraten erzielen. WĂ€hrend in Deutschland lediglich alle fĂŒnf Jahre ein Einladungsschreiben verschickt wird, setzen DĂ€nemark und die Niederlande auf ein aktiveres Vorgehen.
Dort erhalten die Berechtigten alle zwei Jahre eine Einladung, der direkt ein Stuhltest-Röhrchen beiliegt. Dieses Verfahren erzielt laut Brenner Teilnahmeraten von bis zu 70 Prozent. Der Experte empfiehlt daher auch fĂŒr Deutschland, entsprechende Test-Röhrchen samt Informationsmaterial direkt nach Hause zu senden, um Barrieren abzubauen.
Wussten Sie, dass in DĂ€nemark und den Niederlanden bis zu 70 Prozent der Berechtigten an der Darmkrebsvorsorge teilnehmen â in Deutschland sind es nur rund 50 Prozent? Der Unterschied liegt oft an der einfachen DurchfĂŒhrung. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie den iFOBT-Stuhltest richtig durchfĂŒhren und welche Vorsorge nach Alter und Risiko fĂŒr Sie empfohlen ist. Jetzt kostenlosen Vorsorge-Fahrplan anfordern
RĂŒcklĂ€ufige Beteiligung bei jĂŒngeren JahrgĂ€ngen
Dass Handlungsbedarf besteht, unterstreichen auch wissenschaftliche Untersuchungen aus Deutschland. Eine Studie des Zentralinstituts fĂŒr die kassenĂ€rztliche Versorgung (Zi) auf Basis bundesweiter Abrechnungsdaten untersuchte die FrĂŒherkennung im Zeitraum von 2009 bis 2018. Bei den 50- bis 54-JĂ€hrigen sank die Inanspruchnahme von Stuhltests innerhalb dieses Jahrzehnts bei Frauen um 21 Prozent und bei MĂ€nnern um 15 Prozent. Im Jahr 2018 nutzten lediglich 23 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen und 7,4 Prozent der MĂ€nner den Stuhltest.
Bei der FrĂŒherkennungskoloskopie im Alter von 55 bis 64 Jahren lag die jĂ€hrliche Inanspruchnahme bei 2,6 Prozent der Frauen und 2,5 Prozent der MĂ€nner. Betrachtet man die Gruppe der im Jahr 2009 55-JĂ€hrigen bis zum Alter von 64 Jahren, nahmen insgesamt 35 Prozent der MĂ€nner und 47 Prozent der Frauen an den empfohlenen Untersuchungen teil.
Als Empfehlung nennt die Zi-Studie eine Koloskopie alle zehn Jahre ab 55 Jahren â fĂŒr MĂ€nner seit 2019 bereits ab 50 Jahren â oder alternativ einen Stuhltest alle zwei Jahre.
DurchfĂŒhrung und Einordnung des Stuhltests
Gesetzlich Versicherten ab 50 Jahren wird der immunologische Stuhltest (iFOBT) zur FrĂŒherkennung alle zwei Jahre bezahlt. Bei der Probenentnahme ist meist eine kleine Stuhlmenge erforderlich, wobei der Kontakt mit Urin und Wasser vermieden werden sollte. Das Entnahmeröhrchen muss kĂŒhl gelagert und möglichst am selben Tag, spĂ€testens jedoch am Folgetag, in der Arztpraxis abgegeben werden.
Bei den 50- bis 54-JĂ€hrigen ist die Nutzung von Stuhltests in den letzten Jahren deutlich zurĂŒckgegangen â dabei wird der iFOBT ab 50 alle zwei Jahre von der Kasse bezahlt. Unser kostenloser Leitfaden erklĂ€rt Ihnen Schritt fĂŒr Schritt, wie Sie die Probe korrekt entnehmen, kĂŒhl lagern und rechtzeitig abgeben, damit Ihr Testergebnis aussagekrĂ€ftig ist. Schritt-fĂŒr-Schritt-Anleitung jetzt sichern
Essen und Trinken mĂŒssen vor dem Test nicht angepasst werden. Allerdings sollte der iFOBT nicht wĂ€hrend der Menstruation sowie in den drei Folgetagen durchgefĂŒhrt werden. Die Testergebnisse liegen meist binnen weniger Tage vor. Fachleute weisen darauf hin, dass auffĂ€llige Werte allein noch keine Diagnose darstellen, sondern durch weitere Untersuchungen abgeklĂ€rt werden mĂŒssen.
