Amt, Deutschland

Amt: Deutschland hielt 2024 erstmals alle Luftgrenzwerte ein

20.02.2025 - 12:01:41

Das vergangene Jahr war nach einer vorlĂ€ufigen Auswertung des Umweltbundesamts ein gutes Jahr fĂŒr die Luft in Deutschland. Alles prima also? Nein. Die jetzigen Grenzwerte seien veraltet, heißt es.

Deutschland hat 2024 erstmals alle europĂ€ischen Grenzwerte zur LuftqualitĂ€t einhalten können. Das zeigt eine vorlĂ€ufige Datenauswertung von rund 600 Messstationen, die das Umweltbundesamt am Donnerstag veröffentlicht hat. Die positive Bilanz betreffe vor allem den durchschnittlichen Jahresgrenzwert fĂŒr Stickstoffdioxid (NO2) von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Den haben laut UBA den vorlĂ€ufigen Daten zufolge alle Stationen zum ersten Mal seit der verbindlichen Grenze im Jahr 2010 eingehalten. Die Grenzwerte fĂŒr Feinstaub seien bereits das siebte Jahr in Folge im erlaubten Rahmen geblieben. 

Knapp war es der Auswertung zufolge deshalb vor allem bei den Stickstoffdioxid-Werten: So wurde demnach in der besonders befahrenen Essener Kruppstraße ein Mittelwert von exakt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen - also gerade noch so im zulĂ€ssigen Bereich. Auch in der MĂŒnchner Innenstadt lag der Wert mit 39 Mikrogramm nur knapp unter dem zulĂ€ssigen Wert. Besonders niedrige Stickstoffdioxid-Werte erreichten laut UBA vor allem die lĂ€ndlichen Regionen. So ergab etwa die auf dem Berg Schauinsland im Schwarzwald gelegene Messstelle einen Jahresmittelwert von 1 - und damit den niedrigsten aller Stationen. 

Laut UBA liegen die finalen Daten voraussichtlich erst im Juni dieses Jahres vor. An der Grundbilanz, dass alle Grenzwerte 2024 erstmals eingehalten worden seien, werde sich aber nach EinschÀtzungen der Behörde nichts mehr Àndern.

UBA-Chef: Hohe LuftqualitÀt «kein SelbstlÀufer»

UBA-PrĂ€sident Dirk Messner betonte, dass die positive Entwicklung bei den Grenzwerten «kein SelbstlĂ€ufer» sei, sondern Ergebnis «gezielter Luftreinhaltemaßnahmen auf Ebene der EU, des Bundes, der LĂ€nder und Kommunen». Hilfreich sei hier insbesondere die Nachbehandlung von Abgasen gewesen, etwa durch Partikelfilter, erklĂ€rte Messner. Auch die Elektrifizierung von Bussen im öffentlichen Personennahverkehr und Geschwindigkeitsbegrenzungen hĂ€tten zu den besseren Luftwerten beigetragen. 

Trotz der positiven Nachricht gibt es laut UBA aber im besten Wortsinne noch Luft nach oben. Die aktuell geltenden Grenzwerte seien mehr als 20 Jahre alt und entsprĂ€chen «nicht mehr den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ĂŒber die gesundheitlichen Auswirkungen von Luftverschmutzung», wie die Behörde auch mit Verweis auf die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schreibt. Die WHO empfiehlt seit Jahren deutlich niedrigere Richtwerte. 

Strengere Vorgaben ab 2030

Mitte Dezember 2024 trat dazu die neue europĂ€ische LuftqualitĂ€tsrichtlinie in Kraft, mit der sich die EU an diese Richtwerte annĂ€hern will. Demnach sollen ab 2030 strengere Grenz- und Zielwerte europaweit bindend sein. Der zulĂ€ssige Jahresmittelwert fĂŒr NO2 soll dann von 40 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter sinken, der Feinstaub-Grenzwert fĂŒr feinere PartikelgrĂ¶ĂŸen (PM2,5) von 25 auf 10 Mikrogramm. Damit hĂ€tten es deutsche StĂ€dte mit der jetzigen Ausgangslage kĂŒnftig deutlich schwerer, die Grenzwerte einzuhalten. Das Umweltbundesamt Ă€ußert sich dazu aber zuversichtlich: Eine flĂ€chendeckende Einhaltung aller Grenzwerte in Deutschland könne «bis zum Jahr 2035» erreicht werden, heißt es.

Umwelthilfe beklagt «Verschleierung von Gesundheitsnotlage»

Scharfe Kritik an der Darstellung des Umweltbundesamts ĂŒbte dagegen die Deutsche Umwelthilfe und warf dem Amt eine «Verschleierung der tatsĂ€chlichen Gesundheitsnotlage in Deutschland» vor. Die Daten des UBA dĂŒrften nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass schlechte Luft Menschenleben gefĂ€hrde, argumentierte der Umweltverband und verwies dabei auf Zahlen der EuropĂ€ischen Umweltagentur (EEA), die hierzulande von Zehntausenden Toten pro Jahr allein durch die Folgen von hohen Feinstaubwerten ausgeht. Die Luftgrenzwerte seien 2024 nur deshalb eingehalten worden, weil sie «viel zu schwach» seien, beklagte DUH-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer JĂŒrgen Resch. Die kĂŒnftige Bundesregierung mĂŒsse die strengeren EU-Vorgaben dringend bis 2028 umsetzen - und nicht erst ab 2030.

@ dpa.de