Grönlands, Eis

Grönlands Eis schmilzt jedes Jahr um fast 200 Kubikkilometer

25.12.2024 - 06:38:36

Dass der GrönlÀndische Eisschild an Volumen verliert, war bekannt. Nun zeigen Messungen die Dimension der Eisschmelze auf.

  • Die Kalbungsfront des Russell-Gletschers, Kangerlussuaq, Grönland.  - Foto: Sepp Kipfstuhl/Alfred-Wegener-Institut, Helmhol/dpa

    Sepp Kipfstuhl/Alfred-Wegener-Institut, Helmhol/dpa

  • Zwei Studenten der New York University sitzen auf einem Felsen mit Blick auf den grönlĂ€ndischen Helheim-Gletscher.  - Foto: Felipe Dana/AP/dpa

    Felipe Dana/AP/dpa

Die Kalbungsfront des Russell-Gletschers, Kangerlussuaq, Grönland.  - Foto: Sepp Kipfstuhl/Alfred-Wegener-Institut, Helmhol/dpaZwei Studenten der New York University sitzen auf einem Felsen mit Blick auf den grönlÀndischen Helheim-Gletscher.  - Foto: Felipe Dana/AP/dpa

Der GrönlÀndische Eisschild ist von September 2010 bis August 2022 um jÀhrlich durchschnittlich 196 Kubikkilometer geschrumpft. Dabei schwankte die jÀhrliche Schmelzmenge zwischen 4 und 464 Kubikkilometern, wie eine Forschergruppe um Nitin Ravinder von der englischen UniversitÀt Leeds im Fachjournal «Geophysical Research Letters» schreibt.

Das GrönlĂ€ndische Inlandeis ist - nach dem antarktischen Eisschild - der zweitgrĂ¶ĂŸte Eispanzer der Erde. FĂŒr die Untersuchung werteten die Wissenschaftler erstmals Höhenmessungen der Satellitenmissionen CryoSat-2 der europĂ€ischen Weltraumorganisation Esa und ICESat-2 der US-Weltraumbehörde Nasa vergleichend aus.

Messungen mit zwei verschiedenen Verfahren

CryoSat-2 misst die Höhe des Eises auf dem GrönlÀndischen Eisschild mit Radar, ICE-Sat-2 dagegen per Laser. Radar hat den Vorteil, dass es durch Wolken dringt, also auch bei bewölktem Himmel eingesetzt werden kann. 

Allerdings dringen die genutzten Radarfrequenzen bis zu zehn Meter in SchneeoberflÀchen ein, sodass die Messung relativ ungenau ist und durch Korrekturrechnungen verbessert werden muss. Der Laser hingegen misst recht prÀzise die Schnee- und EisoberflÀche - aber nur bei nahezu wolkenlosem Himmel. Seit dem Start der ICESat-2-Mission 2018 gibt es parallele Messungen beider Systeme.

Ravinder und Kollegen stellten fest, dass die Messungen mit den zwei Technologien nur gering voneinander abwichen: Im inneren Bereich des Eisschildes lagen sie lediglich um 0,2 Zentimeter pro Jahr auseinander. In der Schmelzzone am Rand des Eisschildes, wo es eine grĂ¶ĂŸere Dynamik von Eisgewinn im Winter und Eisverlust im Sommer gibt, betrug der Unterschied 3,3 Zentimeter pro Jahr. 

Insgesamt machen die Unterschiede nur etwa sechs Prozent des beobachteten Trends aus. «Wir freuen uns sehr ĂŒber die Entdeckung, dass CryoSat-2 und ICESat-2 so eng miteinander ĂŒbereinstimmen», betonte Ravinder.

Wasserverlust entspricht fast dem Volumen des Victoriasees

Die Forscher ermittelten aus den Messdaten der beiden Satellitensysteme von 2018 bis 2022 eine durchschnittliche Verringerung der Eishöhe um 11,6 Zentimeter pro Jahr ĂŒber den gesamten Eisschild. Allerdings war diese Abschmelzung sehr ungleich verteilt: Im großen Innenbereich waren es nur 6,3 Zentimeter, in den Randbereichen 54,3 Zentimeter, also rund neunmal so viel.

FĂŒr den Zeitraum 2010 bis 2022 errechneten die Wissenschaftler einen durchschnittlichen jĂ€hrlichen Eisverlust von 79 Kubikkilometern im Innenbereich und 117 Kubikkilometern in den Randbereichen.

Diese insgesamt 196 Kubikkilometer pro Jahr ergeben fĂŒr den ganzen Untersuchungszeitraum einen Volumenverlust um 2.352 Kubikkilometern. Dies entspricht fast der Wassermenge des grĂ¶ĂŸten afrikanischen Sees, des Victoriasees, mit einem Volumen von 2.760 Kubikkilometern.

Nach einer Studie von 2023 hat das schmelzende grönlĂ€ndische Eis seit 1992 zu einer Erhöhung des weltweiten Meeresspiegels um 13,6 Millimeter gefĂŒhrt. Nach Esa-Angaben wĂŒrde ein komplettes Abschmelzen dieses Eisschildes den Meeresspiegel um rund sieben Meter steigen lassen.

@ dpa.de