Datenschutz, Kalifornien

Datenschutz: Kalifornien startet DROP-Portal für 600 Broker

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 00:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kalifornien startet zentrale Löschplattform für Datenhändler. Der Delete Act setzt neue Standards und inspiriert weitere US-Bundesstaaten zu strengeren Regeln.

Kaliforniens Delete Act: Ein-Klick-Löschung für persönliche Daten bei 600+ Brokern
Ein digitales Sicherheits-Dashboard auf einem Laptop-Bildschirm, das den kalifornischen Datenschutzdienst für Datenmakler darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit dem 1. August können Kalifornier ihre persönlichen Daten per Mausklick bei über 600 Datenhändlern löschen lassen. Der „Delete Act" könnte zum Vorbild für weitere US-Bundesstaaten werden – und zeigt, wie weit die USA beim Datenschutz noch hinter Europa liegen.

Ein Portal für alle Löschwünsche

Die neue Plattform DROP (Data Broker Protection Service) ist das Herzstück des Gesetzes. Kalifornische Einwohner können dort kostenlos Lösch- und Widerspruchsanfragen an mehr als 600 registrierte Datenbroker senden – von der Auskunftei bis zum People-Search-Portal. Bislang mussten Betroffene jedes Unternehmen einzeln kontaktieren. Seit Januar haben sich rund 350.000 Menschen für den Dienst registriert, um den Verkauf ihrer Daten zu stoppen.

Die Datenhändler müssen die Anfragen nun innerhalb von 45 Tagen bearbeiten. Nur bei administrativen Aktualisierungen der Datensätze sind bis zu 90 Tage erlaubt. Betroffen sind Branchengrößen wie Acxiom, LexisNexis, Spokeo und BeenVerified.

Harte Strafen für säumige Broker

Die Durchsetzungsbehörden können pro betroffenem Einwohner und Tag 200 Dollar Strafe verhängen, wenn Löschungen ignoriert werden. Bereits im Frühjahr hatte die kalifornische Datenschutzbehörde zwölf Broker ins Visier genommen, die sich nicht registriert hatten – die Bußgelder summierten sich auf jeweils zehntausende Dollar.

Michael Macko, Leiter der Durchsetzungsabteilung der Datenschutzbehörde, warnt ausdrücklich vor bestimmten Praktiken – etwa dem Weiterverkauf von Listen mit Gesundheitsdaten. Auch Unternehmen wie Datamasters und S&P Global gerieten bereits ins Visier der Ermittler.

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Warum der Zeitpunkt kein Zufall ist

Die Einführung folgt auf eine Welle wachsender Verbraucherbesorgnis. 2025 erreichten unerwünschte Robocalls in den USA einen Sechs-Jahres-Höchststand: Rund 52,5 Milliarden Anrufe gingen auf das Konto automatischer Werbesysteme. Kaliforniens neuer Dienst soll dem einen Riegel vorschieben, indem er Datenhändlern verbietet, registrierte Nutzer zu kontaktieren.

Allerdings: Der „Delete Act" hat Grenzen. Öffentliche Aufzeichnungen und Daten für die Bonitätsprüfung sind von der Löschpflicht ausgenommen.

Ein Modell für andere Bundesstaaten?

Kalifornien geht mit gutem Beispiel voran – und andere folgen. 2026 treten auch in Indiana, Kentucky und Rhode Island neue Datenschutzgesetze in Kraft. Für Verbraucher außerhalb Kaliforniens bieten Oregon, Texas und Vermont eigene Registrierungssysteme an. Die zentrale „Ein-Klick-Lösung" bleibt aber bislang ein kalifornisches Alleinstellungsmerkmal.

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Aus europäischer Perspektive wirkt das Ganze wie ein Déjà-vu: Was die DSGVO mit ihrem Recht auf Löschung seit 2018 vorschreibt, entsteht in den USA nun Stück für Stück – fragmentiert, bundesstaatlich organisiert und ohne zentrale Bundesregelung. Für deutsche Unternehmen mit US-Geschäft heißt das: Die Compliance-Anforderungen werden komplexer, nicht einfacher.

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