DCM, ZĂŒrcher

DCM: ZĂŒrcher Klinik setzt neues Konzept zur FrĂŒherkennung bereits im Alltag ein

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein ZĂŒrcher Team nutzt ein frĂŒhes Diagnose- und Behandlungskonzept; fĂŒr 2027 sind zwei Studien geplant.
Ein leerer, modern eingerichteter Behandlungsraum in einer Klinik mit hellem, natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die degenerative zervikale Myelopathie (DCM) zÀhlt zu den gravierendsten Erkrankungen der HalswirbelsÀule, wird jedoch im Anfangsstadium hÀufig erst mit erheblicher Verzögerung diagnostiziert.

Eine Expertengruppe der UniversitĂ€tsklinik Balgrist und des Zentrums fĂŒr Paraplegie am UniversitĂ€ren WirbelsĂ€ulenzentrum ZĂŒrich hat vor diesem Hintergrund ein FrĂŒherkennungs- und Behandlungskonzept erarbeitet, das bereits im klinischen Alltag angewendet wird.

Als Basis dient ein Perspektivartikel im Fachjournal The Lancet Neurology, der auf prospektiven Studien der ZĂŒrcher Klinik sowie der Zusammenarbeit mit internationalen Ko-Autoren aufbaut.

FrĂŒhe Anzeichen erkennen und FolgeschĂ€den vermeiden

Bei der degenerativen zervikalen Myelopathie handelt es sich um eine fortschreitende SchĂ€digung des RĂŒckenmarks im Bereich der HalswirbelsĂ€ule. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, drohen den Betroffenen dauerhafte neurologische Defizite bis hin zur Tetraplegie.

Zu den typischen FrĂŒhsymptomen zĂ€hlen nach Angaben der UniversitĂ€tsklinik Balgrist eine zunehmende Ungeschicklichkeit der HĂ€nde, Störungen der Feinmotorik, SensibilitĂ€tsausfĂ€lle sowie VerĂ€nderungen des Gangbildes und des Gleichgewichts.

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Erstautor PD Dr. med. Carl Zipser hebt hervor, dass die Diagnose idealerweise bereits bei den ersten klinischen Hinweisen gestellt werden mĂŒsse und nicht erst dann, wenn irreversible SchĂ€digungen des Nervengewebes nachweisbar seien. Der korrespondierende Autor Prof. Dr. med.

Patrick Freund erlĂ€utert dazu, dass ein multimodales Beurteilungsverfahren eine frĂŒhere Identifikation erlaube und damit die langfristige Prognose fĂŒr Betroffene spĂŒrbar verbessere. FĂŒr das Jahr 2027 plant die UniversitĂ€tsklinik Balgrist bereits eine neue Kohortenstudie zu diagnostischen Methoden sowie eine ergĂ€nzende Medikamentenstudie.

Differenzierte Therapieentscheidungen im WirbelsÀulenbereich

Der Umgang mit degenerativen Prozessen an der WirbelsÀule erfordert generell ein abgestuftes Vorgehen. Wie Fachberichte der Praxisklinik apex-spine verdeutlichen, lassen sich BandscheibenvorfÀlle in vielen FÀllen ohne operativen Eingriff behandeln, solange keine schweren neurologischen Ausfallerscheinungen vorliegen.

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Konservative BehandlungsansĂ€tze zielen auf Schmerzlinderung, Nervenentlastung sowie die Wiederherstellung von Beweglichkeit und Muskelkraft ab. Zu den zentralen Bausteinen gehören gezielte Schmerztherapien, Infiltrationen, Physiotherapie und moderate Bewegung wie SpaziergĂ€nge, RĂŒckengymnastik, Radfahren oder Schwimmen.

Ein chirurgischer Eingriff wird hingegen bei fortschreitenden LĂ€hmungserscheinungen, zunehmender MuskelschwĂ€che, anhaltenden therapieresistenten Schmerzen oder Funktionsstörungen von Blase und Darm notwendig, gestĂŒtzt auf Anamnese, neurologische Befunde und MRT-Aufnahmen.

Relevanz der tiefen RĂŒckenmuskulatur und experimentelle Forschung

FĂŒr die dauerhafte Stabilisierung spielen auch neuromuskulĂ€re Faktoren eine entscheidende Rolle. Der Musculus multifidus stabilisiert die WirbelsĂ€ule segmental ĂŒber eine antizipatorische Aktivierung. Elektromyographische Untersuchungen von Hodges und Richardson aus dem Jahr 1997 belegen eine PrĂ€aktivierung des Muskels 30 bis 110 Millisekunden vor Bewegungen der ExtremitĂ€ten.

MRT- und CT-Untersuchungen von Seyedhoseinpoor und Kollegen aus dem Jahr 2021 weisen bei Beschwerden zudem eine signifikante Fettinfiltration mit einer EffektstÀrke von SMD = 0,61 nach, die vor allem die Segmente L4 bis S1 betrifft.

Langzeitbeobachtungen von Hides et al. aus dem Jahr 1996 verdeutlichen, dass ohne Training ein spontaner Querschnittsverlust von 0 Prozent vorliegt und keine Selbstregeneration eintritt.

Eine weitere Langzeitstudie von Hides, Jull und Richardson aus dem Jahr 2001 zeigte nach einem Jahr eine Rezidivrate von 30 Prozent bei gezieltem Stabilisierungstraining gegenĂŒber 84 Prozent in der Kontrollgruppe ohne Training.

Übersichtsarbeiten von Saragiotto et al. aus dem Jahr 2016 bestĂ€tigen, dass solche Übungen zur motorischen Kontrolle bei chronischen RĂŒckenschmerzen mindestens gleichwertig zu allgemeinem Fitnesstraining oder Yoga sind, wobei kurze Einheiten von fĂŒnf bis zehn Minuten an zwei bis drei Tagen pro Woche empfohlen werden.

Auf zellulĂ€rer Ebene untersuchen Forscher zudem neue biochemische Signalwege. Das natĂŒrliche Flavonoid Jaceosidin hemmt experimentellen Untersuchungen zufolge die PKM2-AktivitĂ€t und dĂ€mpft den glykolytischen Fluss in Mikroglia. Dies verschiebt deren Polarisierung vom pro-inflammatorischen M1- zum anti-inflammatorischen M2-Zustand und senkt die AusschĂŒttung von IL-6 sowie TNF-?.

In Modellen zu RĂŒckenmarksverletzungen fĂŒhrte der als Reinstoff fĂŒr Forschungszwecke erhĂ€ltliche Wirkstoff zu verringerter GewebeschĂ€digung sowie zu einer verbesserten Erholung motorischer und autonomer Nervenfunktionen.

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