De Wevers Sparpaket: Gewerkschaften mobilisieren gegen 10 Milliarden Euro Kürzungen
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Belgien formiert sich breiter Widerstand gegen die finanzpolitischen Pläne der Regierungskoalition unter Premierminister Bart De Wever. Wie Berichte vom 9. Oktober 2026 darlegen, organisieren die Gewerkschaften umfassende Proteste und nationale Aktionstage, um gegen geplante Kürzungen und Sparvorgaben vorzugehen, die den Lebensstandard der Bevölkerung unmittelbar betreffen. Die Fünferkoalition verhandelt ein Sparpaket, das bis 2029 Haushaltskürzungen von insgesamt 10 Mrd. Euro vorsieht.
Streit um Milliardenkürzungen und gewerkschaftliche Gegenvorschläge
Im Zentrum der Auseinandersetzungen steht der nationale Aktionstag in Brüssel, zu dem die Gewerkschaftsverbände ABVV/FGTB und CSC aufgerufen hatten. Nach offiziellen Angaben der Polizei beteiligten sich rund 30.000 Menschen an den Kundgebungen, während die Gewerkschaften von etwa 50.000 Demonstrierenden sprachen.
Der Protestzug bewegte sich vom Stadtzentrum und dem Zentralbahnhof in Richtung des Südbahnhofs Brussels-Süd/Midi. Die Beteiligten forderten unter anderem den Schutz der Einkommen und wandten sich gegen Einschnitte in die Geldbörsen der Beschäftigten.
Die Arbeitnehmervertretungen wehren sich gegen die von De Wever geplanten Vorgaben und legten nach Angaben von Selena Carbonero Fernandez von der sozialistischen Gewerkschaft Gegenvorschläge zur Haushaltsfinanzierung in Höhe von 21 Mrd. Euro vor.
Susanne Niessen, Sekretärin der christlichen Gewerkschaft CSC, mahnte an, dass Sparmaßnahmen regelmäßig die einfachen Menschen träfen und finanzielle Mittel stattdessen beim Kapital abgeschöpft werden müssten. Begleitet wurde die Aktion von Kundgebungen vor Vertretungen der fünf Koalitionsparteien N-VA, CD&V, Vooruit, MR und Les Engagés, wobei einzig Vooruit Delegationen empfing.
Die liberale Gewerkschaft Synova beteiligte sich nicht an den Protesten. Aus Ostbelgien reisten etwa 300 Menschen an, wobei Gewerkschaftsvertreter wie Danny Laschet (FGTB) und Niessen vor Einschnitten bei der sozialen Sicherheit und möglichen Mehrwertsteueränderungen warnten.
Einschränkungen im Verkehr und Zwischenfälle am Rande
Die Aktionen führten zu spürbaren Behinderungen der Infrastruktur. Am Flughafen Brüssel-Zaventem fielen schätzungsweise 140 Flüge aus, zudem kam es zu Beeinträchtigungen im öffentlichen Personennahverkehr. Während der gewerkschaftliche Hauptzug friedlich blieb, kam es am Rande zu Scharmützeln.
Die Fünferkoalition verhandelt Kürzungen von insgesamt 10 Mrd. Euro bis 2029, die Gewerkschaften halten mit einem alternativen Finanzierungsplan dagegen. Wer die belgische Haushaltspolitik verfolgt, braucht die belegbaren Zahlen und den Zeitplan der angekündigten Aktionstage. Kostenlosen Belgien-Report anfordern
Im Stadtviertel Marolles errichteten Gruppen von Jugendlichen Straßenblockaden, bewarfen Einsatzkräfte mit Steinen sowie Feuerwerkskörpern und setzten Fahrräder in Brand, woraufhin die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern reagierte. Laut Polizeiangaben standen die Krawalle in keinem direkten Zusammenhang mit dem friedlichen Demonstrationszug der Verbände.
Zuvor war es bereits in Lüttich zu Auseinandersetzungen gekommen, bei denen nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga an einem Montag mehr als 20 Polizeibeamte leicht verletzt worden waren und ein Versammlungsverbot verhängt werden musste.
Ausblick auf angekündigte Arbeitsniederlegungen
Die Proteste fügen sich in eine Reihe regelmäßiger Gewerkschaftsaktionen ein, die seit rund zwei Jahren anhalten. Bereits bei einer Großdemonstration im Mai zählten die Behörden 40.000 und die Gewerkschaften 75.000 Teilnehmende.
Die Konfrontation dürfte sich in den kommenden Wochen weiter verschärfen. Für Montag, den 12. Oktober, kündigte die sozialistische Gewerkschaft ACOD einen Streiktag im öffentlichen Dienst an – unmittelbar vor der geplanten Regierungserklärung De Wevers vor der Ersten Kammer.
Für Pendler und Betriebe sind die angekündigten Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Dienst und bei den Verkehrsbetrieben das greifbarste Risiko — der nächste Streiktag ist bereits terminiert. Der Report ordnet die angekündigten Aktionstage ein und zeigt, welche Sektoren betroffen sind. Streik-Kalender Belgien jetzt abrufen
Aufgerufen sind Beschäftigte aus den Verkehrsbetrieben, von Flughäfen, aus dem Bildungswesen, der Post und den Justizvollzugsanstalten, während sich der christliche Gewerkschaftszweig ACV nicht beteiligt. Zudem sind öffentlich-rechtliche Medien betroffen: Sender wie VRT kündigten Not- und Archivprogramme an, während auch RTBF Einschränkungen erwartet.
Für die Woche vom 23. November stellten die Gewerkschaften zudem einen Generalstreik in Aussicht, sollte die Regierung Eingriffe in die automatische Lohnindexierung, Mehrwertsteuererhöhungen oder eine Jahresarbeitszeitregelung durchsetzen.

