DEHOGA-Umfrage: 84,7 Prozent der Betriebe melden geringere GĂ€steausgaben
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie anhaltende Teuerung bei den allgemeinen Lebenshaltungskosten schrĂ€nkt die finanziellen SpielrĂ€ume fĂŒr die Freizeitgestaltung spĂŒrbar ein. WĂ€hrend Konsumenten ihre Budgets fĂŒr Restaurantbesuche und Urlaubsreisen genauer kalkulieren, sehen sich Gastronomiebetriebe dazu gezwungen, mit neuen, kosteneffizienten AnsĂ€tzen auf die zurĂŒckgehende Ausgabebereitschaft der GĂ€ste zu reagieren.
Steigende Fixkosten verringern SpielrĂ€ume fĂŒr den Konsum
Dass die Ausgaben fĂŒr grundlegende BedĂŒrfnisse wie Wohnen und Energie wachsen, belegen offizielle Daten. Laut der Konsumerhebung 2024/25 von Statistik Austria beliefen sich die monatlichen Haushaltsausgaben im Schnitt auf 4.170 Euro, was einem Zuwachs von 28,3 Prozent gegenĂŒber den 3.250 Euro aus der Erhebung 2019/20 entspricht. Im selben Zeitraum kletterten die Verbraucherpreise um 26,9 Prozent und die Mindestlöhne nach Kollektivvertrag um 26,2 Prozent.
Den gröĂten Anteil beanspruchten Wohnen und Energie mit 26,4 Prozent der Gesamtausgaben, was einem Anstieg von 39 Prozent beziehungsweise einem Zuwachs von 309 Euro seit 2020 entspricht. Zudem legten die Gastronomiepreise in diesem Vergleichszeitraum um 43,8 Prozent, die Gesundheitsausgaben um 42,2 Prozent und Nahrungsmittel um 23,5 Prozent zu.
Diese Belastungen spiegeln sich im gesellschaftlichen Stimmungsbild wider: Laut der R+V-Studie ĂŒber die Ăngste der Deutschen aus einer Erhebung vom Mai bis Juli 2026 bilden steigende Lebenshaltungskosten fĂŒr 59 Prozent der Befragten die gröĂte Sorge.
Gastronomiebetriebe zwischen Kostendruck und GĂ€sterĂŒckgang
FĂŒr die Gastronomie fĂŒhrt diese Entwicklung zu merklichen UmsatzeinbuĂen. Eine Erhebung des DEHOGA Mecklenburg-Vorpommern unter 135 Mitgliedsbetrieben vom 7. Oktober 2026 ergab, dass der nominale Nettoumsatz von Januar bis September 2026 durchschnittlich 2,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums lag.
Insgesamt 84,7 Prozent der befragten Betriebe meldeten geringere GÀsteausgaben im laufenden Jahr; bei 51,6 Prozent fielen diese etwas geringer aus, bei 33,1 Prozent deutlich geringer. Nur 4,0 Prozent verzeichneten höhere Ausgaben.
Die aktuelle Erhebung unter Gastronomiebetrieben zeigt: 84,7 Prozent melden geringere GÀsteausgaben, und Personalkosten belasten 86 Prozent der HÀuser. Wer die eigene Kalkulation jetzt anpasst, statt abzuwarten, behÀlt Handlungsspielraum. Kostenlosen Branchen-Report zur Gastronomie anfordern
DEHOGA-PrĂ€sident Lars Schwarz bezeichnete das Jahr 2026 als siebtes Verlustjahr in Folge und forderte den Erhalt von Minijobs, eine Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit sowie BĂŒrokratieabbau. Als gröĂte betriebliche Herausforderungen nannten die Unternehmen Personalkosten (86,0 Prozent), Energiekosten (76,9 Prozent) und Warenkosten (64,5 Prozent).
Auch im Spitzensegment macht sich der Druck bemerkbar. Nach EinschĂ€tzung des Redaktionsleiters des RestaurantfĂŒhrers Gusto, Markus OberhĂ€uĂer, ist eine Mehrheit der deutschen Gourmetrestaurants weniger gefragt als in frĂŒheren Jahren, sodass selbst renommierte Adressen an Wochenenden kurzfristig PlĂ€tze frei haben.
Als GrĂŒnde nannte er gestiegene Preise, die fragile Wirtschaftslage, geopolitische Unsicherheiten und ein Ăberangebot an Fine-Dining-Konzepten, da das Publikum nicht im gleichen AusmaĂ gewachsen sei.
In anderen Segmenten versuchen Gastwirte, mit neuen GeschĂ€ftsmodellen gegenzusteuern. In einigen kleineren Wiener Lokalen kostet ein halber Liter Bier weniger als vier Euro, was durch reduzierte PersonalstĂ€nde, mehr Selbstbedienung und eine hohe GĂ€stefrequenz ermöglicht wird, wĂ€hrend andernorts Preise von sechs Euro und mehr eine HĂŒrde fĂŒr Besucher darstellen.
Zugleich bleibt das Ausweichen auf Lieferservices herausfordernd: Erfurter Gastronomen verweisen darauf, dass wegen GebĂŒhren und Extrapauschalen fĂŒr Lieferdienste kaum Einnahmen vom Umsatz verbleiben.
Urlaubs- und Freizeitplanung wird kurzfristiger
Die verĂ€nderten finanziellen Rahmenbedingungen schlagen sich auch in der Reisefreude nieder. Eine NIM-Studie unter 1.000 Befragten zeigt zwar, dass 81 Prozent der Deutschen 2026 eine Reise planten oder durchfĂŒhrten, allerdings nannten 59 Prozent den Preis als wichtigstes Kriterium bei der Wahl ihres Reiseziels.
Das laufende Jahr gilt in der Branche bereits als siebtes Verlustjahr in Folge â und mit der nĂ€chsten Mindestlohnstufe ab Januar steigen die Personalkosten weiter. Dieser Report ordnet die Belastungsfaktoren ein und zeigt, welche Stellschrauben Betriebe zuerst prĂŒfen sollten. Report zu Kostendruck und Preisstrategie sichern
Eine Erhebung des Deutschen Instituts fĂŒr Tourismusforschung und des Deutschen Tourismusverbands vom 6. Oktober 2026 wies fĂŒr den Urlaubsplanungsindex im Herbst 2026 einen RĂŒckgang auf 81 Punkte aus, nach 106 Punkten im vorangegangenen Sommer. Neben einer steigenden PreissensibilitĂ€t verschieben Konsumenten ihre Buchungsentscheidungen zunehmend auf kurzfristige Termine.

