Demenz, FĂ€lle

Demenz: 45 Prozent der FĂ€lle durch Lebensstil vermeidbar

16.06.2026 - 06:31:45 | boerse-global.de

Studien zeigen: Bis zu 45 Prozent der DemenzfÀlle sind durch LebensstilÀnderungen vermeidbar. Risiken zeigen sich bereits bei jungen Erwachsenen.

Demenzrisiko senken: LebensstilĂ€nderungen wirken frĂŒh
Demenz - Ein detailliertes Modell des menschlichen Gehirns mit leuchtenden Nervenbahnen, umgeben von kleinen Symbolen wie einer Zigarette, Sportschuhen und gesunder Nahrung, die Lebensstilfaktoren und Demenzrisiko darstellen. 16.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Das zeigen aktuelle Studien – und die Warnsignale treten frĂŒher auf als gedacht.

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Forscher der UniversitÀt Leipzig fanden heraus: Bereits bei 20- bis 39-JÀhrigen lÀsst sich ein erhöhtes Demenzrisiko messen. Die im Mai 2026 im Fachjournal Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Studie basiert auf Daten von knapp 150.000 Teilnehmern der NAKO-Gesundheitsstudie.

Mithilfe des LIBRA-Scores (LIfestyle for BRain Health) zeigten die Wissenschaftler, dass ein riskanter Lebensstil bereits in jungen Jahren mit schlechteren kognitiven Leistungen korreliert. Anders als bei Àlteren Menschen dominieren hier nicht Bluthochdruck oder Cholesterin, sondern Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen.

„Strategien zur Risikoreduktion mĂŒssen konsequent im frĂŒhen Erwachsenenalter ansetzen", betont Prof. Steffi G. Riedel-Heller von der UniversitĂ€t Leipzig. Auch der sozioökonomische Status spielt eine Rolle: Menschen mit niedrigerem Status weisen tendenziell ungĂŒnstigere Risikowerte auf.

ErnÀhrung als Risikofaktor

Hochverarbeitete Lebensmittel können das Demenzrisiko um bis zu 58 Prozent steigern, deuten Daten aus dem Juni 2026 an. Die MIND-DiÀt hingegen soll das Risiko signifikant senken.

Doch nicht nur das, was wir essen, ist entscheidend – auch bestimmte PrĂ€parate können schaden. Eine Studie der UF Health, veröffentlicht am 13. Juni 2026 in Nature Metabolism, untersuchte die Wirkung von Glucosamin. Bei Menschen mit leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigungen beschleunigte das Mittel die Alzheimer-Progression um 25 Prozent. Bei bereits erkrankten Demenz-Patienten stieg das Sterberisiko um ebenfalls 25 Prozent.

Die Stiftung Warentest wies im Mai 2026 zudem auf Schadstoffbelastungen in Grundnahrungsmitteln hin. In einem Test von 40 Reisprodukten fanden sich in allen Proben Arsen, in den meisten auch Kadmium.

Blutdruck-Paradox: Zu niedrig ist auch nicht gut

Eine Analyse von 800.000 Erwachsenen, veröffentlicht am 10. Juni 2026 im Journal of the American Heart Association, zeigt ein ĂŒberraschendes Bild: Zu niedriger Blutdruck kann das Alzheimer-Risiko um das Zwei- bis Dreifache steigern. Dieser Effekt erwies sich als bedeutsamer als moderater Bluthochdruck, fĂŒr den ein 1,6-faches Risiko ermittelt wurde.

Gleichzeitig wird die Diagnostik prĂ€ziser. Neben FDA-zugelassenen Bluttests zur FrĂŒherkennung (pTau217) setzen Forscher verstĂ€rkt auf digitale Instrumente. Das Deutsche Zentrum fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) prĂ€sentierte im Juni 2026 smartphone-basierte Tests, die kognitive VerĂ€nderungen im Alltag feiner erfassen sollen als punktuelle klinische Untersuchungen.

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Prognose bis 2060: 2,1 Millionen Demenzkranke in Deutschland

Bis 2060 könnte die Zahl der Demenzkranken in Deutschland auf bis zu 2,1 Millionen steigen, prognostiziert das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) vom 15. Juni 2026. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft geht derzeit von 1,8 Millionen Betroffenen aus, mit einem möglichen Anstieg auf 2,7 Millionen bis 2050.

Besonders betroffen sind lĂ€ndliche Regionen in Ostdeutschland. Im Kreis Elbe-Elster wird bis 2060 ein Anteil von 6,2 Prozent der Bevölkerung mit Demenzerkrankungen erwartet, wĂ€hrend fĂŒr MĂŒnchen mit 1,7 Prozent kalkuliert wird.

Das hat Folgen fĂŒr den Arbeitsmarkt: Kamen 2020 noch 38 ErwerbsfĂ€hige auf einen Demenzfall, wird sich dieses VerhĂ€ltnis bis 2060 bundesweit auf 21 zu 1 verschieben. In einzelnen Regionen Sachsens-Anhalts könnte es sogar auf 100 zu 15 sinken.

LebensstilÀnderungen können Wende bringen

Trotz dieser Prognosen sehen Experten erhebliche SpielrĂ€ume. Das DZNE und die Lancet-Kommission beziffern den Anteil der durch LebensstilĂ€nderungen vermeidbaren DemenzfĂ€lle auf 36 bis 45 Prozent. Durch konsequente Behandlung von 14 bekannten Risikofaktoren – darunter Bluthochdruck, Diabetes, Hörstörungen und soziale Isolation – ließe sich die Zahl der Neuerkrankungen laut WIdO-Analysen stabilisieren. Die Gesamtzahl der Betroffenen könnte dann langfristig bei 1,3 bis 1,5 Millionen verharren.

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