Demenz: 45 Prozent der FÀlle durch PrÀvention vermeidbar
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 03:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Erkenntnisse verdeutlichen zunehmend, dass ein bedeutender Teil von Demenzerkrankungen nicht als unausweichliches Schicksal betrachtet werden muss. Zahlreiche Studien und Fachberichte legen dar, dass sich durch gezielte PrĂ€ventionsmaĂnahmen und die Kontrolle bestimmter Risikofaktoren das Auftreten von Alzheimer und anderen Demenzformen in vielen FĂ€llen verhindern oder zumindest hinauszögern lieĂe.
Beeinflussbare Risikofaktoren und Handlungsempfehlungen
Nach Angaben der Alzheimer Forschung Initiative gehen 45 Prozent aller Demenzerkrankungen weltweit auf verĂ€nderbare Risikofaktoren zurĂŒck. Die Organisation verweist dabei auf den Bericht der Lancet-Kommission aus dem Jahr 2024, der 14 modifizierbare Faktoren auflistet.
Zu diesen zĂ€hlen unter anderem starkes Ăbergewicht, ein hoher Alkoholkonsum sowie Typ-2-Diabetes. Die Alzheimer Forschung Initiative empfiehlt zur Gegensteuerung regelmĂ€Ăige Bewegung, die Pflege sozialer Kontakte sowie Hör- und Sehtests, die ab einem Alter von 50 Jahren alle ein bis zwei Jahre und ab 60 Jahren jĂ€hrlich erfolgen sollten.
Auch im Rahmen regionaler AufklĂ€rungsarbeit wird dieses Potenzial betont. Eine Demenzberaterin hob in einem Vortrag in der Verbandsgemeinde WeiĂenthurm hervor, dass bis zu 45 Prozent der FĂ€lle durch Anpassungen beeinflussbar seien. Sie stellte hierzu das sogenannte âLEBENâ-Konzept vor, das fĂŒr Lernen, ErnĂ€hrung, Bewegung, Einbindung und ein nachhaltig gesundes Leben steht.
Zudem wies sie auf Hinweise hin, wonach eine GĂŒrtelroseimpfung mit einem verringerten Demenzrisiko einhergehen könnte. Heinz Wiendl vom Uniklinikum Freiburg fasst zentrale Schutzfaktoren wiederum unter dem Begriff der vier âLâ â Laufen, Lernen, Lachen und Lieben â zusammen, ergĂ€nzt um ausreichenden Schlaf sowie die konsequente medizinische Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes.
Bewegung, ErnÀhrung und kognitives Training
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Mehrere Fachveröffentlichungen untermauern diese AnsĂ€tze mit konkreten Daten. Eine im Fachjournal JAMA Neurology erschienene Untersuchung definiert fĂŒnf wesentliche Schutzfaktoren: den Verzicht auf das Rauchen, mindestens 150 Minuten Sport pro Woche (aufgeteilt auf 30 Minuten an fĂŒnf Tagen), einen moderaten Alkoholkonsum von maximal einem GetrĂ€nk pro Tag bei Frauen und zwei bei MĂ€nnern sowie geistige AktivitĂ€t und die Einhaltung der MIND-DiĂ€t.
Das British Journal of Sports Medicine berichtete 2024, dass regelmĂ€Ăige körperliche AktivitĂ€t das Demenzrisiko um bis zu 40 Prozent senken könne. Auf einer Fachtagung der ASN im Jahr 2025 wurde zudem dargelegt, dass sowohl kognitives Training als auch die MIND-DiĂ€t das Risiko um jeweils bis zu 25 Prozent reduzieren können.
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Den Nutzen ausgewogener ErnĂ€hrung belegt zudem eine Studie des Deutschen Zentrums fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in der Fachzeitschrift Nature Communications mit rund 7.500 Teilnehmenden â darunter 6.470 Personen aus der Bonner Rheinland-Studie und 1.034 aus der EPIC-Potsdam-Kohorte.
Demnach verlangsamen zehn untersuchte ErnĂ€hrungsmuster, darunter die mediterrane, die nordische, die DASH- und die MIND-DiĂ€t, das biologische Altern. Ăber 70 Prozent der betroffenen biologischen Signalwege waren den verschiedenen ErnĂ€hrungsformen gemein, wobei der messbare Effekt bei Rauchern am stĂ€rksten ausfiel.
Diagnostik, Genetik und Grenzen neuer Verfahren
Parallel zur Lebensstilforschung entwickeln sich diagnostische und therapeutische Optionen weiter. An der Medizinischen UniversitÀt Graz stellte die Forscherin Marisa Koini fest, dass Neurofilamente mit VerÀnderungen des alternden Gehirns zusammenhÀngen; zudem entwickelte das Team prÀzisere Verfahren zur Bestimmung des Hippocampus-Volumens.
An der Institution stehen mit Lecanemab und Donanemab zudem erstmals Anti-Amyloid-Antikörpertherapien fĂŒr ausgewĂ€hlte Patienten in frĂŒhen Krankheitsstadien bereit.
Hinsichtlich der Ursachen ordnete ĂzgĂŒr Onur von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Neurologie ein, dass nur bei etwa einem Prozent der Alzheimer-Erkrankungen eine autosomal-dominant vererbte Genmutation vorliege. Bei der Frontotemporalen Demenz zeige sich hingegen bei 30 bis 40 Prozent eine familiĂ€re HĂ€ufung und bei 20 bis 30 Prozent eine nachweisbare genetische VerĂ€nderung.
Ăberdies nutzen Forschende der UniversitĂ€t Lausanne KĂŒnstliche Intelligenz, um anhand von Netzhautaufnahmen das biologische Alter mit einer Abweichung von unter drei Jahren zu bestimmen. Das an Daten von ĂŒber 70.000 Personen im Alter von 40 bis 79 Jahren trainierte Modell zeigte, dass eine beschleunigte Netzhautalterung mit Risiken fĂŒr Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen sowie Demenz verknĂŒpft ist. Rauchen stellte sich dabei als stĂ€rkster Treiber heraus.
Andere AnsĂ€tze mahnen indes zur Vorsicht: Eine Untersuchung an 27 Erwachsenen, von denen 14 den Tiefschlaf erreichten, zeigte zwar, dass 50-Millisekunden-Impulse aus sogenanntem Pink Noise die Hirnwellen und die HirnflĂŒssigkeitsbewegung synchronisieren können.
Der Mediziner Christoph Kleinschnitz stellte jedoch klar, dass daraus keineswegs ein Nachweis fĂŒr die Alzheimer-PrĂ€vention oder den Abtransport von Abfallstoffen abgeleitet werden könne. Da keine Erkrankten untersucht wurden, sei eine bloĂe Beschallung ĂŒber Mobiltelefone ohne exaktes EEG-Timing aller Voraussicht nach wirkungslos.
