Demenz, FĂ€lle

Demenz: 45 Prozent der FÀlle wÀren durch PrÀvention vermeidbar

29.05.2026 - 15:39:50 | boerse-global.de

Sachsen-Anhalt verzeichnet bundesweit die meisten DemenzfĂ€lle. Ärztemangel und niedrige Einkommen verschĂ€rfen die Versorgungskrise in der Region.

Demenz: 45 Prozent der FĂ€lle wĂ€ren durch PrĂ€vention vermeidbar - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Demenz: 45 Prozent der FĂ€lle wĂ€ren durch PrĂ€vention vermeidbar - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Rund 55.000 Menschen sind betroffen. Besonders hart trifft es die Altmark: Rechnerisch leidet dort jede 38. Person an einer Demenzerkrankung.

Schon in der Altersgruppe der unter 80-JĂ€hrigen ist jeder Sechste betroffen. Das regionale Gesundheitssystem steht vor enormen Herausforderungen.

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PrÀvention könnte HÀlfte der FÀlle verhindern

Beim Demenz-Forum am Johanniter-Krankenhaus Stendal machte Chefarzt Dr. Werner Hoffnung: Bis zu 45 Prozent der Erkrankungen seien durch gezielte Maßnahmen vermeidbar oder zumindest verzögerbar. Entscheidend sei die frĂŒhzeitige Beeinflussung von Risikofaktoren.

Die Botschaft ist klar: Lebensstil und AufklÀrung können massiv helfen. Doch genau daran hapert es in der Region.

Ärztemangel und leere Kassen verschĂ€rfen die Krise

Die hohen Erkrankungsraten treffen auf strukturelle Probleme. In Zichtau diskutierten Ende Mai BĂŒrger und Politiker ĂŒber den Personalmangel. Allein im Altmarkkreis Salzwedel fehlen 21 HausĂ€rzte, wie Landrat Kanitz berichtete. Er fordert mehr FlexibilitĂ€t bei Fördermitteln, um den lĂ€ndlichen Raum zu stĂ€rken.

Hinzu kommt die finanzielle Schieflage. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am 28. Mai aktuelle Zahlen: Das NettoĂ€quivalenzeinkommen der Über-65-JĂ€hrigen liegt in Sachsen-Anhalt bei 25.090 Euro – deutlich unter dem West-Wert von 29.577 Euro. Diese Kluft erschwert private Vorsorge und Pflegefinanzierung.

Immerhin: Die A14 soll helfen. Ministerin HĂŒskens stellte fĂŒr den 29. Juni die Freigabe des TeilstĂŒcks zwischen LĂŒderitz und Stendal-SĂŒd in Aussicht. Das könnte die Erreichbarkeit medizinischer Zentren verbessern.

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Neue Hoffnung aus der Forschung

Die Wissenschaft liefert parallel neue AnsĂ€tze. Eine Leipziger Studie mit 19.000 Senioren zeigt: Rund 40 Prozent der Über-60-JĂ€hrigen klagen ĂŒber subjektive GedĂ€chtnisverĂ€nderungen. Diese korrelieren mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko. Als Treiber identifizierten die Forscher Bluthochdruck, Diabetes und Depressionen.

Weitere DurchbrĂŒche aus dem FrĂŒhjahr 2026:

Immunsystem im Fokus: Forscher der Uni Heidelberg und des DKFZ fanden heraus, dass sich Killer-T-Zellen gezielt um Amyloid-Plaques sammeln. Sie treiben EntzĂŒndungen im Gehirn voran. Das eröffnet neue Möglichkeiten fĂŒr zeitlich abgestimmte Therapien.

Grippeimpfung als Schutz: US-Daten aus dem April zeigen: Hochdosierte Grippeimpfungen senken das Alzheimer-Risiko bei Senioren stĂ€rker als Standardimpfungen. Der Grund: Sie reduzieren systemische EntzĂŒndungen.

Nasenspray gegen EntzĂŒndungen: Forscher der Texas A&M University berichteten im April ĂŒber Erfolge mit einem Spray aus Stammzell-Vesikeln. Es reduzierte GehirnentzĂŒndungen bei MĂ€usen ĂŒber Monate. Klinische Studien am Menschen lassen aber noch Jahre auf sich warten.

Die gesellschaftliche Kostenexplosion

Die Demenz belastet nicht nur Betroffene, sondern die gesamte Gesellschaft. Eine Studie der Erasmus-UniversitĂ€t schĂ€tzt die Gesamtkosten fĂŒr die Niederlande im Jahr 2025 auf 31,8 Milliarden Euro. Ein Großteil entfĂ€llt auf die informelle Pflege durch Angehörige.

In Deutschland rĂŒckt zudem eine bislang ĂŒbersehene Gruppe in den Fokus: Rund 100.000 Menschen unter 65 Jahren sind hierzulande betroffen. Fachstiftungen fordern eine schnellere Diagnostik. Denn bis zur Feststellung der Erkrankung vergehen oft Jahre – wertvolle Zeit fĂŒr eine frĂŒhzeitige Behandlung.

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