Demenz: 45 Prozent des Risikos sind laut ChefÀrztin beeinflussbar
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wenn kognitive FĂ€higkeiten nachlassen, stöĂt die gewohnte sprachliche VerstĂ€ndigung rasch an Grenzen. Aktuelle Ratgeber thematisieren daher verstĂ€rkt Methoden, um trotz sprachlicher HĂŒrden eine tragfĂ€hige Verbindung zu Menschen mit Demenz aufzubauen und sie im Alltag emotional zu erreichen.
Angesichts einer Zahl von 1,8 Millionen Demenzbetroffenen und einer prognostizierten Zunahme auf 2,6 Millionen bis zum Jahr 2050 gewinnt die frĂŒhzeitige Auseinandersetzung mit der Erkrankung sowie ein empathischer Umgang an gesellschaftlicher Dringlichkeit.
SensibilitÀt im Umgang und der Einfluss von Kommunikation
Erfahrungen mit einem Demenzsimulator verdeutlichen, wie stark Zeitdruck und Ungeduld die Betroffenen verunsichern können. FĂŒr Pflegende und Angehörige kommt es darauf an, VerstĂ€ndnis fĂŒr das verĂ€nderte Erleben zu entwickeln und ReizĂŒberflutung zu vermeiden.
Dass die Art der Kommunikation den Verlauf von Behandlungen messbar beeinflusst, zeigt sich auch im medizinischen Kontext. Wortwahl und Tonfall von Ărzten prĂ€gen maĂgeblich, wie Patienten Therapien annehmen.
Formulierungen können beispielsweise Noceboeffekte auslösen: Der Hinweis, dass 10 Prozent der Patienten Nebenwirkungen haben, weckt ungĂŒnstigere Erwartungen als die Aussage, dass 9 von 10 Patienten das PrĂ€parat gut vertragen. Ein Experiment belegte zudem, dass das Schmerzmittel Remifentanil deutlich stĂ€rker wirkte, wenn die Teilnehmenden positiv ĂŒber die Gabe informiert waren.
Negative Erwartungen lieĂen die Wirkung laut dem Team um Benson in der Fachpublikation «Pflegezeitschrift» fast vollstĂ€ndig verschwinden. Eine unzureichende Kommunikation gefĂ€hrdet demnach die Therapietreue und kann AbbrĂŒche begĂŒnstigen.
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Niedrigschwellige Hilfen im Versorgungsalltag
Um Menschen mit Demenz in Ausnahmesituationen wie einem Klinikaufenthalt besser zu begleiten, erproben Versorgungseinrichtungen gezielte Signale und Umfeldanpassungen. Das Agaplesion Evangelische Krankenhaus GieĂen testet seit einigen Monaten gelbe ArmbĂ€nder, die dem Personal signalisieren, dass ein Patient besondere UnterstĂŒtzung benötigt.
Das Tragen erfolgt ausschlieĂlich mit Zustimmung der Betroffenen oder ihrer Angehörigen; die bisherigen Erfahrungen in der Testphase verliefen positiv. Flankiert wird dieser Ansatz durch MaĂnahmen wie Rooming-in, visuelle Piktogramme zur Orientierung, eine stationsnahe Unterbringung sowie Fingerfood.
Auch in stationĂ€ren Pflegeeinrichtungen rĂŒckt eine bedĂŒrfnisorientierte Betreuung in den Vordergrund. Beim zweiten âTag der Demenzâ im Landespflegezentrum Bad Radkersburg wurden jĂŒngst QualitĂ€tszertifikate vergeben: Die MAS Akademie zeichnete die Einrichtung fĂŒr Demenz-Kompetenz und personenzentrierte Pflege aus, wĂ€hrend Styria Vitalis ein GĂŒtesiegel fĂŒr MobilitĂ€tsförderung verlieh. Begleitende FachvortrĂ€ge widmeten sich den medizinischen HintergrĂŒnden sowie der spirituellen Begleitung.
Da Vergesslichkeit oft verunsichert, suchen viele Betroffene und Angehörige nach einer schnellen, ersten EinschĂ€tzung der Situation. Ein anonymer Selbsttest mit sieben gezielten Fragen kann dabei helfen, frĂŒhe Warnsignale besser einzuordnen und rechtzeitig Klarheit zu gewinnen. Kostenlosen 2-Minuten-Demenz-Test hier starten
PrÀvention und differenzierte Diagnostik
Neben der Kommunikation gewinnt die AufklĂ€rung ĂŒber Vorbeugung an Gewicht. Auf der Gesundheitsmesse in Plettenberg am 10. Oktober 2026 betonte Elke Koling, ChefĂ€rztin der LWL-Tagesklinik, dass 45 Prozent des Demenzrisikos beeinflussbar seien. Zu den PrĂ€ventionsfaktoren zĂ€hlte sie ausreichende Bewegung, ErnĂ€hrung, Schlaf, körperliche Fitness, geistiges Lernen und soziale Kontakte.
Als wesentliche Risikofaktoren gelten Ăbergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. Zugleich hob Koling hervor, dass Vergesslichkeit allein noch keinen Beleg fĂŒr eine Demenzerkrankung darstelle, weshalb eine sorgfĂ€ltige AbklĂ€rung unerlĂ€sslich bleibe.
