Demenz-Früherkennung, Diagnose

Demenz-Früherkennung: 60 Prozent leben ohne gesicherte Diagnose

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 07:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vor-Ort-Tests können Auffälligkeiten sichtbar machen; Prävention setzt auch bei beeinflussbaren Risiken und regelmäßigen Kontrollen an.
Ein heller, minimalistischer Gemeinschaftsraum mit einem runden Tisch und zwei leeren Stühlen vor einem Fenster ins Grüne. Illustration mit AI erstellt.

Niedrigschwellige Angebote zur Demenz-Früherkennung gewinnen zunehmend an Bedeutung, um kognitive Beeinträchtigungen bei älteren Menschen rechtzeitig zu erfassen.

Wie ein Screeningtag des Digitalen Demenzregisters Bayern (Digidem) und der Nachbarschaftshilfe im bayerischen Oberottmarshausen zeigte, stoßen kostenlose Angebote vor Ort auf reges Interesse: Rund 35 Teilnehmende ab 65 Jahren nutzten die Gelegenheit für einen etwa 20-minütigen Kurztest.

Derartige Tests stellen zwar keine medizinische Diagnose dar, liefern jedoch bei Auffälligkeiten den Anlass für eine Überweisung an Hausärzte oder Neurologen.

Hohe Dunkelziffer bei Demenzerkrankungen

Die Notwendigkeit solcher Screenings wird durch epidemiologische Daten unterstrichen. Laut Digidem Bayern leben im Freistaat schätzungsweise 277.000 Menschen mit Demenz. Bis zum Jahr 2030 wird ein Anstieg auf rund 300.000 Betroffene erwartet. Gleichzeitig verdeutlicht eine deutsche Studie das Ausmaß bestehender Diagnoseengpässe: Rund 60 Prozent der Menschen mit Demenz leben hierzulande ohne eine gesicherte Diagnose.

Dabei eröffnen Früherkennung und Risikominimierung erhebliche Handlungsspielräume. Wissenschaftlichen Einschätzungen zufolge könnten bis zu 40 Prozent der Demenzfälle durch eine Reduzierung beeinflussbarer Risikofaktoren verhindert oder zeitlich hinausgezögert werden.

Anzeige

Wer sich mit der Früherkennung kognitiver Einschränkungen befasst, kann bereits mit einfachen Fragen erste Warnsignale prüfen. Dieser anonyme 7-Fragen-Selbsttest bietet in zwei Minuten eine erste Einschätzung und hilft, Gewissheit über die eigene geistige Fitness zu erlangen. Kostenlosen Demenz-Selbsttest jetzt durchführen

Beeinflussbare Risikofaktoren im Fokus

Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) beziffert den weltweiten Anteil an Demenzerkrankungen, die auf veränderbare Risikofaktoren zurückgehen, auf 45 Prozent. Der Kommissionsbericht des Fachjournals The Lancet aus dem Jahr 2024 führt insgesamt 14 dieser Faktoren an, darunter Übergewicht, hoher Alkoholkonsum sowie Typ-2-Diabetes.

Um kognitiven Einschränkungen vorzubeugen, nennt die AFI drei wesentliche Strategien:
* Soziale Kontakte: Soziale Isolation gilt als Risikofaktor und sollte aktiv vermieden werden.
* Sinnesorgane: Seh- und Hörprobleme bedürfen einer frühzeitigen Behandlung.

Fachleute raten zu regelmäßigen Kontrollen – ab einem Alter von 50 Jahren alle ein bis zwei Jahre für das Gehör sowie jährlich ab 60 Jahren für die Augen.
* Körperliche Aktivität: Laut AFI-Expertin Anne Pfitzer-Bilsing schützt Bewegung das Gehirn vermutlich über mehrere Mechanismen gleichzeitig, darunter positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel, die Stimmung und die körperliche Leistungsfähigkeit.

Anzeige

Neben der Kontrolle der Sinnesorgane ist gezieltes Mentaltraining ein wichtiger Baustein, um die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter proaktiv zu unterstützen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt mit 11 praktischen Alltagsübungen, wie man das Gedächtnis stärkt und Demenz gezielt vorbeugen kann. Gratis-Ratgeber für geistige Fitness anfordern

Diagnoseverfahren und differenzierte Abklärung

Screenings fungieren als erste Schwelle innerhalb eines mehrstufigen Prozesses. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP) haben ihre S2e-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen unter Federführung von Angelika Thöne-Otto aus Leipzig komplett überarbeitet.

Neben der Alzheimer-Krankheit erfordert die klinische Praxis eine sorgfältige Differenzialdiagnose anderer Demenzformen. Lars Wojtecki und Celine Cont weisen in ihrer Fachpublikation darauf hin, dass die Lewy-Körperchen-Demenz nach Alzheimer und vaskulärer Demenz die dritthäufigste Form darstellt und etwa 10 bis 25 Prozent aller Demenzfälle ausmacht. Betroffen sind meist Personen über 60 Jahren, wobei Männer ein höheres Risiko aufweisen.

Eine absolut sichere Diagnose dieser Erkrankung ist nach Angaben medizinischer Handbücher erst nach dem Tod durch den Nachweis von Lewy-Körperchen per Autopsie möglich.

Zu Lebzeiten stützt sich die Diagnostik auf Ausschlussverfahren und charakteristische Symptome wie Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit, Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen, visuelle Halluzinationen sowie Schlaf- und vegetative Störungen.

Zum Einsatz kommen neben neurologischen Untersuchungen kognitive Kurztests von etwa 10 Minuten Dauer oder mehrstündige neuropsychologische Tests sowie bildgebende Verfahren.

Demenz-Screenings vor Ort stellen in diesem Kontext ein wesentliches Instrument dar, um Betroffenen den Weg in die reguläre medizinische Versorgung zu ebnen und präventive Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70437690 |