Demenz, Alltag

Demenz im Alltag erkennen: 30 Sensoren testen Pflegeunterstützung in Gotha

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sprachanalyse und vernetzte Sensoren zeigen Potenzial, doch zuverlässige Früherkennung und Notfallortung sind noch nicht belegt.

Demenz-Früherkennung: KI, Sensoren und mobile Ortung im Test
Ein helles, minimalistisch eingerichtetes Wohnzimmer mit bodentiefen Fenstern und sanftem Tageslicht, das eine ruhige Atmosphäre ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte untersuchen den Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Sprachanalyse sowie moderner Sensortechnik in Wohnräumen, um frühe Anzeichen von Demenz bei Senioren zu identifizieren. Ziel der wissenschaftlichen und technischen Vorhaben ist es, Veränderungen im Alltag oder in kognitiven Fähigkeiten frühzeitig zu erfassen und Betroffene sowie Pflegekräfte im Alltag besser zu unterstützen.

Sprachmerkmale als Indikator für kognitiven Abbau

Ein Ansatz zur Erkennung alters- und krankheitsbedingter Veränderungen stützt sich auf akustische und linguistische Merkmale. Eine internationale Forschungsgruppe entwickelte eine auf künstlicher Intelligenz basierende Sprach-Uhr, die das Alter von Personen anhand bestimmter Eigenheiten der Sprache schätzt.

In einer Untersuchung mit knapp 3.000 Teilnehmenden stufte das System Personen mit Hirnerkrankungen wie Alzheimer sprachlich im Durchschnitt älter ein als gesunde Probanden. Nach Angaben der beteiligten Forscher handelt es sich bei dem Verfahren derzeit jedoch noch nicht um einen einsatzbereiten Früherkennungstest. Um verlässliche Aussagen über einzelne Personen treffen zu können, seien zunächst weiterführende Längsschnittstudien erforderlich.

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Sensortechnik im häuslichen Alltag

Parallel zu sprachanalytischen Ansätzen rückt die sensorische Erfassung von Verhaltensmustern in den eigenen vier Wänden in den Mittelpunkt. In Gotha wurde eine Seniorenwohnung zu Testzwecken mit 30 Sensoren ausgestattet, die unter anderem in der Küche sowie im Schlafzimmer angebracht sind. Dabei sind Haushaltsgeräte wie die Waschmaschine und ein Toaster direkt an das System angebunden. Ziel des Projekts ist es, alltägliche Abläufe zu begleiten und die Pflege praxisnah zu unterstützen.

Einen ähnlichen Weg verfolgen die Nottingham Trent University und das Unternehmen Integrated System Technologies. Sie entwickelten einen Prototyp, der Radartechnik, Wärmesensoren und smarte Steckdosen kombiniert, um alltägliche Aktivitäten und potenzielle Notfälle zu erkennen.

In Tests, die in sechs Raumlayouts einer simulierten Wohnung stattfanden, zeigte die Zusammenführung der unterschiedlichen Sensorarten eine verbesserte Erkennung der Aktivitäten im Vergleich zu Einzelsensoren; konkrete Genauigkeitswerte wurden dabei nicht genannt.

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Die entsprechende Studie erschien im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift Sensors. Bislang fehlen noch Langzeitprüfungen in tatsächlichen Wohnungen älterer Menschen sowie ein praktischer Nachweis für eine zuverlässige Notfallerkennung. Als übergeordnetes Ziel gilt ein längeres selbstständiges Wohnen im Alter.

Lokalisierung und Sturzerkennung bei Hinlauftendenz

Ergänzend zu fest verbauten Systemen entstehen mobile Lösungen für spezifische Krankheitsfolgen. Das Start-up nearby, das zuvor unter dem Namen Clever Sole firmierte, entwickelt eine unauffällige Einlegesohle für Menschen mit Demenz, die unter einer Hinlauftendenz leiden.

In laufenden Tests erfassen Funkpunkte innerhalb von Pflegeeinrichtungen den jeweiligen Aufenthaltsbereich der Träger. Verlässt eine Person einen festgelegten Bereich, erhalten Pflege- oder Betreuungspersonen eine Meldung über eine mobile Applikation. Außerhalb geschlossener Gebäude ist das System derzeit noch nicht in der Lage, Standorte zu bestimmen.

Entsprechende Freilandtests sind für die kommenden Monate vorgesehen, woran sich künftig auch eine Funktion zur Sturzerkennung anschließen soll. Eine zweite Pilotphase ist ab Mitte oder Ende November 2026 geplant. Hierfür sucht das Unternehmen derzeit nach Pflegeeinrichtungen, Tagespflegen sowie privaten Familien als Testpartner.

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