Demenz, Deutschland

Demenz in Deutschland: Bis 2050 könnten 2,6 Millionen Menschen betroffen sein

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Dokumentarfilme und praktische Vorsorgeansätze rücken Würde, persönliche Wünsche und Lebensqualität von Menschen mit Demenz in den Fokus.

Zwei Schweizer Filme zeigen Demenz und selbstbestimmtes Leben
Ein sonnendurchfluteter Raum mit Blick auf eine Schweizer Berglandschaft, ein Holztisch mit einer leeren Blumenvase und einem einzelnen Blatt. Illustration mit AI erstellt.

Zwei Schweizer Dokumentarfilme stellen die gelebte Realität von Betroffenen in den Mittelpunkt und plädieren für ein selbstbestimmtes Leben trotz Demenzerkrankung. Anhand persönlicher Lebenswege beleuchten die filmischen Arbeiten, wie ein würdevoller Umgang mit der Diagnose gelingen kann, wie Medienberichte aufzeigen.

Persönliche Schicksale im filmischen Fokus

In der Regiearbeit «Wenn die Erinnerung verblasst» von Marianne Pletscher und Martina Rieder wird Birgitta Martensson über einen Zeitraum von drei Jahren begleitet. Martensson leitete zuvor 15 Jahre lang die Organisation Alzheimer Schweiz und erhielt ihre eigene Diagnose kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand.

Bei Abschluss der Dreharbeiten war sie 76 Jahre alt; ihre Erkrankung zeigte über die vergangenen neun Jahre einen langsamen Verlauf. Martensson verfolgt das Ziel, über ihr Lebensende selbst zu bestimmen, und beabsichtigt eine Anmeldung bei der Sterbebegleitorganisation Exit.

Einen anderen methodischen Ansatz wählt Regisseur Kaspar Kasic mit dem Film «Das unendliche Jetzt». Das Projekt zeigt sechs Erkrankte im Rahmen eines Improvisationstheaters. Zu den Mitwirkenden zählen Christiane Meier aus der Modebranche, der Backgammon- und Jassen-Profi Martin Bigler sowie der ehemalige Deutschlehrer Christian Sonderegger.

Ebenfalls beteiligt sind Juri Elmer, der als professioneller Schauspieler tätig war, Klara Rensing sowie Tatjana Bollhalder, eine frühere Mitarbeiterin der Stadtverwaltung St. Gallen, die ihre Diagnose Frühdemenz im Jahr 2024 erhielt.

Demenz als gesellschaftliche und medizinische Herausforderung

Die Thematik gewinnt angesichts demografischer Entwicklungen an Bedeutung. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland rund 1,78 Millionen Menschen mit Demenz. Bis zum Jahr 2050 sei ein Anstieg auf bis zu 2,6 Millionen Betroffene möglich.

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Am Pfalzklinikum Klingenmünster wird darauf verwiesen, dass die Alzheimer-Krankheit 60 bis 65 Prozent der Fälle ausmache, während daneben vaskuläre Formen sowie die Lewy-Körper-Demenz auftreten, im höheren Alter häufig auch als Mischformen. Pflegedienstleitung Rita Becker-Scharwatz betont, dass Demenz keine normale Folge des Älterwerdens darstelle.

Fachleute unterstreichen, dass die Diagnose das soziale Umfeld und die eigene Identität nicht schlagartig auslöscht. Christina Kuhn von der Demenz Support GmbH Stuttgart hebt hervor, eine Diagnose bedeute zwar einen Einschnitt, markiere jedoch keinen Schlusspunkt. Zudem betreffe Demenz nicht nur hochbetagte Menschen, sondern greife mitten in das Berufs- und Familienleben ein, wie Heike Dierbach vom Landkreis Ludwigsburg anmerkt.

Würde und emotionale Vorsorge

Ein zentrales Thema bleibt der Erhalt der individuellen Persönlichkeit. Heinz Stieb von den Häusern zum Leben erinnert daran, dass Erkrankte weiterhin Wünsche, Bedürfnisse und ihren Charakter behalten. Sabine Steinböck vom Betreuungszentrum Rosenberg unterstreicht ebenfalls, dass Menschen mit Demenz ein Anrecht auf Würde, Selbstbestimmung und Lebensqualität besitzen.

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Zur Bewältigung der Herausforderungen entstehen auch praktische Ansätze. Samira Keshani entwickelte aus ihrer Masterarbeit der Jahre 2019 und 2020 das sogenannte if-Vorsorgebuch.

Dieses Instrument der emotionalen Vorsorge soll persönliche Präferenzen wie Lieblingsmusik, alltägliche Routinen und Essensgewohnheiten für eine spätere Pflegesituation festhalten. Es richtet sich ohne Mindestalter an Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegepersonal gleichermaßen.

Sybille Wetzel, Bestatterin und DeMens-Trainerin, fordert zudem, erkrankte Angehörige aktiv in Bestattungen einzubeziehen, während kommunale Initiativen wie Workshops im bayerischen Pocking auf Aufklärung über Risikofaktoren und Vorbeugung setzen.

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