Demenzdiagnose: Mehr als 800 Befragte zeigen, dass die IdentitÀt bleibt
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 15:03 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Demenzdiagnose markiert einen tiefen Einschnitt im Leben der Betroffenen und ihres Umfelds. Dennoch fĂŒhrt der Krankheitsverlauf keineswegs dazu, dass die persönliche IdentitĂ€t verloren geht.
Eine Untersuchung unter mehr als 800 EuropĂ€ern mit Demenz sowie deren Pflegenden verdeutlicht, dass die Diagnose zwar den Alltag grundlegend verĂ€ndert, die Persönlichkeit der Betroffenen jedoch bestehen bleibt. FĂŒr die Betreuung und das gesellschaftliche Miteinander ergibt sich daraus die Notwendigkeit, stets den Menschen hinter der Erkrankung wahrzunehmen und Stigmatisierungen abzubauen.
IdentitÀt bleibt trotz tiefgreifender VerÀnderungen im Alltag bestehen
Die Ergebnisse der europĂ€ischen Erhebung zeigen, dass Demenzerkrankte nach Erhalt des Befunds vor massiven Herausforderungen stehen, ihr Wesen und ihr SelbstwertgefĂŒhl dadurch jedoch nicht ausgelöscht werden. Angehörige und FachkrĂ€fte stehen vor der Aufgabe, den Betroffenen weiterhin auf Augenhöhe zu begegnen.
In Fachkreisen wird betont, dass Verwirrung im Rahmen einer demenziellen Entwicklung kein Defekt an sich sei, sondern vielmehr als ein Hilferuf verstanden werden mĂŒsse. So hob Michael Lazansky, Leiter der Gerontopsychiatrie am Haus der Barmherzigkeit in Wien-Ottakring, im Rahmen einer Fachdiskussion hervor, dass eine rein medikamentöse Behandlung unzureichend bleibe und stattdessen ein umfassender Multikomponenten-Ansatz erforderlich sei.
HĂŒrden bei der FrĂŒherkennung und die Rolle offener Kommunikation
Trotz der Relevanz einer zeitnahen AbklĂ€rung zögern viele Menschen, kognitive EinschrĂ€nkungen Ă€rztlich untersuchen zu lassen. Nach EinschĂ€tzung der Yale-Expertin Miia Kivipelto fĂ€llt es Patientinnen und Patienten hĂ€ufig deutlich leichter, ĂŒber körperliche Beschwerden wie RĂŒcken- oder Kopfschmerzen zu sprechen als ĂŒber nachlassende GedĂ€chtnisleistungen.
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Dieses Vermeidungsverhalten fĂŒhre laut Kivipelto oft zu einer verzögerten Diagnosestellung. UrsĂ€chlich hierfĂŒr seien vor allem die Angst vor der Wahrheit sowie die verbreitete, aber fehlerhafte Annahme, dass GedĂ€chtnisverlust ein normaler Bestandteil des Alterns sei.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, fordert die Expertin eine intensivere AufklĂ€rung der Ăffentlichkeit, eine sensible GesprĂ€chsfĂŒhrung seitens des medizinischen Personals sowie einen offenen, tabufreien Dialog innerhalb der Familien.
ZusĂ€tzliche HĂŒrden zeigen sich in der Praxis auch durch Fehldiagnosen, wie regionale Erfahrungsberichte verdeutlichen. Bis zur Einstufung in entsprechende Pflegegrade vergehen mitunter Jahre, in denen pflegende Angehörige die Betreuung oft unter hoher persönlicher Belastung allein bewĂ€ltigen mĂŒssen.
Versorgungslage und ganzheitliche AnsÀtze jenseits von Medikamenten
Die Notwendigkeit verbesserter Rahmenbedingungen spiegelt sich auch auf Fachtagungen wider. Auf dem 13. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, der unter dem Motto der gemeinsamen Zukunftsgestaltung stand, wies der Pflegewissenschaftler Andreas BĂŒscher darauf hin, dass aktuell 86 Prozent aller PflegebedĂŒrftigen zu Hause versorgt werden.
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BĂŒscher mahnte eine bessere Vernetzung zwischen professioneller UnterstĂŒtzung und familiĂ€rer Pflege sowie eine stĂ€rkere Verzahnung mit der Ă€rztlichen Versorgung an.
Gleichzeitig wies der Vorsitzende der Organisation, Swen Staack, darauf hin, dass UnterstĂŒtzungsangebote zu selten den Weg in die Regelversorgung fĂ€nden und die Grundversorgung in immer mehr Regionen unzureichend gewĂ€hrleistet sei.
Weltweit gewinnen demenzielle Erkrankungen an Tragweite: Laut dem österreichischen Demenzbericht 2025 leben in Ăsterreich rund 170.000 Betroffene, von denen zwei Drittel Frauen sind.
Bis zum Jahr 2050 wird dort ein Anstieg auf etwa 290.000 Menschen prognostiziert, wÀhrend weltweit innerhalb von 25 Jahren eine Zunahme von 55 auf 139 Millionen FÀlle erwartet wird.
Obwohl medikamentöse Therapien mit Wirkstoffen wie Lecanemab und Donanemab das Fortschreiten im FrĂŒhstadium um etwa 30 Prozent verlangsamen können, bieten sie keine Heilung. Die Forschung verweist daher verstĂ€rkt auf 14 modifizierbare Risikofaktoren und die frĂŒhzeitige Einbindung des sozialen Umfelds, um die LebensqualitĂ€t und Autonomie der Erkrankten bestmöglich zu sichern.
