Demenzdiagnostik, Blutmarker

Demenzdiagnostik: Blutmarker p-tau217 erreicht bei Lewy-Demenz nur 69 Prozent

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 09:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bluttests grenzen die Erkrankung nur bedingt ab; bestimmte Antipsychotika können Beschwerden verschÀrfen, zugelassene Heiltherapien fehlen.
Ein glÀserner ObjekttrÀger auf einer dunklen HolzoberflÀche in einem medizinischen Forschungslabor. Illustration mit AI erstellt.

Die sichere Diagnose einer Lewy-Körperchen-Demenz ist nach EinschĂ€tzung von Fachmedizinern und wissenschaftlichen Artikeln zu Lebzeiten der Betroffenen hĂ€ufig nicht zweifelsfrei zu stellen. Ein lĂŒckenloser Nachweis gelingt oft erst postmortal im Rahmen einer Autopsie, bei der die charakteristischen Lewy-Körperchen in und unter der Großhirnrinde nachgewiesen werden.

Auch Neurologie-Professor Keith Vossel von der UCLA verweist darauf, dass eine endgĂŒltige Absicherung sowohl bei dieser Erkrankung als auch bei Alzheimer erst nach dem Tod per Autopsie erfolgen kann. Fachautoren um Haider, Spurling und SĂĄnchez-Manso hielten bereits in einem StatPearls-Fachartikel aus dem Jahr 2023 fest, dass das Krankheitsbild in der klinischen Praxis als unterdiagnostiziert gilt.

Hinsichtlich der HĂ€ufigkeit variieren die SchĂ€tzungen: Laut dem im Thieme Verlag erschienenen Buch „Demenz“ von Wojtecki und Cont handelt es sich nach Alzheimer und der vaskulĂ€ren Demenz um die dritthĂ€ufigste Form, die etwa 10 bis 25 Prozent aller DemenzfĂ€lle ausmacht.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft beziffert den Anteil hingegen auf rund 5 Prozent aller Demenzkranken. Nach Angaben des Neurologen Mimoun Azizi leben in Deutschland etwa 100.000 Betroffene. Die Erkrankung betrifft ĂŒberwiegend MĂ€nner und tritt meist ab dem 60. beziehungsweise 65. Lebensjahr auf.

Diagnostische HĂŒrden und Differenzierung im Labor

Die klinische Erkennung beruht bislang primĂ€r auf Ausschlussverfahren und Symptomkonstellationen. Wie die Mayo Clinic darlegt, stĂŒtzt sich die Diagnostik auf neurologische Untersuchungen, etwa zehnminĂŒtige kognitive Tests oder ein- bis dreistĂŒndige neuropsychologische Testungen sowie Blutuntersuchungen, CT oder MRT.

Bei Bedarf kommen PET- oder SPECT-Scans, Schlafanalysen, vegetative Funktionstests und Myokardszintigrafien hinzu. Anelyssa D'Abreu von Corewell Health unterstreicht ebenfalls die Rolle von Screening-Tests und Biomarkern bei der frĂŒhen AbklĂ€rung.

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Neue labormedizinische Verfahren zeigen bei der Abgrenzung Grenzen auf. Eine im Fachjournal Alzheimer's Research & Therapy veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit von Chai et al. aus dem Jahr 2026 analysierte Daten von ĂŒber 6.100 Teilnehmenden aus 33 internationalen Studien.

WÀhrend der Biomarker Plasma-p-tau217 bei der Abgrenzung zur frontotemporalen Demenz eine SpezifitÀt von 91 Prozent erreichte (bei einer SensitivitÀt von 93 Prozent und einem AUC-Wert von 0,95), sank die SpezifitÀt bei der Abgrenzung zur Lewy-Körperchen-Demenz auf 69 Prozent.

Als Ursache fĂŒhrten die Forscher an, dass 30 bis 50 Prozent dieser Patienten eine gemischte Pathologie aufweisen. Die Blutanalysen erfolgten dabei aus EDTA-Plasma; standardisierte Protokolle mit festen Schwellenwerten stehen laut den Autoren noch aus.

Symptomkomplex und Risiken bei der Behandlung

UrsĂ€chlich fĂŒr die Erkrankung sind Eiweißablagerungen aus Alpha-Synuklein, wĂ€hrend bei Alzheimer Amyloid- und Tau-Ablagerungen im Vordergrund stehen. Zu den FrĂŒhzeichen zĂ€hlen laut Azizi REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, Geruchsverlust, Verstopfung, Schwindel und depressive Symptome.

Im weiteren Verlauf treten ausgeprÀgte Aufmerksamkeitsschwankungen auf. Nach Angaben der Alzheimer Forschung Initiative leiden zudem etwa 80 Prozent der Betroffenen an optischen Halluzinationen.

Weder fĂŒr die ursĂ€chliche Beseitigung der Alpha-Synuklein-Ablagerungen noch fĂŒr eine Heilung der Erkrankung existieren zugelassene Therapien, wie das UniversitĂ€tsklinikum Freiburg und Fachleute der SMH Memory Disorder Clinic betonen.

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Besondere Vorsicht erfordert die medikamentöse Behandlung: Laut der Lewy Body Dementia Association fĂŒhren herkömmliche Antipsychotika bei bis zu 50 Prozent der Patienten zu Verwirrtheit, Benommenheit und teils irreversiblen Parkinson-Symptomen; das MSD Manual verweist darauf, dass diese Mittel Halluzinationen eher verschlimmern.

Zur Linderung der Symptome verweist die Deutsche Alzheimer Gesellschaft auf Cholinesterasehemmer wie Rivastigmin und Donepezil. Allgemeine Behandlungsempfehlungen nennen bei therapieresistenten psychotischen Symptomen eine eng ĂŒberwachte, niedrig dosierte Gabe von Quetiapin oder Clozapin sowie niedrig bis mittel dosiertes L-Dopa gegen motorische Defizite.

Die Lebenserwartung nach Beginn der ersten Symptome liegt laut MSD Manual bei 6 bis 12 Jahren, wÀhrend Fachquellen die Zeit nach der Diagnosestellung auf durchschnittlich 6 bis 8 beziehungsweise 7 bis 8 Jahre beziffern.

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