Demenzpflege, Radarsystem

Demenzpflege: Radarsystem erkennt KrankheitsverlĂ€ufe frĂŒh

11.06.2026 - 04:23:27 | boerse-global.de

Ein Pilotprojekt in Chemnitz erprobt kontaktlose Radarsysteme zur FrĂŒherkennung von DemenzverlĂ€ufen und Entlastung des Pflegepersonals.

KI und Radar: Neue Techniken in der Demenzpflege im Test
Demenzpflege - Eine Ă€ltere Hand ruht auf einem Tisch, daneben ein Tablet mit abstrakten Datenvisualisierungen und ein dezentes SensorgerĂ€t an der Wand. 11.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

000 Neudiagnosen hinzu. Prognosen zufolge könnte sich die Zahl der Betroffenen bis 2050 verdoppeln. Angesichts dieser Entwicklung rĂŒcken technische Assistenzsysteme immer stĂ€rker in den Fokus von Pflegeeinrichtungen, Forschung und Politik.

Radar statt Nachtschicht: Pilotprojekt in Chemnitz

Im DRK-Pflegeheim Hutholz in Chemnitz lÀuft seit Juni 2026 ein Pilotprojekt mit zehn Bewohnern. Ein Radarsystem des israelischen Herstellers Neteera misst kontaktlos Puls, Atmung und Bewegungen. Prof. Tom Schaal von der WestsÀchsischen Hochschule Zwickau leitet die Studie.

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Die Daten werden in einer EU-Cloud verarbeitet. Ziel ist die FrĂŒherkennung von KrankheitsverlĂ€ufen – und weniger nĂ€chtliche KontrollgĂ€nge oder belastende Kliniktransporte. Das System ergĂ€nzt bestehende AnsĂ€tze wie SturzprĂ€vention und UnterstĂŒtzung bei AlltagsaktivitĂ€ten.

Hilfe oder Kontrolle? Die ethische Gratwanderung

Der Einsatz von KI in der Demenzpflege wirft grundlegende Fragen auf. Experten wie Eike Buhr und Mark Schweda betonen in FachbeitrĂ€gen vom Juni 2026: Technische Systeme können Sorgebeziehungen unterstĂŒtzen – oder untergraben.

Ein zentrales Bewertungsinstrument ist das Senses-Framework. Es umfasst sechs Dimensionen: Sicherheit, KontinuitÀt, Zugehörigkeit, Sinnhaftigkeit, Erfolg und Bedeutsamkeit.

Besonders kontrovers wird der Einsatz sozialer Robotik diskutiert. Roboter-Robbe Paro oder Roboter-Hund Aibo sollen therapeutisch wirken. Doch wo liegt die Grenze zwischen Nutzen und TĂ€uschung? Die Akzeptanz hĂ€ngt laut Fachleuten maßgeblich davon ab, ob die Technologie als Entlastung wahrgenommen wird – oder ein GefĂŒhl der Überwachung erzeugt.

Hilfe zur Selbsthilfe: Portale und Schulungen

Das Berliner Landeskompetenzzentrum Pflege 4.0 bietet mit dem „Technik-Finder“ ein unabhĂ€ngiges Portal an. Es strukturiert Pflegesituationen und ordnet passende digitale Produkte zu. Auch regionale Fachstellen in Niederbayern stellen umfangreiche Mediatheken bereit – mit Studien wie dem DAK Pflegereport 2025 oder der Bayerischen Demenzstrategie.

Parallel dazu laufen zahlreiche Informationsangebote fĂŒr Angehörige und Fachpersonal:

  • Im EVK Bergisch Gladbach finden im Juni Informationswochen statt, inklusive einer Musterwohnung der AOK fĂŒr Demenzkranke.
  • Die Alzheimer Gesellschaft Augsburg startet Mitte Juni eine kostenfreie Schulungsreihe zu rechtlichen, finanziellen und pflegerischen Grundlagen.
  • In Bozen wurden bei einer Fachtagung aktuelle Lösungen zur Sturzerkennung und KI-Anwendungen im Alltag von Senioren diskutiert.

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Digitale Teilhabe im Alter: Forschung macht Tempo

Die Hochschule Worms hat ein Projekt zur digitalen Teilhabe in der Nacherwerbsphase gestartet. Mittels Citizen-Science-Ansatz sollen die digitalen Kompetenzen Älterer gestĂ€rkt werden. Bereits im September 2025 wurden Einrichtungen wie MARIENBORN und die Stiftung Carl Kreuser jr. als „digitalPIONEER“ fĂŒr ihre Digitalisierungsstrategien ausgezeichnet.

Experten betonen jedoch: Technik allein reicht nicht. PrÀventive Faktoren wie gesunde ErnÀhrung, soziale AktivitÀt und die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Schwerhörigkeit bleiben essenziell, um das Risiko eines kognitiven Abbaus zu reduzieren.

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