Demenzprävention: 14 Risikofaktoren könnten fast 45 Prozent der Fälle verhindern
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 02:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie weltweite Belastung durch neurodegenerative Erkrankungen nimmt stetig zu. Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verdeutlichen das Ausmaß: Im Jahr 2021 lebten weltweit 57 Millionen Menschen mit einer Demenz. Über 60 Prozent der Betroffenen entfallen dabei auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Jährlich kommen fast 10 Millionen Neuerkrankungen hinzu. Zudem gehört Demenz mittlerweile zu den fünf häufigsten Todesursachen weltweit; die Zahl der darauf zurückzuführenden Todesfälle hat sich innerhalb von zwei Jahrzehnten verdreifacht.
Enorme wirtschaftliche Kosten und Belastungen in der Pflege
Die ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Erkrankung sind gravierend. Nach Berechnungen der WHO kostete Demenz die Weltwirtschaft im Jahr 2019 rund 1,3 Billionen US-Dollar. Etwa 50 Prozent dieser Summe entstanden durch informelle Pflegeleistungen.
Pflegende Angehörige wenden im Schnitt 5 Stunden pro Tag für die Betreuung auf, wobei Frauen 70 Prozent der gesamten Pflegestunden leisten. Auch unter den Erkrankten sind Frauen stark vertreten: In den USA stellen sie fast zwei Drittel der Alzheimer-Patienten.
Fachleute wie Alexandra Touroutoglou vom Kliniknetzwerk Mass General Brigham weisen allerdings darauf hin, dass diese höhere Quote allein kein einfacher Beleg für ein erhöhtes biologisches Risiko sei.
Frühe Signale und veränderbare Risikofaktoren
Die Alzheimer-Krankheit macht laut der WHO 60 bis 70 Prozent aller Demenzfälle aus und gilt als die häufigste Ursache im höheren Alter. Eine Demenz mit frühem Beginn vor dem 65. Lebensjahr betrifft bis zu 9 Prozent der Fälle.
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Obwohl es weiterhin keine Heilung gibt, rückt die Prävention verstärkt in den Fokus. Die Lancet-Kommission identifizierte im Jahr 2024 insgesamt 14 veränderbare Risikofaktoren. Deren konsequente Kontrolle könnte fast 45 Prozent der Demenzfälle verhindern oder verzögern.
Die WHO hebt in diesem Zusammenhang regelmäßige Bewegung, den Verzicht auf das Rauchen, die Einstellung von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker, die Nutzung von Hörgeräten sowie die Reduktion von Luftverschmutzung hervor.
Krankhafte Veränderungen im Gehirn, darunter Ablagerungen von Amyloid und Tau-Proteinen, können bereits 15 bis 20 Jahre vor den ersten klinischen Symptomen beginnen. Die Alzheimer's Association führt zehn typische Warnzeichen auf, darunter wiederholtes Fragen und Probleme bei Alltagsaufgaben.
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Mediziner wie Dr. Harjit Singh Bhatti vom Sitaram Bhartia Institute ergänzen typische Anzeichen um das Vergessen wichtiger Gespräche, das verirren in vertrauter Umgebung sowie Fehler bei finanziellen Angelegenheiten.
Dr. Dipak Jadav betont, dass Demenz die Alltagsfunktionen und die Selbstständigkeit beeinträchtigt, während bei normaler Vergesslichkeit meist ein kleiner Hinweis genügt. Plötzliche Verwirrung, Sprachprobleme oder eine Armschwäche könnten dagegen auf einen Schlaganfall hindeuten.
Medizinische Abklärung und neue Behandlungsoptionen
Für eine genaue Diagnose rät Dr. Shelly Dutta vom RML Hospital dazu, beobachtete Veränderungen im Alltag schriftlich zu dokumentieren. Dr. Avinash Chakrawarty vom AIIMS Delhi empfiehlt standardisierte Tests wie Mini-Cog, MMSE und MoCA sowie Blutuntersuchungen zur Kontrolle von Vitamin B12 und Schilddrüsenwerten.
Auch auf regulatorischer Ebene gab es in den vergangenen Jahren Neuerungen: Bei den Diagnoseverfahren genehmigte die US-Arzneimittelbehörde FDA im Mai 2025 den ersten Bluttest auf Amyloid und im August 2026 einen weiteren Test für den Biomarker pTau217. Für Patienten im frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung ließ die Europäische Union die Antikörpertherapien Lecanemab im April 2025 sowie Donanemab im September 2025 zu.
