DemenzprÀvention, Risikos

DemenzprÀvention: 45 Prozent des Risikos lassen sich aktiv beeinflussen

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 18:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute empfehlen frĂŒhe PrĂ€vention durch Bewegung, guten Schlaf, ausgewogene ErnĂ€hrung sowie soziale und geistige AktivitĂ€t.
Ein sonnendurchfluteter Waldpfad, der sanft durch eine grĂŒne Baumlandschaft fĂŒhrt. Illustration mit AI erstellt.

Ein erheblicher Teil des individuellen Risikos, an einer Demenz zu erkranken, lÀsst sich aktiv beeinflussen. Nach Angaben der Neurologin Kristine Yaffe von der University of California, San Francisco (UCSF) sind 40 bis 45 Prozent des Demenzrisikos durch modifizierbare Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren bestimmt.

Dazu zÀhlen neben Tabak- und Alkoholkonsum auch Schlafmangel, unzureichende Bewegung, fehlende soziale Teilhabe, ein geringes Bildungsniveau, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Kopfverletzungen, Seh- und Hörverlust, Depressionen sowie Umweltbelastungen.

PrĂ€vention ĂŒber den gesamten Lebensverlauf

Diese EinschĂ€tzung deckt sich mit dem Bericht der Lancet-Kommission von 2024 zur DemenzprĂ€vention, wonach 45 Prozent des Gesamtrisikos durch gezielte Lebensstil-, GefĂ€ĂŸ- und klinische Interventionen verĂ€nderbar sind. Die Kommission stuft Faktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen als besonders maßgeblich ein.

Ein unbehandelter Hörverlust im mittleren Lebensalter gilt laut der Kommission mit einem Anteil von sieben Prozent als der grĂ¶ĂŸte einzelne modifizierbare Risikofaktor in dieser Lebensphase. Auch soziale Isolation stellt eine ernste Belastung dar: Laut dem US Surgeon General erhöht sie das Demenzrisiko um rund 50 Prozent.

Mediziner betonen daher, dass Vorsorgemaßnahmen frĂŒhzeitig greifen sollten. Die Geriaterin Ksenia Ljapina empfiehlt, bereits im Alter zwischen 35 und 40 Jahren gezielt kognitive Reserven aufzubauen, anstatt erst beim Auftreten erster Symptome zu intervenieren. Neben der medizinischen Einstellung chronischer Erkrankungen und dem Schutz vor Kopfverletzungen zĂ€hle dazu der bewusste Verzicht auf Nikotin und Alkohol.

Bewegung, Schlaf und ErnÀhrung als zentrale SÀulen

Als wirksamste klinische Maßnahme zur Optimierung der Gehirngesundheit gilt regelmĂ€ĂŸige körperliche AktivitĂ€t. Empfohlen wird unter anderem eine Kombination aus Aerobic und Krafttraining, da aerobes Training neurotrophe Faktoren wie BDNF fördert, wĂ€hrend KraftĂŒbungen den Glukosestoffwechsel verbessern.

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Der Hirnforscher Prof. Emrah DĂŒzel verweist darauf, dass neben Bewegung und Muskelkraft auch Alltagsherausforderungen wie die Orientierung und Navigation ohne Smartphone kognitiv fordernd wirken.

Ebenso entscheidend ist die SchlafqualitĂ€t: Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte, dass fragmentierter Schlaf bei Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren das Risiko fĂŒr schlechtere kognitive Testergebnisse um das Dreifache erhöhte. Im Tiefschlaf aktiviert der Organismus das glymphatische System, das fĂŒr den Abtransport von Stoffwechselprodukten wie Amyloid-beta und Tau zustĂ€ndig ist.

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Bei der ErnĂ€hrung gelten mediterrane Muster oder die sogenannte MIND-DiĂ€t als protektiv. Sie setzen vor allem auf Olivenöl, grĂŒnes BlattgemĂŒse, NĂŒsse, Vollkornprodukte, Beeren und Fisch. Zudem raten Experten dazu, Medikamente mit anticholinerger Wirkung kritisch zu prĂŒfen, da diese den Botenstoff Acetylcholin beeintrĂ€chtigen und das Demenzrisiko steigern können.

Geistige Stimulation und ganzheitliche Mobilisierung

Das menschliche Gehirn bleibt lebenslang lernfĂ€hig, verliert jedoch ab dem mittleren Erwachsenenalter langsam an Volumen. Gezielte geistige Reize können diesem Abbau entgegenwirken. RegelmĂ€ĂŸiges kognitives Training, das Lesen, Sprachenlernen oder strategische Spiele wie Schach, Puzzles und RĂ€tsel umfasst, fördert ArbeitsgedĂ€chtnis, Konzentration und Aufmerksamkeit.

Dass körperliche und geistige Verfassung eng miteinander verwoben sind, unterstreicht auch die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Geriatrie (DGG). Insbesondere bei Ă€lteren Menschen im klinischen Umfeld könne ein rapider Muskelverlust innerhalb kurzer Zeit auch zu kognitiven Einbußen wie Verlangsamung oder einem Delir fĂŒhren.

PrĂ€ventionskonzepte setzen daher auf eine frĂŒhzeitige Mobilisierung, eine ausreichende Zufuhr von Energie und Eiweiß sowie eine konsequente kognitive und soziale Aktivierung.

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