Demenzprävention, Risikos

Demenzprävention: 45 Prozent des Risikos sind grundsätzlich beeinflussbar

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 20:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verknüpfen genetische Belastungen und Lebensgewohnheiten mit dem Gehirnaltern; Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte gelten als beeinflussbare Schutzfaktoren.

Demenzrisiko: Wie Gene und Lebensstil das Gehirnaltern beeinflussen
Ein abstraktes Nahbild eines komplexen Netzwerks von Nervenbahnen, das die biologische Struktur des menschlichen Gehirns symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Trotz bekannter genetischer Veranlagungen und altersbedingter Abbauprozesse entwickeln manche Menschen im höheren Alter keine Demenz. Wissenschaftler der Simon Fraser University (SFU) widmen sich der Frage, warum Personen trotz bestehender Risikofaktoren kognitiv gesund bleiben, um neue Ansätze für den langfristigen Erhalt der Gehirngesundheit zu erschließen.

Ergänzende genetische und epidemiologische Untersuchungen verdeutlichen, wie eng vererbbare Faktoren und der persönliche Lebensstil bei Alterungsprozessen des Gehirns ineinandergreifen.

Zusammenspiel von Genetik und Lebensstil beim Gehirnaltern

Wichtige Einblicke in die biologischen Mechanismen liefert eine in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry veröffentlichte Untersuchung von 46.843 Teilnehmern der britischen UK Biobank. Ein multimodales MRT-Modell konnte dabei 72 bis 75 Prozent der Varianz des chronologischen Alters erklären. Die Forschenden identifizierten 19 unabhängige Genorte und 122 zugeordnete Gene, die mit dem Gehirnaltern in Zusammenhang stehen.

Sowohl eine höhere genetische Belastung als auch ein ungesunder Lebensstil erwiesen sich demnach als Treiber eines beschleunigten Gehirnalterns. Bei einer Gen-Lebensstil-Analyse fiel insbesondere die Genvariante rs62287096 nahe dem Gen HRASLS auf: Bei Trägern des entsprechenden Risikoallels verstärkte ein ungesunder Lebensstil das biologische Altern des Gehirns, während eine gesunde Lebensweise mit einem verringerten Gehirnaltern einherging. Zugehörige Laboranalysen wiesen zudem eine allelspezifische Enhancer-Aktivität nach.

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Auch Untersuchungen zu bekannten Risikogenen wie APOE ?4 zeigen komplexe Interaktionen. Eine 2026 in PLOS Genetics veröffentlichte Studie untersuchte indigene Gruppen in Kenia (Turkana) und Malaysia (Orang Asli).

In beiden Populationen war eine höhere Zahl an APOE-?4-Allelen über unterschiedliche Lebensweisen hinweg mit höherem Gesamt- und LDL-Cholesterin sowie niedrigerem HDL-Cholesterin verbunden. Lebensstilabhängige Zusammenhänge mit bestimmten Immunmarkern traten hingegen nur bei den Orang Asli auf, nicht bei den Turkana.

Zudem war das Allel in der Gesamtauswertung schwach mit einer längeren reproduktiven Lebensspanne verbunden, was jedoch uneinheitlich ausfiel und nicht mit einer höheren Kinderzahl einherging.

Beeinflussbare Faktoren und Präventionspotenziale

Auf einer regionalen Gesundheitskonferenz am 10. Oktober 2026 betonte eine leitende Medizinerin einer psychiatrischen Tagesklinik, dass rund 45 Prozent des individuellen Demenzrisikos grundsätzlich beeinflussbar seien. Als wesentliche Risikofaktoren gelten Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und ein geringeres Bildungsniveau.

Umgekehrt tragen regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, ausreichender Schlaf, körperliche Fitness, das Erlernen von Fremdsprachen sowie stabile soziale Kontakte zum Schutz der kognitiven Leistungsfähigkeit bei. Bloßes gelegentliches Vergessen stelle der Fachärztin zufolge noch keinen Beleg für eine Demenzerkrankung dar.

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Besonders die Ernährung rückt in den Fokus wissenschaftlicher Erhebungen. Eine Auswertung der UK Biobank aus dem Jahr 2021 zeigte, dass ein täglicher Mehrverzehr von 25 Gramm verarbeitetem Fleisch statistisch mit einem um 44 Prozent höheren Demenzrisiko und einem um 52 Prozent höheren Alzheimer-Risiko einherging, wenngleich damit kein kausaler Nachweis vorliegt.

Eine US-Studie an mehr als 130.000 Personen ermittelte bei einem Konsum von über 21 Gramm verarbeitetem Fleisch pro Tag ein um 13 Prozent höheres Demenzrisiko gegenüber sehr geringem Verzehr; jede weitere tägliche Portion war mit rund 1,6 Jahren beschleunigter kognitiver Alterung assoziiert. Wurde eine Portion stattdessen durch Hülsenfrüchte oder Nüsse ersetzt, sank das Risiko um 19 Prozent.

Die Erforschung der Mechanismen, warum bestimmte Personen trotz Belastungen kognitiv stabil bleiben, eröffnet der Prävention neue Wege. Die Kombination aus genetischer Grundlagenforschung und gezielten Anpassungen im Lebensstil bleibt dabei der zentrale Hebel.

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