Demenzprävention: Präbiotika und Protein verbessern kognitive Testergebnisse
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt der Frage, wie kognitives Training und gezielte Präventionsmaßnahmen das Demenzrisiko beeinflussen können. Forscher betonen dabei regelmäßig, wie entscheidend frühzeitige Interventionen sind. Zudem rückt die Identifikation biologischer Marker in den Fokus, die bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten erster klinischer Symptome auf neurodegenerative Veränderungen hinweisen können.
Erkenntnisse aus Trainings- und Ernährungsstudien
Dass gezielte Interventionen messbare Effekte auf molekularer und kognitiver Ebene erzielen können, verdeutlichen mehrere Forschungsarbeiten. In einer 2023 durchgeführten Alzheimer-Trainingsstudie mit 95 Teilnehmern über einen Zeitraum von 16 Wochen zeigte sich ein Anstieg neuroprotektiver Proteine wie proBDNF, BDNF und Humanin in neuronal angereicherten extrazellulären Vesikeln. Dieser Effekt trat besonders bei Trägern des Risikogens APOE-?4 hervor.
Auch ernährungsbezogene Ansätze stehen im Blickfeld der Wissenschaft. Das King's College London untersuchte in einer Zwillingsstudie, deren Ergebnisse 2024 im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurden, die tägliche Gabe von Präbiotika und Proteinen.
An der doppelblinden Untersuchung nahmen 36 Zwillingspaare im Alter ab 60 Jahren teil. Während ein Zwilling täglich ein Präbiotikum mit Inulin und Fructooligosaccharid zusammen mit Proteinpulver erhielt, nahm der andere ein Placebo ein.
Nach drei Monaten erzielte die Präbiotika-Gruppe höhere Werte in kognitiven Tests. Gleichzeitig stieg das Vorkommen von Bifidobakterien im Darm, während sich bei den rein körperlichen Werten bezüglich des Muskelverlusts keine signifikanten Unterschiede zeigten.
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Fokus auf Früherkennung und Risikofaktoren
Fachorganisationen fordern eine stärkere Verankerung präventiver Maßnahmen im Gesundheitssystem. Anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit am 10. Oktober wies die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP) darauf hin, dass laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Europa etwa jeder sechste Mensch von psychischen Erkrankungen betroffen ist.
Studienergebnisse zu Mangelerscheinungen wie Thiamin-Defiziten bei Alkoholabhängigkeit flossen bereits in WHO-Empfehlungen zur Reduktion von kognitivem Abbau und Demenz ein. ÖGPP-Präsident Christian Korbel forderte in diesem Zusammenhang eine langfristige politische Strategie sowie gezielte Forschungsprogramme.
Mikrobiomanalysen weisen zudem darauf hin, dass chronische Entzündungsprozesse und eine verringerte mikrobielle Diversität im Darm mit einem erhöhten Risiko für spätere kognitive Einbußen zusammenhängen können. Entsprechende Signaturen lassen sich mitunter Jahre vor Beginn typischer Symptome feststellen, wenngleich standardisierte Schnelltests für die klinische Routine noch Gegenstand der Entwicklung sind.
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Praxisnahe Angebote in Kommunen
Parallel zur Grundlagenforschung gewinnen niedrigschwellige Trainingsangebote an Bedeutung. In Haßfurt kombiniert das Projekt „MIT & FIT – Begegnung durch Bewegung“ des Betreuungsnetzwerks für alle Generationen kognitive Ballübungen zur Förderung von Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Koordination mit Elementen eines Mehrgenerationenparcours.
Weitere Initiativen setzen auf wohnortnahe Aufklärung und Screening: Am 12. Oktober 2026 informiert die zertifizierte Gedächtnistrainerin Gemma Benintende in Dormettingen über Methoden des alltagsnahen Gedächtnistrainings.
Für den 20. Oktober 2026 sind zudem mehrere Termine geplant: In Thalwil verbindet ein geführter Rundgang auf dem „SmartTrail“ Bewegung mit koordinativen Denkaufgaben, während das Digitale Demenzregister Bayern (digiDEM Bayern) in Hebertsfelden einen kostenfreien Screeningtag zur Überprüfung der Gedächtnisleistung per wissenschaftlichem Kurztest durchführt.

