Demenzprävention: Regelmäßige Bewegung bremst kognitiven Verfall
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:11 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung körperlicher Aktivität für den Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter. Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia publizierte Untersuchung, die sogenannte EXERT-Studie der UC San Diego und der Wake Forest University, liefert neue Belege dafür, dass regelmäßige Bewegung den kognitiven Verfall bei gefährdeten Personen signifikant verlangsamen kann.
Die EXERT-Studie: Bewegung als Schutzfaktor bei kognitiven Einbußen
Im Fokus der EXERT-Studie standen 300 zuvor bewegungsarme ältere Erwachsene, bei denen bereits eine leichte kognitive Beeinträchtigung (aMCI) diagnostiziert worden war. Diese Patientengruppe gilt als besonders gefährdet, da Schätzungen zufolge etwa 12 bis 18 % der über 60-Jährigen von solchen Beeinträchtigungen betroffen sind und rund 16 % der aMCI-Fälle jährlich in eine Demenz übergehen.
Die Probanden wurden über einen Zeitraum von 12 Monaten beobachtet und in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe absolvierte ein hochintensives Aerobic-Training, während die zweite Gruppe ein leichtes Dehn- und Gleichgewichtstraining durchführte.
Die Ergebnisse zeigten, dass in beiden Gruppen kein signifikanter kognitiver Abbau stattfand. Dies steht im Gegensatz zu einer Vergleichsgruppe aus der Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative (ADNI), die im selben Zeitraum einen deutlichen Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit verzeichnete. Die Forscher schließen daraus, dass bereits regelmäßige, auch weniger intensive Bewegung einen schützenden Effekt ausüben kann.
Modifizierbare Risikofaktoren und Lebensdauer ohne Demenz
Die Relevanz solcher präventiven Maßnahmen wird durch Daten der Lancet Commission aus dem Jahr 2024 gestützt. Demnach könnten theoretisch bis zu 45 % der Demenzfälle durch die Beeinflussung von 14 modifizierbaren Risikofaktoren verhindert werden. Neben körperlicher Aktivität spielen dabei auch Faktoren wie Blutdruckkontrolle und der Verzicht auf das Rauchen eine zentrale Rolle.
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Langzeitbeobachtungen verdeutlichen den Einfluss des Lebensstils auf die gesunde Lebensspanne. Die US-amerikanische ARIC-Studie begleitete 12.409 Teilnehmer über einen Zeitraum von 26 Jahren. Personen, die weder unter Bluthochdruck noch unter Diabetes litten und nicht rauchten, lebten im Schnitt 12,6 Jahre länger ohne eine Demenzerkrankung als Personen mit diesen Risikofaktoren.
Für 55-Jährige bedeutet ein Lebensstil ohne diese Belastungen eine restliche Lebenserwartung von 30,1 Jahren ohne Demenz, während Teilnehmer mit allen drei Risikofaktoren lediglich auf 17,5 Jahre kamen.
Differenzierte Ansätze in der Bewegungs- und Gesundheitstherapie
Neuere Untersuchungen beleuchten zudem spezifische Formen der Aktivität. Eine Studie der University of Tsukuba vom August 2026 mit 24 gesunden Erwachsenen deutet darauf hin, dass bereits 10 Minuten „Super-Slow-Jogging“ (mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 13 Minuten pro Kilometer) die Stimmung verbessern und die kognitive Leistung steigern können. Dabei wurde eine erhöhte Aktivität im präfrontalen Kortex gemessen.
Hinsichtlich des Muskelerhalts im Alter zeigt eine australische Studie mit 120 Teilnehmern im Durchschnittsalter von 72 Jahren Vorteile für hochintensives Intervalltraining (HIIT) auf. Während moderates Training vor allem den Fettabbau fördere, trage HIIT maßgeblich zum Erhalt der Muskelmasse bei. Sportwissenschaftler raten in diesem Zusammenhang jedoch zu einer vorbereitenden Phase von vier bis sechs Monaten.
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Ergänzend zu körperlicher Aktivität werden weitere Faktoren für gesundes Altern diskutiert. Experten wie der Neurologe Claudio Bassetti von der Universität Bern betonen, dass neben Bewegung auch ausreichender Schlaf von sieben bis neun Stunden, soziale Kontakte und Rauchverzicht essenziell seien. Dies deckt sich mit den Schwerpunkten des Longevity Forums Deutschland, das sieben evidenzbasierte Faktoren definiert hat: Schlaf, Bewegung, Lernen, Stressmanagement, Ernährung, soziale Interaktion und Nichtrauchen.
Weitere Forschungsansätze untersuchen medikamentöse und unterstützende Maßnahmen. Eine dänische Registerstudie mit 132.585 Typ-2-Diabetikern, deren Ergebnisse auf der ESC-Jahrestagung in München vorgestellt wurden, zeigte, dass eine Statintherapie das Demenzrisiko senken kann – bei frühem Beginn um 15 %, bei späterem um 10 %.
Eine finnische Langzeitstudie mit 2.315 Männern beobachtete zudem ein geringeres Demenzrisiko bei häufigen Saunagängen (vier- bis siebenmal pro Woche), wenngleich hier, wie bei vielen Beobachtungsstudien, kein direkter Kausalnachweis vorliegt.
