DemenzprÀvention, WHO

DemenzprÀvention: WHO sieht bis zu 45 Prozent der FÀlle als beeinflussbar

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 11:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die WHO nennt verĂ€nderbare Risikofaktoren; zugleich entstehen UnterstĂŒtzungsangebote und Projekte fĂŒr Betroffene und Angehörige.

Demenz: WHO aktualisiert PrÀvention, neue Hilfen fördern Teilhabe
Ein lichtdurchfluteter, ruhiger Raum in einer modernen Pflegeeinrichtung mit Blick in einen grĂŒnen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Die Diagnose einer Demenzerkrankung trifft in Deutschland schĂ€tzungsweise 1,8 Millionen Menschen. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die FrĂŒhdemenz dar, von der laut aktuellen Berichten rund 100.000 Personen betroffen sind.

Ein prominentes Beispiel fĂŒr die persönliche Lebenssituation ist die 58-jĂ€hrige Britta, bei der die Erkrankung vor zwei Jahren diagnostiziert wurde, nachdem erste Symptome bereits mit Anfang 50 aufgetreten waren.

Obwohl die FĂ€higkeiten infolge der unheilbaren Krankheit schwinden, engagiert sich Britta durch das Schreiben und Illustrieren eines Kinderbuchs ĂŒber Demenz, wofĂŒr sie mit dem Hertie-Preis ausgezeichnet wurde.

Globale Perspektive und PrÀventionsstrategien der WHO

Weltweit leben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 57 Millionen Menschen mit einer Demenz. JĂ€hrlich werden fast 10 Millionen Neuerkrankungen verzeichnet. In Österreich sind laut dem aktuellen Demenzbericht etwa 170.000 Menschen betroffen.

Vor diesem Hintergrund hat die WHO im Jahr 2026 ihre Leitlinie zur PrĂ€vention kognitiven Abbaus aktualisiert. Die Empfehlungen stĂŒtzen sich auf eine erweiterte Evidenzbasis seit der Erstveröffentlichung im Jahr 2019.

Zentrale Erkenntnis der Experten ist, dass bis zu 45 % der DemenzfĂ€lle mit potenziell verĂ€nderbaren Risikofaktoren in Verbindung stehen. Zur Senkung des Risikos empfiehlt die Organisation unter anderem regelmĂ€ĂŸige Bewegung, soziale sowie geistige AktivitĂ€t, einen Rauchstopp, die Reduktion von Alkoholkonsum und eine gesunde ErnĂ€hrung.

Zudem wird die medizinische Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und DyslipidÀmien sowie die Verringerung von Luftschadstoffen als wesentlich erachtet. Von der Einnahme von NahrungsergÀnzungsmitteln ohne nachgewiesenen Mangel wird hingegen abgeraten.

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Technologische UnterstĂŒtzung und pflegerische AnsĂ€tze

In Frankreich erproben Kliniken und Pflegeheime verstĂ€rkt den Einsatz von Robotik und KĂŒnstlicher Intelligenz, um Menschen mit Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen zu unterstĂŒtzen. Im Krankenhaus Broca in Paris werden Roboter wie NAO, Paro und Miroki eingesetzt, um GesprĂ€che und geistige AktivitĂ€t anzuregen oder therapeutischen Trost zu spenden. Die Reaktionen der Patienten reichen dabei von großem Interesse bis hin zu Ablehnung.

Parallel dazu wird im Pflegeheim La Septfontoise das Telefonsystem Livana getestet. Dieses nutzt biografische Angaben der Bewohner, um personalisierte GesprĂ€che zu fĂŒhren. Ziel ist es, UnruhezustĂ€nde auf nichtmedikamentösem Weg zu lindern. Die Verantwortlichen betonen, dass diese Technik PflegekrĂ€fte entlasten, aber die menschliche Beziehung nicht ersetzen soll.

Kulturelle Teilhabe und soziale Innovationsprojekte

Verschiedene Organisationen entwickeln Konzepte, um die soziale Teilhabe von Betroffenen zu fördern. Die Deutsche Radio Philharmonie veranstaltet fĂŒr den 11. Oktober 2026 ein Konzert im SWR Studio Kaiserslautern, das speziell auf die BedĂŒrfnisse von Menschen mit Demenz und deren Angehörige zugeschnitten ist.

Unter der Leitung von Pedro Sotelo und der Moderation von Thomas Rosch werden bekannte Werke wie Mozarts „Kleine Nachtmusik“ in einem barrierefreien und entspannten Rahmen dargeboten.

Auch im Sportbereich gibt es Initiativen: Der FC Bayern nutzt seit drei Jahren den Erinnerungskoffer „Forever Number One“. Dieser enthĂ€lt Audio-Dateien, Trikots und Fotos, um biografische Erinnerungen zu wecken. Mitglieder des Ehrenamtsprogramms PACK MA’S begleiten das Projekt, das zuletzt um ein Retro-Trikot zum 50. JubilĂ€um der ersten Deutschen Meisterschaft der Bayern-Frauen ergĂ€nzt wurde.

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Wissenschaftlich wird die Wirkung von Musik an der UniversitĂ€t Wien untersucht. Das Projekt „Musik fĂŒr das GedĂ€chtnis“ analysiert im Zeitraum von 2025 bis 2029, ob das Erlernen neuer Lieder die geistigen FĂ€higkeiten verbessern kann. Rund 100 Teilnehmende in Österreich, Norwegen und Argentinien erhalten hierfĂŒr ein Jahr lang Gesangsunterricht, wĂ€hrend die Ergebnisse mittels EEG, MRT und neuropsychologischen Tests evaluiert werden.

Lokale Beratungs- und Entlastungsangebote

Die regionale UnterstĂŒtzung reicht von niedrigschwelligen Beratungsangeboten bis hin zu speziellen Reiseformaten. In der Steiermark startet Cooltours im Mai 2027 ein betreutes Urlaubsangebot fĂŒr Menschen in frĂŒhen oder mittleren Stadien der Demenz. Die erste sechs-tĂ€gige Reise fĂŒhrt auf einen Bauernhof in Gnas.

In Deutschland setzen Institutionen wie der PflegestĂŒtzpunkt Ludwigslust auf mobile Beratung wie das „Lila Sofa“, um auf MarktplĂ€tzen ĂŒber Demenz zu informieren. In Celle eröffnet die Celler Demenz Initiative im Oktober 2026 das „CafĂ© Augenblicke“ als betreutes Angebot, finanziert unter anderem durch Spenden des Ladies’ Circle 107 Celle.

In Bremen wird zudem ĂŒber eine landesweite Demenzstrategie beraten, um die Versorgung besser zu vernetzen und Angehörige zu entlasten. Dass die Erkrankung auch wirtschaftliche Auswirkungen hat, thematisierte ein SonderwirtschaftsfrĂŒhstĂŒck in Graz im September 2026. Dort diskutierten Vertreter von Wirtschaftskammer und Arbeitsmarktservice ĂŒber die Folgen fĂŒr Unternehmen, wenn Mitarbeitende aufgrund von Pflegeaufgaben ihre Arbeitszeit reduzieren oder trotz einer frĂŒhen Diagnose weiterarbeiten möchten.

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