Demenzprävention, WHO

Demenzprävention: WHO warnt vor Vitaminpräparaten, setzt auf Lebensstil

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 02:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de

WHO rät von Vitaminpräparaten zur Demenzprävention ab. Lebensstiländerungen wie Bewegung und Ernährung sind laut neuer Leitlinie wirksamer.

WHO-Update zur Demenz: Vitaminpräparate ohne Nutzen
Offenes Medikamentenfläschchen mit bunten Pillen und Kapseln, verstreut auf einer Oberfläche, im Hintergrund verschwommene Forschungspapiere. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Kernbotschaft: Vitaminpräparate helfen nicht. Stattdessen setzen die Experten auf Lebensstiländerungen.

Bis zu 45 Prozent der Demenzrisiken ließen sich demnach durch Bewegung, gesunde Ernährung, sozialen Austausch sowie den Verzicht auf Tabak und übermäßigen Alkohol vermeiden oder hinauszögern. Eine Supplementierung von Vitamin B, Vitamin E oder Omega-3-Fettsäuren empfehlen die WHO-Experten nicht – es sei denn, ein klinisch diagnostizierter Mangel liegt vor.

Hintergrund: Weltweit sind rund 57 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf etwa 1.134 Milliarden Euro. Umso wichtiger sei evidenzbasierte Prävention, so die WHO. Weitere Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Luftverschmutzung und unbehandelter Hörverlust.

„Goldener Windbeutel“: Verbraucher wählen dreisteste Werbelüge

Fast zeitgleich zur WHO-Veröffentlichung kürte Foodwatch den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ 2026. Mit rund 39 Prozent von 66.000 Stimmen gewann das Konzentrat des Herstellers LaVita.

Die Kritik der Verbraucherschützer wiegt schwer. Das Produkt bestehe zu 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat, werde aber mit weitreichenden Gesundheitsversprechen beworben. Foodwatch-Expertin Alina Nitsche kritisierte den Literpreis von 100 Euro. Der Hersteller konterte: Die Kosten pro Portion lägen bei einem Euro, eine Flasche reiche drei Monate.

Zudem deuten Analysen auf eine Überdosierung mehrerer Nährstoffe hin – bei Einhaltung der empfohlenen Tagesdosis von 10 ml. LaVita reagierte bereits: Die Werbung mit Begriffen wie „Saubertrank“ wurde eingestellt. Weitere Slogans wie „Fit fürs Leben“ werden derzeit geprüft.

Auf Platz zwei landete ein Backpulver für Heißluftfritteusen von Dr. Oetker (21,9 Prozent), gefolgt von einem Matcha-Mango-Joghurt der Molkerei Andechser (20,8 Prozent), der laut Kritikern nur minimale Mengen des namensgebenden Tees enthält.

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Die WHO hat ihre Leitlinien aktualisiert: Vitaminpräparate helfen nicht gegen Demenz. Stattdessen setzen Experten auf Bewegung, gesunde Ernährung und sozialen Austausch. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen die 5 wirksamsten Lebensstilfaktoren – ohne überteuerte Supplemente. Jetzt kostenlosen Präventions-Leitfaden anfordern

Risiken: Wenn „natürlich“ nicht sicher bedeutet

Die Verbraucherzentralen warnen seit Jahren vor unkritischer Einnahme. Da gesetzliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln fehlen, drohen Überdosierungen.

Besondere Vorsicht gilt für Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen. Sie sollten Supplemente nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Für Kinder seien Vitaminpräparate oft überflüssig – im Einzelfall sogar schädlich, so die Experten.

Auch Wechselwirkungen sind ein Problem. Biotin etwa kann klinische Labortests verfälschen und Fehldiagnosen auslösen. Besonders heikel: In Produkten zur Gewichtsreduktion, Leistungssteigerung oder Potenzförderung wurden in der Vergangenheit nicht deklarierte arzneiliche Wirkstoffe gefunden.

Rechtslage: Anzeige statt Zulassung

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Der „Goldene Windbeutel“ 2026 zeigt: Viele Nahrungsergänzungsmittel sind überteuert und überdosiert. LaVita etwa besteht zu 70 % aus Fruchtsaftkonzentrat und kostet 100 Euro pro Liter. Unser Ratgeber hilft Ihnen, solche Werbelügen zu durchschauen und Ihr Geld sinnvoll zu investieren. Werbelügen-Erkennungsleitfaden jetzt sichern

Anders als Arzneimittel brauchen Nahrungsergänzungsmittel in der EU keine Zulassung. Eine Anzeige beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) reicht. Ernährungsmedizinerin Prof. Diana Rubin betont: „Eine ausgewogene Ernährung sollte stets die Basis bilden.“ Supplementierung sei nur bei begründetem Mangelverdacht sinnvoll – und nur nach ärztlicher Untersuchung.

Bei Kinderprodukten klafft zudem eine rechtliche Lücke. Zulassungen für „Novel Foods“ erfolgen oft erst ab drei Jahren, weil für jüngere Altersgruppen Studien fehlen. Verbraucherschützer fordern seit Langem strengere Kontrollen und mehr Geld für die Lebensmittelüberwachung – um irreführende Gesundheitsversprechen effektiver zu unterbinden.

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