Demenzrisiko: 45 Prozent durch Bewegung vermeidbar
Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 17:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Forschung zeigt: Grübeln ist ein wesentlicher Risikofaktor für psychische Erkrankungen. Um den Kreislauf zu durchbrechen, rücken Methoden der Selbstbeobachtung, körperliche Aktivität und neurowissenschaftliche Erkenntnisse in den Fokus.
Bewusstes Denken als Ausweg
Der Psychotherapeut Thorsten Padberg empfiehlt eine verstärkte Selbstbeobachtung während des Denkprozesses. Ziel: eigene Denkmuster bewusst wahrnehmen und ungünstige Routinen gezielt abbrechen. Praktische Ansätze dafür sind bewusstes Atmen, das Aufschreiben von Gedanken oder spezielle Checklisten.
Einen anderen Weg geht die „Let Them!“-Theorie von Mel Robbins. Sie zielt darauf ab, die Kontrolle über unkontrollierbare Situationen bewusst abzugeben. Der Fokus liegt auf der eigenen Reaktion, nicht auf dem Verhalten anderer. Fachleute warnen jedoch: Bei akuter Gefährdung oder Diskriminierung ist dieser Ansatz nicht geeignet.
Sport senkt Stresshormone nachweislich
Eine klinische Studie der University of Pittsburgh und des AdventHealth Research Institute untersuchte über zwölf Monate die Wirkung von Sport auf 130 Erwachsene. Das Ergebnis: 150 Minuten Ausdauersport pro Woche senken das Stresshormon Cortisol im Haar signifikant. In der Kontrollgruppe stieg der Wert dagegen leicht an.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ergänzt: Bereits 40 bis 60 Minuten Krafttraining pro Woche reichen aus, um die WHO-Empfehlungen zu erfüllen. Die Weltgesundheitsorganisation betont in ihren aktualisierten Leitlinien von 2026 zudem, dass bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos durch beeinflussbare Faktoren vermieden werden könnten. Dazu zählen Bewegung, Verzicht auf Tabak und Alkohol sowie soziale Teilhabe.
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Wenn der Körper die Stimmung steuert
Die Forschung zur Interozeption – der Wahrnehmung innerer Körperzustände wie Herzfrequenz oder Hunger – liefert neue Erklärungen für Stimmungsschwankungen. Eine Studie aus dem Jahr 2026 zeigt: Menschen mit einer präzisen Körperwahrnehmung neigen seltener zu negativen Stimmungen durch Hunger, dem sogenannten „Hangry“-Phänomen. Eine gestörte Interozeption wird dagegen mit Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen in Verbindung gebracht.
Auch die medikamentöse Behandlung macht Fortschritte. Eine randomisierte Studie in Nature Medicine (2026) belegt: Der Dopamin-Agonist Pramipexol hilft bei Anhedonie (Freudlosigkeit), die oft unzureichend auf herkömmliche Antidepressiva anspricht.
Stress betrifft zwei von drei Deutschen
Die Relevanz von Stressbewältigung zeigen aktuelle Arbeitsmarktdaten. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse von 2025 fühlen sich 66 Prozent der Deutschen häufig gestresst – ein Anstieg von 16 Prozentpunkten innerhalb eines Jahrzehnts. Der DAK-Report 2025 verzeichnet durchschnittlich 33 Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Die OECD bezifferte die Kosten psychischer Erkrankungen für Europa 2026 auf mehrere Milliarden Euro.
Zur Vorbeugung des sogenannten „Freizeitcrashs“ (Leisure Sickness) – einem plötzlichen Cortisolabfall bei Urlaubsbeginn – empfehlen Experten präventive Maßnahmen. Eine Umfrage der IU Internationalen Hochschule ergab 2025: 72 Prozent der Befragten kennen dieses Phänomen. Als wirksam gelten kurze Mikropausen im Arbeitsalltag, feste Feierabend-Rituale und ein schrittweiser Übergang in die Erholungsphase – etwa durch einen meetingfreien letzten Arbeitstag.
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Die Neurophysiologie betont zudem den Wert kreativer Tätigkeiten. Aktivitäten wie Stricken, Häkeln oder Zeichnen wirken sich positiv auf die Hirnstruktur aus. Das Gehirn bleibt durch neue Erfahrungen und wiederholte Handlungen kontinuierlich lernfähig.
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