Demenzrisiko, Expertin

Demenzrisiko: 45 Prozent lassen sich laut Expertin beeinflussen

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fortschreitende Gedächtnisprobleme mit Alltagsfolgen sollten ärztlich abgeklärt werden; Bewegung, Schlaf und soziale Kontakte können das Demenzrisiko beeinflussen.

Demenz erkennen: Warnsignale, Ursachen und beeinflussbare Risiken
Ein heller, ruhig gestalteter Wohnraum mit einem bequemen Sessel und warmem Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Verlegte Schlüssel oder die kurzzeitige Suche nach dem passenden Wort gehören für viele Menschen zum Alltag. Doch ab wann überschreiten solche Aussetzer die Grenze des normalen Alterns und weisen auf eine neurodegenerative Erkrankung hin?

Fachleute aus Neurologie und Neuropsychologie betonen, dass gelegentliche Wortfindungsprobleme oder kurze Denkpausen in der Regel harmlos sind. Ein Verdacht auf eine beginnende Demenzerkrankung wird vor allem dann begründet, wenn Gedächtnisverluste neu auftreten, kontinuierlich fortschreiten, dem Umfeld auffallen und die Bewältigung des Alltags spürbar beeinträchtigen.

Warnzeichen im Alltag erkennen

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal liegt in der Art des Vergessens. Banalere Erinnerungslücken lassen sich meist durch Hinweise oder Eselsbrücken auflösen. Behandlungsbedürftig wird die Situation hingegen, wenn grundlegende Alltagsfertigkeiten leiden.

Typische Beispiele sind Schwierigkeiten beim Umgang mit Geld, Probleme bei der verlässlichen Einnahme von Medikamenten oder die Orientierungslosigkeit auf vertrauten Wegen. Auch das plötzliche Vergessen von PIN-Nummern bei Geldabhebungen kann ein erstes Anzeichen darstellen.

Experten raten zu einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit der Symptomatik, da Betroffene beginnende Einschränkungen anfangs oft erfolgreich vor ihrer Umwelt verbergen. Zudem sollten gravierende Wesensänderungen, anhaltende Orientierungsstörungen oder häufige Aussetzer grundsätzlich medizinisch untersucht werden.

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Medizinische Ursachensuche und Differenzialdiagnose

Vor der Feststellung einer neurodegenerativen Erkrankung wie Alzheimer gilt es für Neurologen, behandelbare Ursachen auszuschließen. Zu diesen reversiblen Auslösern kognitiver Defizite zählen unter anderem Depressionen, Delirien, Schilddrüsenerkrankungen, ein Mangel an Vitamin B12, Nebenwirkungen von Medikamenten, Schlafapnoe, Hydrozephalus sowie subdurale Blutungen.

Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) dienen primär dazu, Schlaganfälle, Tumore oder Flüssigkeitsansammlungen auszuschließen; eine Alzheimer-Diagnose begründen sie allein nicht. Weiterführende Methoden wie Amyloid-PET-Untersuchungen oder Liquortests kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn ihr Befund das therapeutische Vorgehen direkt beeinflusst.

Eine fachärztliche Überweisung ist insbesondere geboten, wenn Symptome bereits vor dem 65. Lebensjahr einsetzen, ein rascher Verfall binnen Wochen oder Monaten sichtbar wird oder Begleiterscheinungen wie Gangunsicherheit, Tremor, Halluzinationen, Wesensveränderungen oder neu auftretende Inkontinenz hinzukommen.

Statistische Dimension und Präventionsmöglichkeiten

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht Alzheimer weltweit rund 60 bis 70 Prozent aller Demenzfälle aus. Angaben der Cleveland Clinic zufolge gehen jährlich etwa 10 bis 15 Prozent der Menschen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung in eine Demenz über.

Aktuell wird die Zahl der Demenzbetroffenen auf rund 1,8 Millionen beziffert, mit einem möglichen Anstieg auf 2,6 Millionen bis zum Jahr 2050. Zugleich ist das vererbbare Risiko für Alzheimer nach Einschätzung von Fachleuten deutlich geringer als häufig befürchtet.

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Darüber hinaus eröffnet die Prävention erhebliche Spielräume. Elke Koling, Chefärztin der LWL-Tagesklinik Plettenberg, verwies in einem Vortrag auf der dortigen Gesundheitsmesse darauf, dass 45 Prozent des Demenzrisikos beeinflussbar seien.

Zu den zentralen Faktoren zählen ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung, Schlaf, soziale Einbindung sowie geistige Aktivität wie das Erlernen von Fremdsprachen, Lesen oder Lernen. Als wesentliche Risikofaktoren gelten starkes Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und geringe Bildung.

Für den Umgang mit Betroffenen empfehlen Fachleute besondere Sensibilität. Die Pflegesachverständige Tina Stahlschmidt hob in Plettenberg hervor, dass bei Demenzerkrankten verdrängte Traumata reaktiviert werden können. Als Hilfestellung im Alltag dienen eine zugewandte Körpersprache, ein ruhiger Tonfall, strukturierte Abläufe mit Pausen sowie vertraute Gegenstände wie Musik oder Fotobücher, da Druck und Ungeduld Erkrankte zusätzlich verunsichern.

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