Demenzrisiko, Schritte

Demenzrisiko: Schon 3.800 Schritte tÀglich senken es laut Analyse um 25 Prozent

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 08:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bewusstes Wahrnehmen beim Gehen ergĂ€nzt körperliche AktivitĂ€t; Studien verknĂŒpfen höhere Schrittzahlen mit geringerem Demenzrisiko und besseren Aufmerksamkeitstests.
Ein sonnendurchfluteter Waldpfad mit herbstlichem Laub und bemoosten Steinen in einer ruhigen Naturumgebung. Illustration mit AI erstellt.

RegelmĂ€ĂŸige Bewegung gilt seit Langem als zentraler Baustein einer gesunden Lebensweise im Alter. Fachleute aus der Demenzforschung rĂŒcken nun jedoch einen Ansatz in den Mittelpunkt, der körperliche AktivitĂ€t mit einer gezielten kognitiven Stimulation verbindet. Im Zentrum steht das Konzept des sogenannten FĂŒnf-Sinne-Spaziergangs, der darauf abzielt, durch die bewusste Wahrnehmung der Umwelt mehrere Hirnareale gleichzeitig zu aktivieren.

Gezielte Reizverarbeitung wÀhrend der tÀglichen Bewegung

Japanische DemenzprĂ€ventions-Experten, darunter Katsuyoshi Urakami als Vorstandsmitglied der Japanischen Gesellschaft fĂŒr DemenzprĂ€vention, heben den Nutzen dieser Methode hervor.

Beim sogenannten „O-Sanpo-Noukatsu“ wird das klassische Gehen durch die bewusste Einbindung aller fĂŒnf Sinne – Geruch, Gehör, Sehen, Geschmack und Tastsinn – ergĂ€nzt. Ziel dieser sensorischen Reizaufnahme ist es, unterschiedliche Hirnregionen parallel anzuregen und so einen Beitrag zur Vorbeugung kognitiver EinschrĂ€nkungen zu leisten.

Als praktischer Richtwert werden tÀglich rund 7.000 Schritte empfohlen. Das Tempo sollte so gewÀhlt sein, dass eine Unterhaltung wÀhrend des Gehens weiterhin möglich bleibt, bei einer empfohlenen Dauer von 30 Minuten bis zu einer Stunde.

Anzeige

Wer sich mit der Förderung seiner geistigen Fitness befasst, findet in diesen elf AlltagsĂŒbungen eine ideale ErgĂ€nzung zum tĂ€glichen Spaziergang. Der kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie ohne großen Aufwand Ihr Gehirn fit halten und Demenz gezielt vorbeugen können. 11 AlltagsĂŒbungen fĂŒr geistige Fitness kostenlos herunterladen

Um das Gehirn fortlaufend zu fordern, raten Fachleute dazu, auch auf vertrauten Wegen gezielt auf VerÀnderungen zu achten. Dazu zÀhlen jahreszeitliche Entwicklungen in der Natur ebenso wie neue Schautafeln oder VerÀnderungen in der Umgebung wie neu eröffnete GeschÀfte.

Schrittzahlen und ihre Auswirkungen auf das Erkrankungsrisiko

Dass bereits moderate Bewegung einen messbaren Unterschied machen kann, untermauern internationale Erhebungen. Australische Wissenschaftler ermittelten in einer Analyse von Daten von ĂŒber 78.000 Menschen in Großbritannien, dass bereits etwa 3.800 Schritte pro Tag mit einer Senkung des Demenzrisikos um 25 Prozent gegenĂŒber einem nahezu bewegungslosen Alltag einhergehen.

Die Gehgeschwindigkeit spielte dabei keine entscheidende Rolle. Der stĂ€rkste schĂŒtzende Effekt zeigte sich der Untersuchung zufolge bei etwa 9.800 Schritten tĂ€glich; bei rund 10.000 Schritten pro Tag halbierte sich das Risiko einer Demenzdiagnose im Rahmen einer siebenjĂ€hrigen Beobachtungsspanne.

Weitere Hinweise auf die kognitiven Effekte liefert eine Beobachtungsstudie des Baylor College of Medicine in Houston unter Leitung des Psychiaters Olaoluwa Okusaga.

Anzeige

Viele Senioren nutzen gezielte Methoden, um ihre Konzentration und ihr GedĂ€chtnis ĂŒber die körperliche Bewegung hinaus nachhaltig zu stĂ€rken. In diesem kostenlosen Leitfaden erfahren Sie, welche Strategien wirklich wirken, um die geistige Leistung bis ins hohe Alter zu erhalten. Kostenlosen Ratgeber fĂŒr mentales Training sichern

Anhand von Fitbit-Daten von 3.093 Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 93 Jahren zeigte sich, dass Teilnehmende mit durchschnittlich 8.875 Schritten pro Tag bei Aufmerksamkeitstests im Mittel 1,76 Punkte mehr erzielten als die Vergleichsgruppe mit 5.108 Schritten.

Bei Werten von 14.161 Schritten lag der Zuwachs bei 2,17 Punkten. Zudem zeigten sich Verbesserungen bei der Ablenkungs- und Selbstkontrolle, auch nach statistischer Bereinigung um Faktoren wie Alter, Bildung und Einkommen.

Biologische Schutzmechanismen im zentralen Nervensystem

Die neurobiologischen Mechanismen hinter diesen Effekten lassen sich in verschiedenen Gehirnstrukturen beobachten. Ein Professor fĂŒr Hirn- und Kognitionswissenschaft an der Seoul National University erlĂ€uterte, dass beim Gehen das sogenannte Default-Mode-Netzwerk aktiviert werde, was kreatives Denken erleichtere.

Zudem werden im Gyrus dentatus des Hippocampus auch im Erwachsenenalter neue Nervenzellen gebildet, ein Vorgang, der durch regelmĂ€ĂŸiges Ausdauertraining verstĂ€rkt wird. Bildgebende Untersuchungen zeigen demnach, dass kontinuierliches Gehen oder Laufen den altersbedingten Volumenabbau im Hippocampus verlangsamen oder umkehren kann.

Dieser Effekt verstÀrkt sich durch eine komplexe Reizumgebung: Experimente mit Nagetieren belegen, dass eine reizreiche und bewegungsfördernde Umgebung die Neubildung von Neuronen deutlich anregt, wÀhrend Isolation sie vermindert.

Auch die bekannte FINGER-Studie unter der Leitung von Professorin Miya Kivipelto aus Finnland verdeutlichte, dass kombinierte Lebensstilmaßnahmen aus körperlicher Bewegung, ausgewogener ErnĂ€hrung und kognitivem Training stĂ€rkere Wirkungen auf die Denkleistung entfalten als isolierte Maßnahmen.

Da krankhafte Prozesse im Gehirn bereits 15 bis 20 Jahre vor dem Auftreten erster spĂŒrbarer Symptome beginnen können und etwa jeder Dritte die genetische Risikovariante APOE4 in sich trĂ€gt, kommt frĂŒhzeitigen, leicht integrierbaren Alltagsroutinen wie dem multisensorischen Spazieren eine wachsende Bedeutung zu.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70426956 |