Demenzrisiko: Stimm- und Hörstörungen zusammen erhöhen es um 104 Prozent
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 03:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen liefern neue Hinweise darauf, dass VerĂ€nderungen der Stimme sowie verĂ€nderte Sprechmuster als potenzielle Anzeichen fĂŒr ein erhöhtes Demenzrisiko dienen können. Verschiedene ForschungsansĂ€tze zeigen, dass sowohl funktionelle AuffĂ€lligkeiten des Stimmapparats als auch feine akustische Abweichungen in Sprachaufnahmen mit kognitiven BeeintrĂ€chtigungen und neurodegenerativen Prozessen in Verbindung stehen.
GroĂe Kohortenstudie untersucht Stimm- und Hörstörungen
Eine an der Drexel University durchgefĂŒhrte und im Journal of Voice veröffentlichte Untersuchung analysierte Daten von 833.417 Personen ab einem Alter von 50 Jahren. Die Wissenschaftler untersuchten dabei die HĂ€ufigkeit kognitiver Diagnosen ab einem Jahr nach der Feststellung von Stimm- oder HörbeeintrĂ€chtigungen.
Dabei zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine spĂ€tere Demenz oder kognitive BeeintrĂ€chtigung bei einer vorliegenden Stimmstörung ohne Hörstörung um 58 Prozent höher lag. Trafen sowohl Stimm- als auch Hörstörungen zusammen auf, erhöhte sich dieser Wert um 104 Prozent.
Betrachtete man alle Teilnehmenden mit Stimmstörungen, lag die Wahrscheinlichkeit um 29 Prozent höher, wÀhrend eine alleinige Hörstörung mit einem Anstieg um 27 Prozent einherging.
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Laut Robert Sataloff zeigte sich der stÀrkste Zusammenhang bei Personen, die sowohl unter Stimm- als auch unter Hörstörungen litten. Zudem war eine Stimmstörung ohne Hörverlust mit einem höheren Risiko verbunden als ein alleiniger Hörverlust.
Als möglicher ursÀchlicher Zusammenhang gilt, dass Betroffene womöglich seltener an sozialen und kognitiv anregenden AktivitÀten teilnehmen. Allerdings bedeuten Stimmstörungen nicht zwangslÀufig das spÀtere Auftreten einer Demenz.
Akustische Merkmale und biologische Marker
In einer im Fachjournal Science Advances im Jahr 2026 erschienenen Studie analysierten Forscher Sprachaufnahmen von knapp 3.000 Menschen aus Lateinamerika. Die Stichprobe umfasste konkret 2.928 spanischsprachige Personen aus Argentinien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru.
Darunter befanden sich 1.504 kognitiv gesunde Menschen, 24 Personen mit leichter kognitiver BeeintrÀchtigung sowie 1.068 Patienten mit Alzheimer-Demenz. Zudem nahmen 332 Personen mit frontotemporaler Demenz teil, unterteilt in 255 Personen mit nicht sprachdominanter und 77 mit sprachdominanter AusprÀgung.
Anhand einer vierminĂŒtigen Sprachprobe und mehr als 700 Sprachmerkmalen schĂ€tzte ein Computermodell das sogenannte Sprachalter der Teilnehmenden, wobei die SchĂ€tzung im Schnitt um rund 9 Jahre vom tatsĂ€chlichen Alter abwich.
GröĂere Differenzen zum tatsĂ€chlichen Alter, sogenannte Sprachalter-LĂŒcken, traten gehĂ€uft zusammen mit kognitiven Defiziten, ungĂŒnstigeren sozialen Bedingungen sowie Ă€lteren Profilen des Gehirns und der Epigenetik auf.
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Eine verĂ€nderte Tonhöhe und ein verĂ€nderter emotionaler Klang waren mit einem beschleunigten Altern verbunden, wĂ€hrend die gröĂte LĂŒcke bei sprachdominanter frontotemporaler Demenz auftrat.
Die beobachteten ZusammenhĂ€nge wurden durch Hirnbildgebung, epigenetische Marker und den Biomarker p-Tau217 gestĂŒtzt, wobei sich der Zusammenhang mit p-Tau217 innerhalb der Diagnosegruppen ausschlieĂlich bei Alzheimer-Patienten zeigte.
Grenzen der bisherigen Querschnittsforschung
Trotz der ZusammenhĂ€nge weisen die beteiligten Wissenschaftler auf methodische Grenzen hin. Da es sich bei der Untersuchung in Science Advances um eine ĂŒberwiegend querschnittliche Studie handelt, lassen die Ergebnisse keine RĂŒckschlĂŒsse auf KausalitĂ€ten oder verlĂ€ssliche Vorhersagen kĂŒnftiger Demenzerkrankungen zu.
Ob eine solche Sprachuhr Demenz tatsĂ€chlich verlĂ€sslich prognostizieren kann, mĂŒssen kĂŒnftige Langzeitstudien klĂ€ren. Ebenso ist die Ăbertragbarkeit der Modelle auf andere Sprachen bislang ungeklĂ€rt.
