Aktion, RasenmÀher

Aktion: Warum der RasenmÀher im Mai im Schuppen bleiben soll

25.04.2025 - 06:00:36

Den RasenmĂ€her einen FrĂŒhlingsmonat lang einfach mal ungenutzt stehen lassen? Ja, bitte - fĂŒr die Artenvielfalt, fordern NaturschutzverbĂ€nde. Aber bringt das wirklich was?

  • Sich an der bunten Natur freuen statt zu mĂ€hen - dafĂŒr wirbt die Aktion «mĂ€hfreier Mai» - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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  • Sich an der bunten Natur freuen statt zu mĂ€hen - dafĂŒr wirbt die Aktion «mĂ€hfreier Mai» - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

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  • Auch ein MĂ€hroboter sollte bei der Aktion «mĂ€hfreier Mai» nicht eingesetzt werden. (Archivbild) - Foto: Monika Skolimowska/dpa

    Monika Skolimowska/dpa

Sich an der bunten Natur freuen statt zu mĂ€hen - dafĂŒr wirbt die Aktion «mĂ€hfreier Mai» - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpaSich an der bunten Natur freuen statt zu mĂ€hen - dafĂŒr wirbt die Aktion «mĂ€hfreier Mai» - Foto: Frank Rumpenhorst/dpaAuch ein MĂ€hroboter sollte bei der Aktion «mĂ€hfreier Mai» nicht eingesetzt werden. (Archivbild) - Foto: Monika Skolimowska/dpa

Es ist der klischeebehaftete Dreiklang am Samstagnachmittag im FrĂŒhling, irgendwo in Deutschland: die Radio-Konferenz zu den entscheidenden Spieltagen in der Fußball-Bundesliga hören, Auto waschen - und RasenmĂ€hen. Nun rufen NaturschutzverbĂ€nde dazu auf, im Mai den RasenmĂ€her im Schuppen zu lassen. Warum? Die Aktion «MĂ€hfreier Mai» soll, kurz gesagt, Insekten wie Bienen und Hummeln zu mehr Nahrung verhelfen, weil Blumen aufblĂŒhen können im Garten.

Die HintergrĂŒnde - woher kommt der «MĂ€hfreie Mai»? 

Die Aktion hat ihren Ursprung in England und heißt dort «No Mow May». Der englische Rasen ist besonders kurz, Wildblumen haben keine Chancen zu erblĂŒhen. Das mag adrett und ordentlich aussehen. Doch: FĂŒr Insekten und andere Tiere ist das misslich - sie finden keine Nahrung.

Beim Nabu Baden-WĂŒrttemberg heißt es, die Initiative solle Gartenbesitzerinnen und -besitzer dazu motivieren, weniger zu mĂ€hen. «Wichtig: Das ist nur sinnvoll, wenn man eine klassische RasenflĂ€che hat. Bei Wildblumenwiesen kann Ende Mai mitunter genau der richtige Zeitpunkt sein, um zu mĂ€hen», betont eine Sprecherin. In Deutschland rufen inzwischen etliche Organisationen dazu auf, die Natur im Mai lieber zu genießen als den Rasen zu trimmen.

Und warum ist das Verzichten aufs MĂ€hen sinnvoll?

«Wird im FrĂŒhjahr und FrĂŒhsommer auf das MĂ€hen verzichtet, können sich die Pflanzen bis zur BlĂŒte entwickeln. Im Rasen sind das unter anderem GĂ€nseblĂŒmchen, Weißklee, Gundermann oder Löwenzahn», sagt Tarja Richter, Biologin und Insektenexpertin beim bayerischen Natur- und Umweltverband LBV. Das helfe Insekten, die Nektar und Pollen der Pflanzen brauchen, um sich und ihre Nachkommen zu versorgen. «Von den sich ansiedelnden Insekten können dann auch die im Mai geschlĂŒpften VogelkĂŒken ernĂ€hrt werden.» 

Der Nabu in Baden-WĂŒrttemberg rĂ€t zu mehr Gelassenheit bei der Rasenpflege im Garten, was ja auch weniger Arbeit bedeute: «Einfach weniger radikal rupfen und nicht stĂ€ndig mĂ€hen, dann kommt die blĂŒhende Natur von ganz alleine», sagt Gartenexpertin Aniela Arnold. Wer weniger mĂ€he, könne mehr Natur genießen und habe weniger Stress. 

Sind GĂ€rten wirklich eine relevante GrĂ¶ĂŸe?

Ja, versichern Expertinnen und Experten. «Im Siedlungsraum leben erstaunliche viele Arten, die hier einen Ersatz fĂŒr die freie Landschaft gefunden haben», sagt Tarja Richter vom LBV. Die Uni WĂŒrzburg habe beispielsweise in einem Projekt 247 Wildbienenarten in 40 Dörfern nachgewiesen. «NatĂŒrlich mĂŒssen die grĂ¶ĂŸten BemĂŒhungen auf den Erhalt und Wiederherstellung von LebensrĂ€umen in der Kulturlandschaft abzielen, aber solange es dort mau aussieht, können wir im Siedlungsbereich erstaunlich viel beitragen. Und so klein ist diese FlĂ€che auch nicht: Etwa zwei Prozent der GesamtflĂ€che Deutschlands sind PrivatgĂ€rten.»

Auch der Nabu im SĂŒdwesten versichert, es bringe etwas, wenn in den geschĂ€tzt 17 Millionen privaten GĂ€rten in Deutschland auf die Artenvielfalt geachtet wird: «Auch wenn einzelne GĂ€rten vielleicht nicht groß sind, in Summe können sie einen wichtigen positiven Effekt auf die BiodiversitĂ€t haben – und als Trittsteinbiotope fungieren.»

Sind auch öffentliche Einrichtungen wie Kommunen dabei?

Ja, einige Kommunen machen mit. GrĂŒnstreifen, Böschungen und FlĂ€chen rund um öffentlichen GebĂ€uden werden dann im Mai nicht gemĂ€ht. Der Landkreis Wunsiedel im Norden Bayerns beispielsweise war schon im Vorjahr dabei und will sich auch dieses Jahr wieder beteiligen. Die Aktion sei sinnvoll, teilt eine Sprecherin mit. Das öffentliche Bewusstsein werde gestĂ€rkt, dass eine bunte Blumenwiese genauso schön sein kann wie ein gemĂ€hter Rasen. Die FlĂ€chen werden in diesem Jahr mit einem eigenen Schild gekennzeichnet, um die Bevölkerung auf die Aktion aufmerksam zu machen. 

Beim Nabu heißt es: «Werden öffentliche GrĂŒnflĂ€chen, Böschungen, Weg- und StraßenrĂ€nder weniger gemĂ€ht, spart das Zeit und Personal und fördert zugleich die Artenvielfalt – weniger ist mehr.»

Und nach dem 31. Mai?

NatĂŒrlich bringt es nichts, im Mai aufs MĂ€hen zu verzichten, dann aber allwöchentlich den Rasen wieder kurz zu halten. Am besten solle man eine Sense nutzen und «die MĂ€hintervalle strecken», rĂ€t der LBV. Außerdem: «Es empfiehlt sich abschnittweise vorzugehen: Wenn erst ein Gartenabschnitt gemĂ€ht wird, bleiben andere Teile des Gartens als RĂŒckzugsrĂ€ume fĂŒr die Tiere erhalten.» Das Schnittgut sollte nicht auf den FlĂ€chen liegen gelassen werden. 

Ein RasenmĂ€her-Roboter sei keine geeignete Alternative, da dieses GerĂ€t Igel verletzen oder Insekten schĂ€digen könne. Neben den Insekten und den Wildblumen profitiere auch der Boden vom höheren Gras. Die Erde bleibe feuchter und trockne in heißen Sommern nicht so rasch aus.

Wer dennoch Sorge um die Ordnung im Garten hat, fĂŒr den hat der LBV auch einen Tipp: Wenn Wege und RĂ€nder freigeschnitten wĂŒrden, wirke der Garten trotzdem aufgerĂ€umt.

@ dpa.de